(c) Pester Lloyd / 45 – 2012 NACHRICHTEN 05.11.2012
Am 4. November fanden überall im Lande Gedenkveranstaltungen anlässlich der blutigen Niederschlagung des Volksaufstandes am 4. November 1956 statt. Regierungsvertreter und andere Offizielle legten an der "Wand der Opfer" am "Haus des Terrors" in Budapest Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Die Chefin des Museums weihte ein neues Denkmal in Budapests 18. Bezirk (Foto) ein und betonte, dass "wann immer das Volk von Ungarn von fremden Mächten unterdrückt wurde, stand es auf und befreite sich…" Zahlreiche Menschen besuchten auch den Neuen Budapester Friedhof, wo viele während oder nach den Kämpfen Getötete in anonymen Gräbern beigesetzt wurden. In der Matthias Kirche wurde den Opfern eine Heilige Messe gewidmet. Regierungschef Orbán überreichte der Enkelin des Reformkommunisten und Protagonisten des Aufstandes, Imre Nagy, einen Koffer mit Habseligkeiten ihres hingerichteten Großvaters. Der Koffer war jahrelang im Besitz eines ehemaligen jugoslawischen Diplomaten, dieser hatte ihn nun zurückgegeben. Die Botschaft versuchte Nagy Schutz vor der Rache der Sowjets zu gewähren, was misslang. Am 1956er Denkmal im III. Bezirk hielt IWF-Minister Varga eine Ansprache, in der er die "beschämende und verräterische" Haltung des Westens gegenüber Ungarn erinnerte. Europa und die USA hätten Ungarn in "seinem größten Kampf auf Leben und Tod" im Stich gelassen. Zwar habe es viel Solidarität unter den Bürgern der freien Welt gegeben, die Politiker aber hätte vor dem, was ab dem 4. November geschah, die Augen verschlossen
Die neofaschistische Partei Jobbik versammelte sich vor dem Wohnhaus von Béla Biszkú, der als Innenminister für brutale Säuberungsaktionen seitens der stalinistischen Machthaber verantwortlich war. Er steht seit September 2011 unter Hausarrest, die Staatsanwaltschaft arbeitet noch an den Prozessvorbereitungen gegen ihn. Die rund 100 Anhänger forderten die „Entfernung“ von Vertretern des Ex-Regimes aus dem öffentlichen Leben sowie die Streichung ihrer „Luxusrenten“. Mehr zum Gedenken an 1956 in: Entfernte Freiheit – 22.10.12 Ungarn – ein Zustand: Gedanken zu einem Tag, der kein Feiertag mehr ist
Mehr zu den Demonstrationen am Nationalfeiertag 23. Oktober: Hunderttausendfaches Für und Wider – 24.10.12 Großdemonstrationen von Regierungstreuen und Opposition in Ungarn
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