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Ballet an der Staatsoper Budapest in einer Rück- und einer Vorschau

(c) Pester Lloyd / 42 – 2009 KULTUR 14.10.2009

Ballet an der Staatsoper Budapest in einer Rück- und einer Vorschau
Ballet an der Staatsoper Budapest in einer Rück- und einer Vorschau

Balanchine geht, die Karamasows kommen

Ballett an der Ungarischen Staatsoper Budapest in einer Rück- und einer Vorschau

Der legendäre russische Choreograph Boris Eifman inszeniert gerade ein modernes Tanzdrama nach der weltberühmte Romanvorlage von Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“. – Mit einer Balanchine-Nacht erinnerte man dreifach an den großen Meister George Balanchine.

Dreimal Balanchine

Als der Vorhang sich hebt, brennt sich die erste Szene bereits in das Gedächtnis des Zuschauers: ein Stillleben aus weiblichen Tänzern, deren Blick sich in der Ferne verliert. Serenade ist das erste der drei Ein-Akt Stücke, welche in der „Balanchine-Nacht“ aufgeführt werden. Alle Stücke sind Beispiele des so genannten „Symphonic Ballet“ Balanchines: Die Choreographien wurden anhand eines bereits existierenden Musikstückes erarbeitet. Es gibt keine Handlung, keine Geschichte, die vertanzt wird. Der Tanz in seiner reinen Form steht im Mittelpunkt. In Serenade, das 1934 zum ersten Mal aufgeführt wurde, wird der Zuschauer nur mit der Serenade for strings op. 48 von Tschaikowsky und der tänzerischen Interpretation konfrontiert; aber gerade diese Reduktion fesselt den Zuschauer. Das Bühnenbild der ungarischen Nationaloper ist schlicht gehalten, ein leicht türkiser Hintergrund lenkt nicht von der Grazie und Präzision der Tänzerinnen bei Serenade ab. Katalin Volf, György Szirb, Alexandra Kozmér Fotos: Ungarische Staatsoper, Béla Mezey

Das zweite Stück, Concerto Barocco aus dem Jahre 1941, greift die Musik von Johann Sebastian Bach auf. Der Tänzer György Szirb erscheint, wieder die einzig männliche Rolle. Er hilft, hält und führt die beiden Solotänzerinnen Adrienn Pap und Jaclyn Ann Higgins. Im Mittelpunkt der ersten beiden Stücke stehen die Tänzerinnen, schon alleine durch ihre Überzahl. Diese Huldigung der Frau ist wiederkehrend in den Arbeiten des Choreographen George Balanchine, dessen gesamtes Werk über 400 Stücke umfasst.

Gershwin-Balanchine: Who Cares?, Attila Szakács, Adrienn Pap Das letzte Stück, „Who Cares?“ aus dem Jahre 1970, wirkt durch und durch amerikanisch. Aber nicht zufällig: George Balanchine war Mitgründer der American School of Ballet in New York, USA. Manch ein Zuschauer wippt mit dem Fuß, während die bekannte Musik von George Gershwin ertönt. Die Tanzszenen erinnern an Kabarett und Vaudeville, humorvolle, kecke Einlagen, die einen Kontrast zu den beiden vorherigen Stücken bilden. Die männlichen Tänzer, nun zahlreicher, schreiten wie Broadway-Stars über die Bühne, sie schnipsen mit den Fingern, und entfliehen bei manchen Bewegungen aus dem Radius des klassischen Balletts. Als die Tänzerin beim letzten Takt des Liedes den Kopf wegdreht, als der Partner sie zärtlich küssen möchte, lacht das Publikum kurz auf. Die Männer tragen Glitzerhemden, die Kostüme der Ballerinas erinnern trotz ihrer Schlichtheit an Las Vegas und an Entertainment. Ein beschwingtes Stück, das auch Nicht-Ballett-Kennern leicht zugänglich ist. Ein toller Abend, um das Werk des Choreographen George Balanchine kennen- oder auch lieben zu lernen. Durch die Auswahl der Stücke lässt sich erahnen, welch eine Bandbreite an Stücken er geschaffen hat. Die Pausen zwischen den einzelnen Stücken sind zwar zwei Mal eine halbe Stunde lang; dies gibt dem Zuschauer Zeit, das Gesehene zu reflektieren.

Eifmans „Die Karamasows“ ab November

Der legendäre russische Choreograph Boris Eifman inszeniert gerade eine modernes Tanzdrama nach der weltberühmte Romanvorlage von Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“. Das Stück unter dem Titel „Die Karamasows“ wird am 7. November im Opernhaus Premiere haben, Eifman hat sechs Assistenten aus Russland mitgebracht, die das Budapester Ballettensemble richtig schleifen sollen. Das Tanzdrama in zwei Akten wird sich auf die Beziehungen der sechs Hauptcharaktere und ihre persönlichen Tragödien konzentrieren. Eifman nutzt zwar überwiegend Elemente und Techniken des klassischen Tanzen, interpretiert sie aber um und wandelt sie in die Moderne. Dazu bedient er sich u.a. der Musik von Rachmaninow, Wagner, Mussorgsky, aber auch Zigeunerweisen. Boris Eifman wurd schon Anfang der 70er Jahre durch eigene Arbeiten bekannt und leitete ab 1977 für dreißig Jahre das weltberühmte Leningrader (später St. Petersburger) Ballettensemble.

Fiona Weber-Steinhaus

„Die Karamasows“, Ballett in zwei Akten, Samstag, 7. November (Premiere), dann 8.11., 12.11., 13.11., 20.11., 26.11, jeweils um 19 Uhr, 15.11., 22.11., um 11.00 Uhr

Andrássy út 22, 1061 Budapest www.opera.hu , Email: [email protected] Kartenbestellung Tel: 0036/ 1 353 0170, Email: [email protected]

Doppelt gespalten

Bartóks Blaubart zweimal hintereinander an der Staatsoper Budapest Am 11. Oktober hat die Oper „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók an der Ungarischen Staatsoper Budapest, dem Ort ihrer Uraufführung 1918, Premiere. In einer Doppelaufführung, die weitere Perspektiven auf ein kompliziertes psychologisches Geflecht zwischen und in den Hauptfiguren freilegen soll.

ZUM BEITRAG

Pracht und Bürde

125 Jahre Ungarische Staatsoper – Ein Spaziergang durch die Geschichte

Die Budapester Oper am Andrássy Boulevard erlebte prächtige Zeiten unter Mahler, Nikisch, Puccini und anderen, kämpfte sich durch eine aufregende Zwischenkriegszeit und erholte sich schnell nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis heute trägt sie an der Bürde ihrer äußeren Pracht, der Funktion als Nationalsymbol und leidet seit der Wende unter künstlerischem Schlendrian und halbherzigen Konzepten, trotz einiger Hoffnungszeichen. ZUM BEITRAG

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