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Elie Wiesel und Premier Bajnai über den Kampf gegen die extreme Rechte in Ungarn

(c) Pester Lloyd / 50 – 2009 POLITIK 11.12.2009

Rechtsextreme schaden dem ganzen Land

Elie Wiesel und Premier Bajnai über den Kampf gegen die extreme Rechte in Ungarn

„Man muß Partei ergreifen. Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer. Stillschweigen bestärkt den Peiniger, niemals den Gepeinigten.“ Aus der Rede Elie Wiesels anläßlich der Verleihung des Nobelpreises, 1986

Am Donnerstag besuchte der Friedensnobelpreisträger und Schriftsteller Eli Wiesel Budapest. Der Holocaustüberlebende nutzte den Tag der Menschenrechte, um die Durchsetzung derselben einzufordern. Er bedauert, dass sich dahingehend in Ungarn die Dinge eher zum Schlechten gewandelt hätten, denn zum Guten.

„Die Stimme der Extremisten wird lauter“, sagte Wiesel, aus Rumänien stammend und heute US-Bürger, und begrüßte die ungarischen Initiativen, die eine Bestrafung der Holocaustleugnung und der Hassrede gegen ethnische und sonstige Minderheiten fordern. Wiesel bot Premier Bajnai ein konkretes Projekt zur Aufarbeitung der ungarischen Vergangenheit an. Er wies darauf hin, dass in Moskau seit einiger Zeit rund 45.000 Kartons mit Dokumenten zugänglich seien, die Zeugnisse über den ungarischen Holocaust enthalten. Er bot an, die Kosten für das Kopieren dieser Dokumente von 20.000 Dollar selbst zu übernehmen, damit ungarische Forscher Zugang dazu erhalten könnten. Mit dieserm Angebot blamierte er Ungarn ziemlich, denn die Russen hatten den Ungarn schon längst Zugang zu den Materialien angeboten, wegen interner Komptenzstreitigkeiten konnte bisher aber kein Budget dafür aufgetan werden.

Der ungarische Ministerpräsident rief dazu auf, dass sich die ungarische Linke und die Rechte zusammentun sollten, um die extreme Rechte zu bekämpfen. Auf einer Konferenz über das Zusammenleben von jüdischen und nichtjüdischen Ungarn sagte er, dass es nicht nur Aufgabe der Politiker ist, die demokratischen Grundwerte gegen Feinde der Demokratie zu verteidigen. Dieser Kampf dürfe nicht dem politischen Wettbwerb geopfert werden. Ungarische Demokraten würden einen großen Fehler begehen, wenn sie glauben, Antifaschismus als eine neue Front politischer Feindseligkeit untereinander eröffnen zu müssen. Ein ebenso großer Fehler ist es, wenn sich Lokalpolitiker mit Rechtsextremen verbünden oder von ihnen unterstützen lassen, um die eigene Macht zu sichern. „Es muss eine klare Unterscheidung gemacht werden zwischen Demokraten und den Feinden der Demokratie.“ Es müsse klar erkennbar sein, wer zu welcher Seite gehört.

Elie Wiesel ergänzte, dass diejenigen, die antisemitische und rassistische Hetzreden verbreiten, nicht nur die Minderheiten selbst angreifen, sondern alle Ungarn attackieren, weil sie Schande über das ganze Land bringen. Er erinnerte daran, dass „Hassrede“ auch vor 65 Jahren der harmlos scheinende Anfang der dann folgenden Horrorakte war.

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