(c) Pester Lloyd / 41 – 2010 NACHRICHTEN 11.10.2010
Banken und Arbeitgeber zeigen mitunter wenig Mitleid – Pressezentrum vor Ort
Wie lange die Sperrung von Kolontár noch anhält, soll am Montag gegen Abend entschieden sein. 715 Einwohner der Stadt, die am Samstag wegen der Angst vor einem erneuten Dammbruch evakuiert wurden, leben derzeit in Turnhallen in Veszprém, so sie nicht bei Verwandten unterkommen konnten. Ein Schutzdamm soll sie und ihre Häuser ab Montag vor einer sehr wahrscheinlichen zweiten Giftschlamm-Welle (siehe nachfolgende Meldung) aus dem Becken der Aluminiumfabrik schützen.
Wie grotesk und tragisch die Lebenssituation der Betroffenen, trotz der von der Regierung, den Verursachern und Versicherern behaupteten „umstandslosen Soforthilfen“ sein kann, zeigen zwei Beispiele: Einwohner, die sich auf amtliche Nachfrage dafür entschieden, ihre unbewohnbaren Häuser auf Dauer zu verlassen, sehen sich seitens der Banken mit der fristlosen Fälligstellung ihrer Hypothekenkredite konfrontiert, da, so die Banken, „die notwendigen Sicherheiten nicht mehr existieren“. Eine Frau berichtet, dass sie ihren Job verliert, wenn sie aufgrund der Evakuierung am Dienstag nicht rechtzeitig zur Arbeit erscheinen kann. Anhand solcher und vieler weiterer, sehr persönlicher Schicksale wird sich die Ankündigung von Premier Orbán messen lassen, der sagte, dass „niemand ohne Hilfe bleibt.“ – Nationale Kooperation, das politische Schlagwort seiner Regierung, sollte sich nun, im Konkreten, mit Leben erfüllen…
Unter der Überschrift “Ungarische Tonerdeproduktion in Gefahr” übertraf die Magyar Alumínium Zrt. ihre kommunikativen Leistungen der ersten Tage nochmals und drückt in herzhaften Worten aus, worum es ihr wirklich geht. Hier der ganze Text auf Deutsch auf der Webseite der Verursacherfirma: http://deutsch.mal.hu/engine.aspx?page=showcontent&content=veszely_timfold_DE
Kolontár und Devecser sind für Journalisten gesperrt, doch immer wieder versuchen Medienvertreter in die Orte vorzudringen. Am Unglücksort wird daher ab Montag ein internationales Pressezentrum als eine Art Auffanglager eingerichtet.
Zweite, noch größere Giftschlamm-Welle in Ungarn unausweichlich
Der Riss an der Wand des Giftschlammbeckens in Ajka wird immer größer, die Katastrophenschützer erwarten den nächsten Dammbruch. „Die nächste Tragödie kann morgen oder in einer Woche stattfinden, aber die Mauer wird brechen.“ So deutlich drückt es Zoltán Illés aus, Staatssekretär für Umwelt und einer der Hauptakteure auf Seiten der Katastrophenbekämpfer. Der Bau einer 10 Meter hohen und nun auf 600 Meter konzipierten Schutzbarriere soll bis Montagabend abgeschlossen werden, doch wird diese nicht die neuen Schlammmassen auffangen, sondern lediglich ablenken können. Während die erste Schlammflut rund 800.000 Kubikmeter Material fortspülte, könnte die nächste Welle sogar über 1,5 Millionen Kubikmeter umfassen, ca. 2,5 Mio Kubikmeter befinden sich insgesamt noch im Becken. Wie es bei der jetzigen Planung aussieht, werden die Flüsse Tolna und Marcal geopfert werden müssen, später könnte man dann über ein Auffangbecken reden, so Illés. Gleichzeitig beruhigte der Politiker, dass die ph Werte in der Donau im „komplett sicheren“ Bereich seien. Über die externen Messdaten, die extrem hohe Arsen- und Quecksilberwerte offenbarten, schweigt sich die Regierung weiterhin aus. Militäreinheiten bei der Schlammbeseitigung am Ort und an der Uniform. Foto: MTI
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