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„Gehen Sie doch einfach!“: Orbáns EVP-Kollegen platz der Kragen

(c) Pester Lloyd / 15 – 2017 NACHRICHTEN 10.04.2017

"Gehen Sie doch einfach!": Orbáns EVP-Kollegen platzt der Kragen

Orbáns Fidesz-Abgeordnete im Europaparlament strapazierten in der Vorwoche die Geduld ihrer EVP-Parteifreunde aufs Äußerte. Nicht genug damit, dass die ungarische Regierungspartei ein Gesetz verabschieden ließ , das nicht nur gegen die CEU, sondern die Freiheit der Wissenschaft ganz allgemein gerichtet ist, fühlte sich einer der ungarischen Fidesz-EP-Abgeordneten auch noch befleißigt, den europäischen EVP-Freunden eine absurde Email im Karl-Eduard-von-Schnitzler-Stil zu schreiben, um jede interne Kritik im Keim zu ersticken.

Das Portal Politico veröffentlichte die Mail, in der es u.a. heißt, dass „Kritiker des neuen Hochschulgesetzes grob missgeleitet“ seien von „der Propaganda und der privaten Agenda des US-Milliardärs Soros“, sie würden sich in einer „Blase virtueller Realtität“ befinden. Die CEU würde agieren wie in der „Welt der Orwellschen Farm der Tiere“, in der es „gleiche, aber auch noch gleichere gebe.“

Die EVP-Kollegen, die seit 2010 Orbán praktisch täglich den Rücken frei gehalten haben, mögen seine antidemokratischen und antirechtsstaatlichen Maßnahmen auch noch so offensichtlich gewesen sein, schätzten es gar nicht, dass die ungarischen Kollegen ihre durchaus sachliche Kritik diffamieren und ihnen praktisch vorwarfen, ferngesteuert zu sein, – eine Kritik, die man sonst eher auf ungarische Oppositionelle abfeuert.

Der EVP-Fraktionschef, der Deutsche Manfred Weber, selbst diensteifriger Verteidiger Orbáns (Foto oben), verlangt eine „ernsthafte Untersuchung, anstatt politischer Debatten“. Klar ist für ihn jedoch, dass die EVP die „Freiheit des Denkens, der Forschung und der Meinung um jeden Preis verteidigen werde“, denn diese seien „essentiell für die europäische Identität.“ Auch die deutsche Kanzlerin hatte über ihre Sprecherin kürzlich Ungarn eine Warnung erteilt.

Nicht so entspannt nahm der Luxemburger EVP-Abgeordnete Frank Engel, Vertreter der Christlich Sozialen Volkspartei seines Landes, die Email in Empfang. In Richtung des Absenders ließ er ausrichten: „Lassen Sie diesen Müll. Wir wissen genau was abläuft und warum. Warum verlassen Sie nicht die EVP und gleich die ganze EU? … Sie sind ja praktisch und faktisch ohnehin schon draußen. Also gehen Sie einfach!“

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