Die „Insel der Freiheit“ startet mitten in Hitzewelle, Rekorddürre und Energiekrise – Gründer Károly Gerendai ist zurück, der Staub ist es auch
Budapest. Das Sziget hat begonnen – und es beginnt in einem Land, das seit Wochen im Ausnahmezustand lebt. Seit Sonntag läuft auf der Óbudai-sziget das siebentägige Programm, den Auftakt machte der „Tag der Bródy-Lieder“, an dem mehr als fünfzig ungarische Acts – von Gábor Presser und Zsuzsa Koncz bis Azahriah, Beton.Hofi und Carson Coma – das Werk von János Bródy neu vertonten; im Finale stand der 79-Jährige selbst auf der Bühne. Am Montag folgen Faithless, Morcheeba, Goran Bregović sowie Korda György und Balázs Klári – eine Programmkombination, die es so nur hier gibt.
Was gespielt wird
Die fünf Hauptfestivaltage vom 11. bis 15. August bringen die üblichen Größenordnungen: über 300 Acts, ein Dutzend Bühnen, zwölf thematische „Bezirke“. Als Headliner angekündigt sind unter anderem Twenty One Pilots, Florence + The Machine, Lewis Capaldi, Zara Larsson, Bring Me The Horizon, Skrillex, Skepta und sombr. Der elektronische Schwerpunkt wandert in den neuen Delta District (u. a. Underworld, Richie Hawtin, Sara Landry, Nia Archives), Hip-Hop und urbane Kultur in den dropYard. Dazu Zirkus, Theater, Installationen – der Teil des Programms, den viele Besucher am Ende am höchsten bewerten.
Neu ist vor allem der Eigentümer: Nach dem Beinahe-Aus im Herbst 2025, als die Budapester Stadtversammlung über den Flächennutzungsvertrag stritt, ist Festivalgründer Károly Gerendai an die Spitze zurückgekehrt. Ohne diese Rückkehr, sagte er dem Telex, hätte es das Sziget nicht mehr gegeben. Sichtbares Zeichen der neuen Linie: Ungarische Künstler bekommen mit der Budapest-Park-Bühne erstmals eine eigene, prominent platzierte Spielstätte.
Strom, Wasser, Staub – und medizinische Notfälle
Am Rande, aber für dieses Jahr zentral, steht eine Mitteilung der Veranstalter, die vergangene Woche in fast allen ungarischen Medien lief. Nach Kritik, ein Massenevent dieser Größe sei mitten in der Energiekrise unverantwortlich, teilte das Sziget mit: Man habe von keiner Behörde eine Warnung erhalten, das Festival sei nicht gefährdet – und man könne sich im Ernstfall über eigene Aggregatoren nahezu vollständig vom Landesnetz abkoppeln; laut Gerendai wären bis zu 95 Prozent des Bedarfs eigenständig zu decken. Beim Wasser hängt man am Budapester Netz, das derzeit störungsfrei arbeitet, hält aber Reservetanks und zusätzliche Sanitärblöcke vor, damit Duschen und Toiletten auch bei einem Ausfall funktionieren.
Das ist die Kulisse: Ungarn steht seit Ende Juli unter Hitzealarm, das AKW Paks musste wegen des historischen Donau-Niedrigwassers erstmals seit 44 Jahren fast vollständig heruntergefahren werden, Rumänien rief für den gesamten August den Notstand aus. Die Alarmstufe III wurde am Samstag auf Stufe II zurückgenommen – sie gilt bis Dienstagnacht. In Budapest werden für Montag und Dienstag rund 34 bis 35 Grad erwartet, ab Wochenmitte etwas mildere 29 bis 31 Grad.
Mehrere Dutzend Besucher mussten Medizinische Notversorgung in Anspruch nehmen aufgrund der Hitzewelle und möglicherweise Alkohol sowie Drogenkonsum.
Auf der Insel ist die Dürre vor allem als Staub präsent. Der Boden war schon vor Anreise der ersten Gäste in schlechtem Zustand; die Veranstalter haben acht der sechzig Hektar mit Gummi- und Metallmatten sowie Platten abgedeckt – 30 Prozent mehr Fläche als im Vorjahr – und ein provisorisches Bewässerungsnetz gelegt. Eine Garantie, so Gerendai, gebe es bei dieser Witterung nicht. Hinzu kommen Nebelduschen, kostenlose Trinkwasserstationen und klimatisierte Ruhezonen.
Kein Baden gibt es dieses Jahr am Ufer Richtung Óbudaer Gaswerk: Der mit krebserregenden Altlasten belastete Abschnitt ist abgesperrt. Ob überhaupt eine Stelle für den knietiefen Gang in die Donau freigegeben wird, hängt an ausstehenden Untersuchungsergebnissen.
Praktisches
Anreise am schnellsten mit der HÉV H5 bis Filatorigát, von dort fünf bis acht Minuten über die K-Brücke. Der Fünf-Tage-Pass kostet 123.500 Forint (Studierende 78.500), das Tagesticket rund 105 Euro. Getränke sind bis 18 Uhr günstiger als am Abend – ein Anreiz der Veranstalter, früher auf die Insel zu kommen. Günstige Gerichte soll es überall für etwa 3.000 bis 3.500 Forint geben.
Quellen: MTI.hu, Telex, Index.hu, szigetfestival.com
Photo: Illustration, PL









