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Extremly Hungary in New York und Washington 2009

(c) Pester Lloyd / 22 – 2009 KULTUR 28.05.2009

„Extremly Hungary“ präsentiert Kunst und Kultur in New York und Washington als Klischée-Haschée bis hin zum rituellen Selbstmord

Extrem ist derzeit vieles in Ungarn, aber diesmal wird es kein Bericht über die „Ungarische Garde“, es geht um Kultur. Zugegeben, in heutigen Zeiten auch schon ein extremer Luxus. Da wird überall gespart, sogar beim Kindergeld und den ohnehin mickerigen Renten, aber für ein „Festival“, dass „ungarischen Flavor in den New Yorker Sommer“ bringt, sind offenbar Ressourcen da. Gut so, ist doch die zeitgenössische Kunst- und Kulturszene eine der wenigen Möglichkeiten des Landes, immerhin ein modernes und weltoffenes Bild abzugeben.

Kulturförderung rechnet sich nicht, es rächt sich aber bitter, bleibt sie aus. Mit nicht unerheblichen Geldmitteln (und Sponsoren) setzt Ungarn unter der Maske des postmodernen Understatements wieder auf den üblichen Wanderzirkus Mischmasch, wie man es von den Kulturinstituten her gewohnt ist. Man gibt zwar immer vor, der Avantgarde den Vortritt zu lassen, am Ende wird es aber ein Klischée-Haschée, dass vor allem in seinem Bemühen auffällt, Klischées abzubauen und den Publikumserwartungen derart haargenau entgegenzukommen, dass gepflegte kopfnickende Langeweile das Ergebnis sein muss. Die Generation der Leiter der Kulturinstitute Ungarns im Ausland hat sich zwar etwas verjüngt, auch geistig, nicht aber deren Vorgesetzte und Stabsoffiziere in den ungarischen Ministerien. Diese hängen, was auswärtige Kulturpolitik anbelangt, noch in und an den 70er Jahren, ein bisschen Zsolnay hier, ein Vortrag über Thermalbäder da und dann noch ein Tanzhaus, hoppsassa. Warum sollten Kulturfunktionäre auch weiter sein als andere politische „Eliten“ im Land? Für die „Extremly Hungary“-Saison, die in ihr fünftes Jahr geht, bringt man auch so einen bunten Blumenstrauss nach New York (und Washington), bei dem zwar die Stereotype benutzt, vielleicht, wenn es gut geht, aber nicht abgenutzt werden, einfach weil Qualität und Selbstironie mitspielen, hoffentlich auch das verwöhnte aber offene und feierfreudige Publikum. Anfang Juni tritt Felix Lajko unter dem Motto „River-to-River´s“ erstmals in New York auf, an der Pace University, Einritt frei!, um Spenden wir nicht einmal gebeten. Mit seinem Fusion-Jazz aus Klezmer, Gipsy, Folk und diversen Jazzrichtungen vertritt er praktisch alle ungarischen Randgruppen gleichzeitig. Im Lincoln Center (immerhin da, wo auch die Met ist), dürfen sich sowohl das Katona József Theater (mit dem großen ungarischen Dramatiker Tschechow) als auch die wilde Truppe von Béla Pinter theatralisieren, natürlich mit der nun schon zum running Gag ausgeuferten „Bauernoper“. Eine Fotoausstellung über jüdisches Leben in Ungarn 1870-1940 ergänzt das Angebot.

Ente mit zwetschkengefüllten Pfannkuchen und pochierten Fisch will man als Beweis des „Reichtums und der Vielseitigkeit“ ungarischer Küche ausgerechnet im „Französischen Kulinarischen Institut“ zurichten. In Japan nennt man so etwas rituellen Selbstmord. Abgesehen davon, dass man in ganz Ungarn noch nie einen Fisch „pochiert“ hat, ein netter Versuch sich im wahrsten Sinne köstlich zu amüsieren, vielleicht auch zu blamieren. Immerhin lenkt man so von der traurigen Realität in Ungarn ab. Wer weiß, am Ende wird man die Gäste wohl mit Wein abfüllen, dann stellen die keine unangenehmen Fragen mehr, warum in Budapest das Dach brennt und stossen gemeinsam auf den Triumph der ungarischen Küche über fast alle anderen dieser Welt an und darauf, dass man Politik und Kunst mal wieder fein säuberlich getrennt hat. Ungarn extrem eben.

www.extremelyhungary.org

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