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15% der Kredite in Ungarn sind von Ausfall bedroht

(c) Pester Lloyd / 35 – 2009 WIRTSCHAFT 24.08.2009

30.08.09 _______________________________________________________

Zentralbank schlägt Alarm

15% der Kredite in Ungarn sind von Ausfall bedroht

Die Ungarische Nationalbank hat, in Person ihrer Stellvertretenden Chefin, Júlia Király, laut Alarm geschlagen. Am Freitag sagte sie in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, dass bis zum ersten Quartal 2010, rund 13-15% der von ungarischen Banken ausgereichten Kredite ausfallen könnten. Die Rate fauler Kredite lag Ende 2008 noch bei 4%. Damit setzt sich fort, was viele befürchtet haben. Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist mit der Sanierung des Finanzsystems und einigen Konjunkturhilfen noch längst nicht ausgestanden, im Gegenteil.

Zu Ende Mai waren bereits über 750.000 Bankkunden des 10 Millionen Einwohner-Landes mehr als 90 Tage hinter ihren Kreditraten zurück. Die ungarischen Banken, die meisten davon Töchter ausländischer Häuser, müssen ihre Rückstellungen für die Risiken fauler Kredite dadurch massiv erhöhen, was die operativen Gewinne nicht nur schmälert, sondern meist vollständig auffressen wird. Die Zentralbankerin fügte, eher pflichtgemäß, hinzu, dass die „Kapitallage des ungarischen Finanzsystems steigende Kreditverluste absorbieren“ könne. Man sei für „zukünftige Schocks“ gerüstet, eine Formulierung, die wirklich nicht beruhigt. Júlia Király, stellv. Gouverneurin der Ungarischen Nationalbank

Tatsächlich werden diese Verluste aber auch auf die Muttergesellschaften durchschlagen. Betroffen sind da in Ungarn am stärksten die Erste Bank, Raiffeisen, Volksbank und Bank Austria (zu Unicredit, Italien) in Österreich, die sich gemessen an der Kaufkraft und Wirtschaftsleistung ungesund überproportional in die anfangs profitable Kreditvergabe in Osteuropa gestürzt haben. Diese tun zwar immer noch so, als gäbe es in Österreich, schon allein deshalb, weil es so ein schönes Land ist, keine Krise, hinter den Kulissen wird aber heftig umgeschichtet, um die „zukünftigen Schocks“ verkraften zu können. Die Eigenkapitalausstattung der ungarischen Banken hat sich in den letzten sechs Monaten von 10-11% auf 12% erhöht, dank des Inputs der Muttergesellschaften, die entweder direkt Kapital einspritzten oder größere Teile der erwirtschafteten Gewinne mehr übel als wohl vor Ort beließen.

Die ungarischen Banken sind in den letzten Monaten heftigst in die Kritik geraten, wegen ihrer unkooperativen Haltung gegenüber Schuldnern, die in Schwierigkeiten sind und wegen der Ablehnung eines Notprogrammes und eines „Ethikcodes“, welche die Regierung daher nun bald auf dem Gesetzeswege einführen wird. Es gab Zigtausende Zwangsräumungen, ein Hilfsprogramm der Regierung, die jetzt mitunter direkt mit Kreditbürgschaften beispringt, kam viel zu spät. Júlia Király bemerkt allgemein, dass die Kreditinstitute höhere Kapitalreserven anlegen und die Risikoprovisionen erhöhen, alles Maßnahmen, die nicht gerade geeignet sein dürften, ein entspannteres Kreditklima für Privatpersonen und Kleinunternehmer zu produzieren.

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