(c) Pester Lloyd / 12 – 2013 NACHRICHTEN 22.03.2013
"Ethnisch motivierter Mord" in Serbien stellt sich als "Saufgelage mit Todesfolge" unter Ungarn heraus Anfang der Woche sorgte der Mord im serbischen Bečej, in der von vielen ethnischen Ungarn bewohnten Vojvodina für Aufregung auch in ungarischen Medien. Dort wurde ein 17jähriger Angehöriger der ungarischen Minderheit von mutmaßlich vier Tätern angeblich verprügelt, gefoltert und dann zu Tode gesteinigt. Es war von vier Männern im Alter von 30-40 Jahren in mehreren Fahrzeugen, also einem organisierten Überfall die Rede. Noch bevor man die polizeilichen Ermittlungen abwartete, erschallte aus der Umgebung der ungarischen Regierungsparteien, so von der nationalistisch-fundamentalchristlichen Anhängselpartei KDNP des Vizepremiers Semjén, der Fidesz-Jugendorganisationen Fidelitas und von anderen Vereinigungen ein Aufschrei wegen des "rassistischen Verbrechens" gegen die ungarische Minderheit, verbunden mit einem Aufruf an die serbischen Behörden, diesem "sich andeutenden Genozid" ein Ende zu bereiten und dem lautstarken Vorwurf an internationale Organisationen, sie würden sich zwar rührend um die "Zigeuner" in Ungarn kümmern, seien aber gegenüber "ethnischen Ausschreitungen" gegen Ungarn im Ausland blind und stumm. Dreisprachiges Ortschild in der Vojvodina, in Serbien. In Ungarn schon mal ein Schild auf Romani gesehen? Nein. Dafür altungarische Runenschrift
Nun stellte sich (Stand der Ermittlungen heute) heraus, dass der von der Polizei als Hauptverdächtige verhaftete, ein 14jähriger Jugendlicher ist, der ebenfalls der ungarischen Minderheit angehört und für die Einvernahme bei der Polizei sogar einen Dolmetscher brauchte, weil er nicht genügend Serbisch spricht. Der Verdächtige ist ein Bekannter des Mordopfers, die sich kurz vor der Tat noch gemeinsam betrunken haben. Auch der Tathergang sah anders aus, als zunächst verbreitet: nach der Obduktion kam heraus, dass seine Kameraden das sturzbetrunkene Opfer einfach bewusstlos in einer Pfütze zurückgelassen hatten, wo er erstickte. Der Verdächtige hat ein Teilgeständis abgelegt, melden serbische Medien.
Von den Fidesz-Leuten ist seitdem nichts mehr zu dem Fall zu hören gewesen. Die linke Opposition sieht in dem Buhei einen Beleg dafür, dass die „Sorge“ um die Auslandsungarn lediglich die Funktion erfüllen soll, vom Rechteabbau im eigenen Land abzulenken. Fakt ist, dass es – auch körperliche – Übergriffe seitens nationalistischer Slowaken, Ukrainer, Rumänen, Serben gegen ethnische Ungarn in den Nachbarländern gibt, die allerdings nicht messbar über das Maß „normaler“ Kriminalität oder ethnischer Friktionen in anderen Ländern Europas hinausgehen. Was man aus diesem Fall lernen kann: die Verantwortlichen beider Länder sollten sich Gedanken machen, warum 14jährige die Landessprache nicht beherrschen und sich zu Tode saufen, anstatt sich darüber den Kopf zu zerbrechen, welcher “Ethnie” sie angehören. red.
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