(c) Pester Lloyd / 33 – 2010 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.
Rückkehr der 3-Babyjahre in Ungarn
19.08.2010 · Nachrichten
Rückkehr der 3-Babyjahre in Ungarn
Die Regierungspartei Fidesz hat angekündigt, “alles zu versuchen” den dreijährigen Mutterschaftsurlaub wieder einzuführen. Bis zum ersten großen Sparpaket der Bajnai-Regierung im Zuge der Krise 2008, galt bereits die Regelung, dass Mütter volle drei Jahre nach der Geburt des Kindes zu Hause bleiben konnten, wobei sich der Gehaltsabzug von Jahr zu Jahr leicht erhöhte, der Job aber unkündbar blieb. Nach Fidesz-Aussagen, empfanden die Frauen diese Möglichkeit als großen Vorteil, Ökonomen kritisierten die Regelung als zu großzügig und für die Wirtschaft zu teuer. Fidesz will die Wiedereinsetzung dieser Regelung womöglich sogar rückwirkend einführen, so dass Mütter von Kindern, die nach dem 1. Mai 2010 geboren wurden, in den Genuss der Maßnahme kommen könnten. Allerdings müsste dieses Angebot – nach EU-Recht – auch Vätern offenstehen.
Die Pläne sind Teil eines umfangreichen Sozialpaketes, dass bis November auch neue Regelungen für den Kinderschutz, für Menschen mit Behinderung und die Familienförderung umfassen soll. Die Förderung der traditionellen Familie ist zentraler Bestandteil des Fidesz-Programms und der nationalkonservativen Ideologie, die in der Geburtenschwäche des Landes nicht nur ein soziales und ökonomisches Problem sieht, sondern auch schonmal mit der „Gefahr für die Existenz des Ungarntums“ argumentiert.
Niedrigster Lohnanstieg in Ungarn seit 2004
19.08.2010 · Wirtschaft
Niedrigster Lohnanstieg in Ungarn seit 2004
Die neuesten Zahlen des Statistischen Zentralamtes zu den Einkommen der Angestellten in Ungarn weisen einen Anstieg der Nettogehälter von durchschnittlich 7,5% über den Zeitraum eines Jahres aus, im Mai betrug dieser Anstieg 6,5%. In der Privatwirtschaft wuchsen die Nettoeinkommen sogar um 8,4%, im öffentlichen Dienst um 5,8%. Dieser Anstieg ist fast zur Gänze auf Veränderungen bei der Einkommens- bzw. Lohnsteuer zurückzuführen, die Bruttogehälter legten nämlich nur um 0,5% zu, was „eine der geringsten Steigerungsraten seit einigen Jahren“ bedeutet. Genau genommen, handelt es sich um den geringsten Anstieg seit diese Erhebungsmethode im Januar 2004 in Ungarn eingeführt worden ist, was nicht nur Ausdruck der anhaltenden Wirtschaftskrise ist, sondern den Verdacht nahelegt, dass die Unternehmen die Steuererleichterungen bei der Gehaltsberechnung „einpreisen“.
Doch selbst die Nachlässe bei den Steuern verhalfen den Gehaltsbeziehern nicht zu mehr Geld. Die Teuerungsrate eingerechnet (offizieller CPI im Juni 5,3%), fiel das Realeinkommen um 2,1% binnen eines Jahres. Umgelegt auf das erste Halbjahr wuchsen die Bruttoeinkommen um 3%, die Nettoeinkommen um 9,6%, die Realeinkommen – immerhin nominell – um 3,7%. Das bedeutet für das Gesamtjahr einen vermuteten Anstieg der Realeinkommen um rund 2,5%, wenn die Inflationsporgnose von 5,5% für 2010 halten sollte.
Polizeibericht: Familiendrama und Überfälle in Ungarn
19.08.2010 · Nachrichten
Polizeibericht: Familiendrama und Überfälle in Ungarn
Bei einer Familientragödie im nordwestungarischen Ács starben am Donnerstag vier Mitglieder einer Familie, darunter zwei Kinder. Nach ersten Informationen der Rettungskräfte und der Polizei fand man die beiden Kinder erstochen vor, die Eltern haben sich im eigenen Haus erhängt. Es wird davon ausgegangen, dass der Vater die Morde beging, bevor er sich selbst tötete. Die Hintergründe werden untersucht.
Am Mittwoch wurden Wahlhelfer des Fidesz, die Unterstützungserklärungen für ihre Kandidaten zur Kommunalwahl im 13. Bezirk von Budapest verteilen wollten, überfallen, beraubt und mit Messern bedroht, einer wurde dabei verletzt, die Täter konnten entkommen. Das Fidesz reagierte auf den Vorfall mit einer Aussendung, in der man sich entsetzt zeigte, dass man in diesem Budapster Bezirk seines Lebens nicht mehr sicher sei.
Vor einigen Tagen wurden in Budapest vier französische Schüler festgenommen, weil sie ihren Lehrer verprügelt haben. Der Lehrer kam mit Verletzungen ins Krankenhaus. Bei der Vernehmung der Schüler kam – laut Medienberichten – zur Sprache, dass diese auf dem Handy der Lehrkraft pädophiles Bildmaterial gefunden hätten. Offiziell wurde diese Version bisher nicht bestätigt. Alle Beteiligten werden den Fall juristisch in Frankreich weiter aufarbeiten, gemäß eines bilateralen Abkommens zwischen beiden Ländern.
Beim Heiligen Stephan: Sólyoms "letzter Gang"
19.08.2010 · Nachrichten
Beim Heiligen Stephan: Sólyoms „letzter Gang“
Eigentlich könnte er sich entspannt aufs Altenteil zurückziehen: László Sólyom, der von Fidesz unsanft verabschiedete ehemalige Präsident Ungarns. Doch er hat noch eine Rechnung mit der Slowakei offen und sein Charakter, der schon im Amt Trotzigkeit und Starrsinn kaum verbergen konnte, kann wohl nicht anders, als doch noch einmal in das Land zu reisen, wieder in zeitlicher Nähe zum Nationalfeiertag und wieder geht es darum, einer Statue des Heiligen Stephan Reverenz zu erweisen. Sólyom will dies wiederum durch einen Gang über die berühmt gewordene Brücke zwischen Komárom / Komárno tun, an der er vor einem Jahr von den slowakischen Behörden als persona non grata abgewiesen wurde, was den Höhepunkt zahlreicher nationalistisch verbrähmter Scharmützel zwischen beiden Ländern darstellte. Diesmal wird man den „Pensionisten“ mit seinem Blumenkranz wohl passieren lassen, immerhin wird Béla Bugar, Chef der eigentlich auf Versöhnung angelegeten slowakischen Partei Most-Híd „anwesend“ sein. Bugar ist auch Parlamentspräsident, vielleicht fühlt er sich einfach durch den Namen seiner Partei (Brücke auf ung. und slow.) zuständig. Sólyom konnte es sich auch nicht verkneifen, den slowakischen Kulturminister Daniel Krajcer einzuladen, der jedoch Termingründe vorschob (und wahrscheinlich noch ein Umgotteswillen nachschob).
Passionsspiel auf der Grenzbrücke
Die Slowakei verweigert dem Staatspräsidenten von Ungarn die Einreise http://www.pesterlloyd.net/2009_34/0934solyomSK/0934solyomsk.html
Unser monatlicher Nachrichtenspiegel: die wichtigsten Meldungen aus Ungarn und Mitteleuropa, einmal im Monat per E-Mail. Kostenlos, kein Spam, jederzeit abbestellbar.
Nachrichtenspiegel kostenlos abonnieren




