(c) Pester Lloyd / 01 – 2009 WIRTSCHAFT 06.01.2009
Seit Dienstag, 15.30 Uhr fliesst auch nach Ungarn kein Erdgas mehr durch die Pipelines aus der Ukraine
In ganz Osteuropa und auf dem Balkan starten die Notfallpläne
Den Lieferstopp verkündete Energieminister Csaba Molnár in einer eiligen Erklärung am Dienstag Nachmittag. Gestern wies er noch jedes Gerede von einer Energiekrise scharf zurück. Nach dem nationalen Notfallplan haben nun zuerst Industriebetriebe ab sofort mit Einschränkungen in der Belieferung zu rechnen.
Die Lager des Landes können pro Tag rund 51 Mio cbm Gas an die Verbraucher leiten, der Verbrauch beträgt aber bei derzeitiger Witterung mindestens 68 Mio cbm pro Tag. Die Lagerbestände betragen rund 3,8 Mrd. cbm und werden von Ungarns größtem Operator E.ON (neben einer MOL-Tochter) gemanagt, diese würden also für gut 2 Monate bei totalem Lieferausfall und gleichbleibendem Verbrauch reichen. Rund 500 Mio cbm bilden die sogenannte strategische Reserve, auf die nur die Regierung Zugriff hat. Auch die täglich über das österreichsiche Baumgarten abgewickelte Menge von 3 Mio cbm wurde heute halbiert.
Einige Gaskraftwerke stellten – so technisch möglich – ihre Produktion auf die Verarbeitung von Erdöl um, andere mussten ihren Energieausstoss bereits drosseln.
Auch die Slowakei hat bereits eine erste Notstandsstufe ausgerufen, nachdem ihre Belieferungen um 70% sanken. Einschränkungen gelten auch dort vorerst nur für die Industrie. Ungarn ist zu ca. 65%, die Slowakei aber zu 98% von russichem Gas abhängig. In Bulgarien leiden bereits tausende Haushalte unter dem Ausfall der Heizungen, teilweise auch des Stroms. Polen meldet nur noch 15% der üblichen Liefermenge, Italien 20%. Einschränkungen von über 75% melden sämtliche Balkanstaaten.
Der Pester Lloyd berichtet auf dieser Internetseite über die weiteren Entwicklungen für Ungarn und die Region.
Unser monatlicher Nachrichtenspiegel: die wichtigsten Meldungen aus Ungarn und Mitteleuropa, einmal im Monat per E-Mail. Kostenlos, kein Spam, jederzeit abbestellbar.
Nachrichtenspiegel kostenlos abonnieren




