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Robert Stolz-Abend im Eduard von Winterstein Theater Annaberg-Buchholz

(c) Pester Lloyd / 52 – 2009 KULTUR 20.12.2009

Robert Stolz-Abend im Eduard von Winterstein Theater Annaberg-Buchholz

Wiener Praterromantik im weihnachtlichen Erzgebirge

Robert Stolz-Abend im Eduard von Winterstein Theater Annaberg-Buchholz

Sicher hätte man auch einen anderen Liedanfang als Titel für den gelungenen Premierenabend „Im Prater blühn wieder die Bäume“ finden können. Musikalisch hatte MD Roland Seiffarth fast alles in der Hand, wenn auch der Konzertmeister im Finale kurzzeitig ein gewisses Eigenleben ausspielte.

Bettina Grothkopf und Francisco Almanza, in “Im Prater blüh´n wieder die Bäume”

im Annaberger Theater. Fotos: Dieter Knoblauch

Bis auf eine Ausnahme waren die erstaunlich jungen Sängerinnen und Sänger allesamt gut drauf und dem Meister der Wiener Operette stimmlich und darstellerisch gewachsen. Allen voran die Damen: Bettina Grothkopf (großartig in „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“), Tatjana Conrad (sehr ansprechend in „Spiel auf deiner Geige“), Bettina Corthy-Hildebrandt (burschikos in „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“) und Maritta Posselt stimmlich und darstellerisch anschmiegsam im Duett mit Almanza in „Komm mit in den Park von Sanssouci“.

Von den Herren überzeugten am meisten der kräftige Tenor Francisco Almanza (mit „Mein Herz ruft immer nur nach Dir, Maria“) und Frank Unger (wohlklingend und strahlend in „Ob blond, ob braun“). Aber auch der samtene Bass von László Varga (Foto) strömte gekonnt im Chanson-Lied „Frag nicht, warum ich gehe“. Noch besser kam sein tiefe Stimme in „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ zum Ausdruck und brachte gestalterisch wohltuend Ruhe ins Programm. Zur Freude des Publikums tanzte er und seine Kolleginnen und Kollegen dann ausgelassen beim Titel „Im Casino, da steht ein Pianino“ auch mal recht verquer! Der viel besetzte Schauspieler und passable Sänger Leander de Marel konnte diesmal an seine Glanzleistungen als einstiger „Publikumsliebling“ nicht recht anknüpfen. Ihm wäre eine fachkundige Beratung durch die Maskenbildnerei des Theaters zu empfehlen, um seinem Typ besser und stimmiger in den Abend einzupassen. Immer dann, wenn de Marel seine komischen Seiten zeigen durfte, kam er ansprechend über die Rampe. Hervorzuheben ist – neben den animierenden Leistungen der Erzgebirgischen Philharmonie Aue – auch das Ballett OPAL mit seinen sehenswerten Damen. Ein besonderes Bravo gilt ebenso Sven Zinkan, der nicht nur durch das Programm führt, singt und tanzt, sondern gemeinsam mit anderen Solisten aufschlussreiche Texte zum Leben des auch politischen Künstlers Robert Stolz beisteuert.

Leider hatte die Premiere eine Art retardierendes Nachspiel, das dramaturgisch ausgesprochen ungünstig platziert war: Das Publikum befand sich nach einem sehr gelungen Robert-Stolz-Abend in finaler Hochstimmung, als es genötigt wurde, dem Abschiedszermoniell des scheidenden Intendanten Krug beizuwohnen. Nach einer kulturpolitischen Grundsatzrede mit ausführlichen biographischen Stationen und Würdigung eines sicherlich verdienstvollen Künstlerlebens durch Landrat Vogel, äußerte sich der Theatervereinsvoritzende Rolf Schubert zwar wesentlich kürzer, aber kaum spannender.

Endlich griff auch noch der Regisseur des Abends und langjährige Chef des Hauses zu gerührten und ausladenden Abschied-Dankesworten – denen aber nicht alle Protagonisten des Abends lauschen wollten und noch vor den Reden die Bühne nahezu demonstrativ verließen. Diese deplazierte Feierstunde (sie hätte vielleicht zu Beginn des Abends, viel kürzer, besser gepasst) war eine Zumutung für das Publikum, aber insbesondere für die anwesenden ausländischen Gäste… Dafür ist die Theater-Kantine, oder besser Theater-Restaurant, und sein Team wieder zu loben. Mit Freundlichkeit und unbürokratisch geht man hier auf alle möglichen Wünsche des Hauspersonals und seiner Gäste ein. Die Vor-, Pausen- und Nachversorgung klappt immer wieder hervorragend – trotz Gewühle und Getümmel in dem kleinen Gastraum.

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