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Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 35/2013 (II)

(c) Pester Lloyd / 35 – 2013 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.

Bajnai stimmt Vorwahlen der Oppostion in Ungarn zu

27.08.2013 · Nachrichten

Bajnai stimmt Vorwahlen der Oppostion in Ungarn unter Vorbehalt zu

Ex-Premier Gordon Bajnai, Kopf der Mitte-Links-Wahlallianz Gemeinsam 2014, lenkt im Streit mit der MSZP über die Findung gemeinsamer Kandidaten für die Parlamentswahlen 2014 ein und akzeptiert die von den Sozialisten vorgeschlagenen Vorwahlen in allen 106 Wahlbezirken. Zunächst lehnte er diese Idee als zu teuer und langwierig ab, aber auch, weil G2014 fürchtet, mit den eigenen Kandidaten gegen die besser organisierte MSZP schlechter abzuschneiden. Außerdem gefährde man so das strategische Ziel, den jeweils aussichtsreichsten Kandidaten in Position zu bringen. Bajnai jetzt nur noch darauf, den Spitzenkandidaten (also er oder Mesterházy) nach einer zweiwöchigen Überlandkampagne, TV-Duellen und dann durch Umfragen von Meinungsforschunsinstituten zu ermitteln, während MSZP-Chef Mesterházy automatisch die bei den obigen Vorwahlen erfolgreichste Partei zum Zuge kommen lassern wollte. Bajnai spekuliert so auf seine größere Beliebtheit außerhalb des organisierten linken Lagers. Sollte er unterliegen, so Bajnai, wäre er bereit, den Sieger voll zu unterstützen. Kommentatoren aller Lager und Politologen sind sich einig, dass die Auseinandersetzungen zwischen MSZP und G2014 den Ambitionen der Opposition für einen Machtwechsel schwer geschadet haben.

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Budapester Busfahrer wehren sich gegen Auslagerung und Kündigungen

28.08.2013 · Nachrichten

Die Busfahrer der Budapester Öffentlichen Verkehrsbetriebe BKV haben für kommenden Dienstag eine Demonstration vor der Firmenzentrale angekündigt, um ihren Forderungen in den aktuellen Verhandlungen mit dem Management Nachdruck zu verleihen. Vor einem Monat kündigte die BKV-Chefetage an, weitere 200 Busfahrer zu entlassen als Teil einer „Verschlankung der Firmenstrukturen“, sprich, die Stellen werden an externe Auftragnehmer ausgelagert, wie schon auf mehreren Linien geschehen. Die Löhne bei den externen Dienstleistern sind naturgemäß niedriger als bei dem städtischen Betrieb, die Arbeitsbedingungen härter und auch der Kündigungsschutz sowie die gewerkschaftliche Vertretung sind deutlich geringer. Nach ersten Streikandrohungen der Busfahrer, reduzierte das Management die Zahl der zu reduzierenden Stellen zunächst auf 170. red.

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"Sterbewelle" bei Früchchen in Ungarn noch nicht aufgeklärt

28.08.2013 · Nachrichten

„Sterbewelle“ bei Frühchen in Ungarn noch nicht aufgeklärt

Die Ursachen für die auffällige Todeswelle unter Frühgeborenen in einem Krankenhaus in Miskolc, wo Anfang August in sehr kurzer Folge neun Frühchen hintereinander starben, konnten trotz eingehender Untersuchungen bisher nicht geklärt werden. Die vom nationalen Gesundheitsamt – im persönlichen Auftrag des Premierministers – entsandte Expertenkommission konnte bisher keine Anzeichen von tödlichen Krankheitserregern auf der Station feststellen, die einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Sterbefällen nahelegen könnte. Die Krankenhausleitung hatte die auffallende Häufung selbst den Behörden gemeldet, Experten wollen jedoch nicht ausschließen, dass es sich dabei um eine natürliche Häufung gehandelt haben könnte.

Ein anonym bleiben wollender Stationsmitarbeiter sagte gegenüber der regierungsnahen Zeitung Magyar Nemzet, dass alle betroffenen Frühchen mit einem Geburtsgewicht zwischen 700 und 1500 Gramm zur Welt kamen (rund 3000 sind normal) und alle diverse organische Fehlfunktionen auswiesen. In solchen Fällen sind Herz, Lunge, Nieren, auch das Immunsystem noch so unterentwickelt, dass der Tod jederzeit eintreten kann, die Häufung Anfang des Monats sei seiner Meinung nach Zufall. Nach entsprechend dramatischen Berichten in der Boulveradpresse, die bereits von einem Todeesvirus sprachen, ordnete Ministerpräsident Orbán, wiewohl weder dafür authorisiert noch qualifiziert, persönlich die zwischenzeitliche Schließung und eine „Sonderuntersuchung“ der Station an. red.

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"Geheime" Mitgliederlisten der ungarischen KP entdeckt

28.08.2013 · Nachrichten

In der ehemaligen Parteizentrale der größten Oppositionspartei MSZP, am Platz der Republik (heute Papst Johannes Paul II. Platz), haben Journalisten der Aufdeckungsplattform atlatszo.hu mehrere tausend Mikrofilme mit sensiblen Dokumenten der MSZP-Vorgängerpartei aus der Kádárzeit gefunden, die dort nach dem Umzug der Partei achtlos in den verwaisten Räumen zurückgelassen wurden. Sie enthalten Mitgliederstatsitiken sowie die persönlichen Mitgliedsdaten nahezu aller früheren Mitglieder der Staatspartei, Daten, die zwar historisch hoch interessant, aber als Staatsgeheimnis klassifiziert sind. Die Geheimhaltung wurde übrigens auch von den jetzigen Machthabern nie angetastet, denn nicht wenige der heutigen Nationalkonservativen hatten bereits eine beachtliche Karriere unter dem Kádárregime hingelegt. Die Journalisten übergaben ihren Fund an das Open Society Archiv, eine u.a. von George Soros finanzierte NGO, die sich die Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit anhand von Originaldokumenten zur Aufgabe gemacht hat. Ob sich die Journalisten Kopien für den Eigenbedarf bzw. eine Publikation gezogen haben, teilten sie nicht mit. red.

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Ungarischer Energiekonzern MOL steigt ins Mobilfunkgeschäft ein

28.08.2013 · Nachrichten

Der ungarische Mineralölkonzern und Tankstellenbetreiber MOL steigt ins Mobilfunkgeschäft ein. Zukünftig werden Prepaid-Karten und Handyverträge an allen Tankstellen des Landes unter einem MOL-Label angeboten. Das Unternehmen kooperiert dabei mit T-Mobile, die vertriebenen Handynummern werden daher auch die dortige 30er Vorwahl bekommen. Das neue Geschäftsfeld soll die Einnahmeausfälle aus dem Tabakhandelsmonopol ausgleichen helfen, seit 1. Juli dürfen Zigaretten und Co. nun noch durch konzessionierte Händler vertrieben werden, die entsprechende Ausschreibung wurde unter Fidesz-Freunden verschoben. Der ungarische Staat ist zu rund 26% an der MOL beteiligt. red.

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Drei Tote und 18 Schwerverletzte bei Unfall auf Autobahn in Ungarn

30.08.2013 · Nachrichten

Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn M5, 25 Kilometer südwestlich von Budapest, starben am Freitagmorgen drei Menschen. Insgesamt wurden 33 Menschen verletzt, 18 davon schwer, darunter mehrere Kinder, 11 Menschen seien im kritischen Zustand, allesamt Ausländer: Rumänen, Serben, Bulgaren und Türken, meldete der Nationale Ambulanzdienst über die Nachrichtenagentur MTI. Die Ursache für den schweren Unfall wird noch untersucht, die Behörde teilte indes mit, dass drei Minibusse, fünf PkW und ein LkW „mit bulgarischem Kennzeichen“ verwickelt sind. Die Autobahn ist bis auf weiteres in Richtung Budapest vollständig für den Verkehr gesperrt, Reisende werden über die M4 umgeleitet. red.

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