Der stärkste Programmtag des Festivals fällt auf einen Donnerstag, an dem die Hitze kurz Pause macht – während die Polizei die Rosszullét-Serie vom 8. August untersucht
Budapest. Auf der Óbudai-sziget läuft an diesem Donnerstag der Tag, den viele als den dichtesten des 32. Sziget gehandelt haben: Florence + The Machine und Lewis Capaldi auf der Hauptbühne, dazu Loyle Carner, Parcels, Dom Dolla und, im neuen Delta District, Richie Hawtin. Es ist der dritte der fünf Hauptfestivaltage; das Programm endet am Samstag.
Über der Insel liegt zum ersten Mal seit Wochen ein erträglicher Tag. Rund 30 bis 32 Grad, nordöstlicher Wind, keine Hitzewarnung in Kraft – nach einem Juli und einem Monatsanfang, in denen Ungarn zwischen Hitzealarm, Wasserrestriktionen und Stromsparappellen pendelte. Die Pause ist befristet: Zum Wochenende kehrt die Kanikula zurück, für Sonntag werden bis zu 37 Grad erwartet.
Was heute läuft
Neben den großen Namen ist der Donnerstag auch der Tag der kleinen Bühnen. Auf der Light Stage, wo Bands spielen, die zu Hause bekannt sind und international noch vor dem Durchbruch stehen, tritt das ungarische Duo Stone Sober auf – Csenge Kubik am Schlagzeug, György Urbán an der Gitarre, beide singend, beide an der elektrischen Orgel. Die Gitarre-Schlagzeug-Besetzung ist in Ungarn praktisch ein Solitär; das Vorbild ist hörbar bei den White Stripes zu suchen, das Ergebnis aber eher psychedelischer Garagenrock in der Nachbarschaft von Tame Impala. Das jüngste Album Unreason Season wurde in einer mongolischen Jurte bei Szentes aufgenommen und folgt der Idee von Vivaldis Vier Jahreszeiten – die Frühlingsstücke entstanden im Januar. Für die zweite Sziget-Teilnahme spricht auch die Tournee: 23 Stationen, acht Länder, ab September Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Italien, Kroatien.
Abseits der Bühnen ziehen zwei Dinge verlässlich Publikum: die aufblasbare Lichtskulptur MYRIAD von Architects of Air, 900 Quadratmeter Tunnel und Kuppeln, in denen nicht Projektionen, sondern gefiltertes Tageslicht die Farbe machen – und die Liberty Love Rave im Le Grand Theatre, eine Neuzirkus-Produktion mit rund dreißig Tänzern, die nur an diesen fünf Abenden um 23 Uhr gespielt wird.
Ermittlungen nach dem 8. August
Der ernste Teil dieses Festivaljahrgangs hat vor dem offiziellen Auftakt begonnen. Bei der Party des Radiomoderators Balázs Sebestyén – Bühnenname DJ Oti – am 8. August auf der Hajógyári-sziget, zu der nach Veranstalterangaben rund 65.000 Menschen kamen, berichteten anschließend mehrere Besucherinnen und Besucher in sozialen Netzwerken von plötzlichen Bewusstseinsstörungen. Eine Betroffene gibt an, ihr sei etwas in den Hals injiziert worden; ein Bruder schilderte den Zusammenbruch seiner Schwester und schrieb, im Detox-Bereich vor Ort hätten mindestens 18 junge Leute mit ähnlichen Beschwerden gewartet.
Die Budapester Polizeidirektion BRFK leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen Drogenbesitzes ein – nicht gegen den Veranstalter oder den Künstler, sondern zur Klärung des Sachverhalts. Nach Angaben der Behörde vom Donnerstag wurden bislang Zeugen vernommen, zuletzt am 12. August, Proben genommen und Kameraaufnahmen beschlagnahmt, die derzeit ausgewertet werden. Ein gerichtsmedizinischer Toxikologe wurde bestellt. Bestätigt ist damit bisher nichts.
Die Veranstalter erklärten, von den über 60.000 Gästen hätten weniger als hundert medizinische Hilfe gebraucht, davon rund zwanzig wegen Alkohols; Drogenfälle seien nicht registriert worden. Der Rettungsdienst OMSZ wiederum musste sich mit dem Vorwurf befassen, Sanitäter hätten Betroffene herablassend behandelt – man nehme solche Rückmeldungen ernst und prüfe sie. Sebestyén selbst nannte die Berichte traurig, mahnte zur Vorsicht mit offenen Gläsern und fügte hinzu, es kursierten auch Behauptungen von zweifelhaftem Wahrheitsgehalt.
Für das laufende Festival ist die medizinische Struktur nach Angaben des OMSZ ausgebaut: eine vollständig eingerichtete Ambulanz mit internistischem und chirurgischem Behandlungsraum, Schockraum, Detox- und Beobachtungszimmern, zu Spitzenzeiten knapp fünfzig Fachkräfte und mehrere Rettungseinheiten gleichzeitig, dazu eine 24 Stunden geöffnete Apotheke. Koordiniert wird über ein Operatives Leitungszentrum, in dem Rettungsdienst, Katastrophenschutz, Polizei, Meteorologischer Dienst und die Sicherheitsfirma zusammensitzen. Gesundheitsminister Zsolt Hegedűs besuchte die Insel am Wochenanfang und bescheinigte der Versorgung gute Organisation. Die Lärmmessungen blieben nach Angaben der Behörden deutlich unter den Grenzwerten.
Der Rest des Tages
Jenseits der Insel bleibt der 13. August ein Tag der Dürre. Zwischen Paks und Dunaszentbenedek begann der Bau einer Sohlschwelle in der Donau, die erste von zwei Bärkas wurde vertäut, rund hundert Soldaten arbeiten rund um die Uhr; das Kernkraftwerk läuft mit zwei von acht Turbinen. In Rumänien ging am selben Morgen mit Block 2 von Cernavodă der letzte Reaktor des Landes vom Netz. Und die Prognosen für die kommenden vier bis fünf Tage deuten bereits wieder auf sinkende Pegel – die vollständige Abschaltung von Paks ist damit nicht vom Tisch.
Ökonomisch steht auch das Festival unter Druck. Károly Gerendai, seit dem Beinahe-Aus im vergangenen Herbst wieder an der Spitze, rechnet für 2026 mit einem Minus von rund 1,5 Milliarden Forint – nach 2,8 Milliarden Verlust im Vorjahr. Die „Insel der Freiheit“ ist zurück, wirtschaftlich gerettet ist sie nicht.
Am Freitag folgen Bring Me The Horizon, Skepta und Peggy Gou, am Samstag schließt das Sziget.
Quellen: MTI.hu, Index.hu, 444.hu, hvg.hu, police.hu, szigetfestival.com
Photo: Illustration, PL














