Negativer Rekordpegel verschärft Ungarns Wasserkrise – Schifffahrt eingeschränkt, neue Hitzewelle steht bevor
Budapest. Die Donau ist in Budapest auf den niedrigsten jemals gemessenen Wasserstand gefallen. Am Dienstagmorgen registrierte der Pegel an der Hauptstadt nur noch 30 Zentimeter und unterschritt damit den bisherigen Negativrekord von 33 Zentimetern, der am 25. Oktober 2018 gemessen worden war. Nach Angaben der ungarischen Wasserbehörden und Berichten von Telex dürfte sich die Lage in den kommenden Tagen weiter verschärfen, da über den Einzugsgebieten der Donau keine nennenswerten Niederschläge erwartet werden.
Der historische Tiefstand markiert einen weiteren Höhepunkt einer außergewöhnlich trockenen Phase, die inzwischen weite Teile Ungarns erfasst hat. Bereits Mitte Juli hatte sich der Pegel bis auf wenige Zentimeter dem bisherigen Rekord angenähert, bevor er kurzfristig leicht anstieg und anschließend erneut kontinuierlich fiel.
Welche Folgen hat der Rekordpegel für Wirtschaft und Infrastruktur?
Die niedrige Wasserführung beeinträchtigt inzwischen zentrale Verkehrs- und Wirtschaftsbereiche. Auf mehreren Donauabschnitten können weder Frachtschiffe noch Passagierschiffe ihre Routen uneingeschränkt fortsetzen. Auch im Budapester Stadtgebiet gelten bereits Einschränkungen für die Schifffahrt.
Nicht nur die Donau befindet sich in einer kritischen Situation. Bereits am 18. Juli wurde bei Baja ein neuer Negativrekord registriert. Gleichzeitig nähert sich auch die Theiß historischen Tiefständen, während in mehreren ungarischen Mittelgebirgen kleinere Bäche vollständig austrocknen.
Nach Angaben der Behörden herrscht inzwischen auf 89 Prozent der Landesfläche mindestens mittlere oder schwere Dürre. Die Wetterprognosen lassen kurzfristig keine Entspannung erwarten. Eine anhaltende Hitzewelle wird in den kommenden Tagen weite Teile Mitteleuropas erfassen, wobei für Ungarn besonders hohe Temperaturen prognostiziert werden. Bereits während der vorherigen Hitzewelle war es regional zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung gekommen.
Von der Donau bis zum Velence-See – eine landesweite Wasserkrise
Der Rekord an der Donau bestätigt eine Entwicklung, über die Pester Lloyd bereits in den vergangenen Tagen ausführlich berichtet hat. Erst kürzlich erreichte der Wasserstand des Velence-Sees (Velencei-tó) den niedrigsten Stand seit Beginn der modernen Messungen. Große Uferbereiche sind trockengefallen, der Schiffsverkehr wurde eingestellt und zahlreiche Tourismusbetriebe stehen wirtschaftlich unter Druck.
Die nun erreichten Rekordwerte an Ungarns größtem Fluss verdeutlichen, dass es sich nicht mehr um einzelne lokale Extremereignisse handelt. Seen, Flüsse und kleinere Gewässer reagieren gleichzeitig auf dieselben klimatischen Belastungen und langjährige Defizite im Wassermanagement. Während der Velence-See als besonders sichtbares Symbol der Krise gilt, zeigt der Zustand der Donau, dass inzwischen auch zentrale europäische Wasserstraßen betroffen sind.
Pester Lloyd hat diese Zusammenhänge bereits im Hintergrundbeitrag Warum Europa austrocknet – Dürre und permanente Klimakrise analysiert. Darin wird erläutert, wie steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster, zunehmende Verdunstung und historische Eingriffe in natürliche Wassersysteme gemeinsam dazu führen, dass Wasser immer seltener dort verfügbar ist, wo Landwirtschaft, Ökosysteme, Energieversorgung und Schifffahrt darauf angewiesen sind.
Nach Angaben der Wetterdienste ist in den kommenden Tagen über den Donaueinzugsgebieten kein signifikanter Niederschlag zu erwarten, sodass kurzfristig nicht mit einem Anstieg des Wasserstands gerechnet wird.
Quellen: Telex, Pester Lloyd
Photo: Donau fließt, im Hintergrund das Parlament von Budapest (Mahart Cruises)











