(c) Pester Lloyd / 16 – 2013 WIRTSCHAFT 14.04.2013
Der Anstieg bei den landwirtschaftlichen Erzeugerpreisen setzte sich, laut Statistischem Zentralamt KSH, auch im Februar fort. Insgesamt stiegen die Preise bei den Herstellern um 17% gegenüber dem Vorjahr, Feldfrüchte verteuerten sich um 20%, tierische Produkte um 6,5%. Der Beschaffungspreis für Kartoffeln war im Februar mehr als doppelt so hoch (+108%) wie vor einem Jahr und liegt bereits bei über 90 Forint / kg (allerdings sank der Preis im Vergleichsmonat um fast 60%, was die Berechnungsbasis etwas dramatisiert, auf 2-Jahres-Basis ist immer noch ein Rückgang von knapp 15% zu verzeichnen), Sonnenblumenkerne erreichten mit einem weiteren Anstieg von 23% auf 140.000 HUF / Tonne ein neues Allzeithoch. Alle Getreidearten zusammengenommen, verteuerten sich um 30,3%, Industriepflanzen kosteten 20,7% mehr. Gemüse und Obst wurden 3,4 bzw. 4,4% teurer, Schlachtvieh 8,5%, dabei Rinder +10%, Geflügel +12,9%, Schweinefleisch stieg um 4,5%, nachdem der Preis dort im Februar 2012 um über 23% gestiegen war. Der Bezugspreis für den Handel bei Milch liegt unverändert bei 95 Forint / Liter (32 Cent), Eier haben sich leicht verbilligt. Für die beiden ersten Monate des Jahres beträgt der Preisanstieg in Summe 17,8%, 2012 gaben die Preise im selben Zeitraum um 1,2% nach
Ungefähr die Hälfte des Preisanstieges ist mit gestiegenen Produktionskosten, der allgemeinen Teuerung und Spekulation erklärbar, der Rest geht auf die Kappe der schlechten Witterungsbedingungen ( Dürre 2012 ) und damit verbundenen Angebotsverknappung. In diesem Jahr beunruhigt die Bauern hingegen das massive Binnenhochwasser, das derzeit noch über 100.000 Hektar unbebaubar macht und die Aussaat vierlorts bereits um 4 Wochen verzögert.
Aufgrund der Kaufkraft- und Konkurrenzsituation schlagen die Preissteigerungen beim Einkauf nicht immer unmittelbar auf die Verkaufspreise im Einzelhandel durch, dennoch stiegen die Preise im Lebensmitteleinzelhandel 2012 mit 11% etwa doppelt so stark wie insgesamt. Einzelne Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Mehl, Zucker, Öl verteuerten sich auch im 20%+-Bereich. Die davon besonders existentiell betroffenen untersten Einkommensschichten könnten durch eine Absenkung des Mehrwersteuersatzes auf bestimmte Lebensmittelgruppen von derzeit 27 bzw. 18% auf z.B. 5-7% (wie fast überall in Europa üblich) deutlich entlastet werden. Die Regierung gibt vor, dass die dafür notwendigen ca. 300 Mrd. HUF (etwa 1. Mrd. EUR) im Budget nicht vorhanden seien. Allerdings bedeutet diese Summe lediglich die Hälfte dessen, was durch die von der Fidesz-Regierung eingeführte Flat tax jährlich den Besserverdienern an Steuergeschenken bereitet. Außerdem würde durch eine Harmonisierung der Steursätze mit den Nachbarn in der Region die betrügerischen Mehrwertsteuerkarusselle eindämmen, die den Haushalt geschätzt bis zu 1,5 Mrd. EUR im Jahr kosten. Mehr zu dieser Problematik .
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