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Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 50/2009

(c) Pester Lloyd / 50 – 2009 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.

Private Arbeitslosenversicherung von ACE in Ungarn gescheitert

07.12.2009 · Wirtschaft

Private Arbeitslosenversicherung in Ungarn gescheitert

Der Versicherungskonzern ACE, eine der größten europäischen Versicherungs- und Rückversicherungsanbieter wird sich mit seiner Tochter AEGL vom ungarischen Markt zurückziehen. Der Grund dafür ist die zu kleine Zahl an Kunden. ACE hatte sich in Ungarn mit einer, für den hiesigen Markt, riskanten Innovation versucht, einer privaten Arbeitslosen- bzw. Geschäftsausfallversicherung. Für eine monatliche Prämie von 2.500 bis 3.000 Forint bot das Unternehmen eine Auszahlung von bis zu 120.000 Forint pro Monat für einen Zeitraum bis 9 Monaten an, wenn man den Job oder sein Geschäft verloren hatte.

Weniger als 10.000 Kunden konnte man mit diesem Geschäftsmodell locken, gebraucht hätte es, nach Angaben des Geschäftsführers Péter Dudás, drei- bis fünfmal so viele. Gegenüber einem Radiosender sagte der Manager, dass nicht einmal eine Prämienerhöhung noch etwas bringen würde, zum Jahresende sollten sich die Kunden einen anderen Versicherer suchen, andernfalls verfallen ihre Ansprüche. Marktbeobachter hatten, aufgrund der ungarischen Arbeitsmarktsituation ein solches Scheitern schon vorausgesagt. Die Rahmenbedingungen von AEGL, die besagten, dass der Versicherte zuvor mindestens 12 Monate am Stück fest und Vollzeit angestellt gewesen sein muss, zwischen 22 und 55 zu sein hat und weder in Kündigung noch vor Frühpensionierung stehen darf, seien einfach zu selten zu erfüllen.

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Flughafen Prag: Privatisierungsstopp

07.12.2009 · Wirtschaft

Flughafen Prag: Privatisierungsstopp

Der weitere Verkauf des Flughafens Prag-Ruzyne wurde jetzt vom tschechischen Parlament gestoppt. Damit hat die sozialdemokratisch geführte Abgeordnetenmehrheit im Parlament ein vorheriges Veto des Senats endgültig überstimmt. Sozialdemokraten (CSSD), Kommunisten (KCSM) und Volkspartei (KDU) sowie einige unabhängige und christdemokratische Abgeordnete stimmten für die Vorlage. Aus der Privatisierung erhoffte sich die abgelöste Regierung Topolánek zuerst einen Gewinn von 3-4 Milliarden EUR, doch die äußeren Bedingungen erbrachten kein entsprechendes Gebot. Nun hat sich die Meinung durchgesetzt, dass man den regional nicht unbedeutenden Flughafen nicht einfach verramschen sollte, sondern selbst so entwickeln kann, dass er später mehr wert sein wird.

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Ungarische Telekom schließt interne Ermittlungen ab

07.12.2009 · Wirtschaft

Teure Ermittlungen bei der Ungarischen Telekom

74 Millionen EUR und vier Jahre hat die Magyar Telekom benötigt, um herausfinden zu lassen, dass zwei Dutzend Beraterverträge, die von den Managern ihrer Tochtergesellschaften in Montenegro und Mazedonien in den Neunziger Jahren abgeschlossen wurden, nicht rechtens waren. Der Schaden, den die Wirtschaftsprüfungsagentur White & Case daraus ermittelte, beträgt insgesamt rund 31 Mio EUR, die Investigation war also mehr als doppelt so teuer wie die Schadenssumme. Die Aufwendung war aber notwendig, um mögliche rechtliche Weiterungen, verbunden mit der Gefahr von Lizenzentzug zu entgehen. Es sei nun erwiesen, dass insgesamt vierundzwanzig Beraterverträge weder inhaltlich rechtmäßig waren, noch ordentlich in den Büchern geführt worden seien. Ob die Ungarische Telekom, eine Tochter der Deutsche Telekom, sich den Schaden nun auf zivilrechtlichen Wegen zurückholen will, ist noch nicht bekannt.

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OMV verlegt Ungarn und Tschechien nach Bratislava

07.12.2009 · Wirtschaft

OMV verlegt Ungarn und Tschechien nach Bratislava

Das Management der OMV-Aktivitäten in Ungarn und Tschechien wird in die Slowakei verlegt. Wie der größte Öl-, Gas- und Tankstellenkonzern Österreichts mitteilt, wird die Administration in Bratislava zusammengefasst, lediglich der Kundenservice soll vor Ort in den Ländern bleiben. Man erhoffe sich dadurch Einsparungen, wieviele Mitarbeiter dabei entlassen werden, gab man vorerst nicht bekannt.

Die tschechische OMV-Sprecherin Miroslava Remenarova bestätigte, dass man im Konzern „Kostenoptimierungen“ vornehme, im zweiten Quartal 2010 soll die Zusammenlegung über die Bühne gehen. Die Konzentration in der Slowakei betreffe nur die administrativen Maßnahmen, der lokale Kundenservice bleibe in den betroffenen Ländern, hieß es einschränkend aus der Wiener OMV-Zentrale. Es sei ein normaler Vorgang, den die OMV auch schon in Deutschland und Österreich umgesetzt habe.

OMV betreibt in Tschechien 222 Tankstellen, in Ungarn 173 und in der Slowakei 93. Im Vorjahr war ein feindlicher Übernahmeversuch des ungarischen Konkurrenten MOL wegen der Intervention des ungarischen Gesetzgebers gescheitert. Man veräußerte das Aktienpaket von 21,2% mittlerweile an die russische Surgutneftegas weiter, die nun ihrerseits die MOL u.a. in Kroatien unter Druck setzt.

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Marke Tokajer ist nun endgültig Ungarisch

07.12.2009 · Wirtschaft

Tokajer ist nun endgültig Ungarisch

Der Landwirtschaftsminister der Slowakei, Vladimir Chovan, zeigte sich enttäuscht, dass es nach jahrelangem Streit nicht möglich war, eine bilaterale Lösung für die Frage des Markennamens „Tokaj“ zu finden und man so nun mit dem Spruch der Europäischen Kommission leben muss, der die Marke „Tokaj“ als Weinlabel und Herkunftsbezeichnung nun ausschließlich Ungarn zugeschlagen hat.

Damit wird es für die Weinmacher jenseits der Grenze (also im ehemaligen Oberungarn), die zum Teil ihren Tokajer nach den gleichen Maßgaben und Traditionen wie die Weinbauern diesseits herstellen, unmöglich, ihre Produkte unter dem bekannten Label zu vermarkten. Die Slowakei hatte versucht, eine regionale Lösung zu finden, über Jahre zog sich der Streit hin, eine Lösung, die dem historischen Terroir beidseitig der heutigen Grenze Rechnung trägt, scheiterte an eifersüchtiger Kleinlichkeit des Tokajer Winzerverbandes. Auch ein Trick über unterschiedliche Schreibweisen half den Slowaken nicht weiter. Der Tokajer Wein, bekannt meist als intensiver bernsteinfarbener Dessertwein mit verschiedenen Anteilen edelfaulen Trauben, den Putten, war früher ein Wein der Könige und als König der Weine gerühmt. Man müht sich wieder Anschluss in gehobene, internationale Kundenkreise zu finden, mit sehr unterschiedlichem Erfolg.

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Volkszählung: Parlament überstimmt Präsident

09.12.2009 · Politik

Volkszählung: Ungarisches Parlament überstimmt Präsident

Das ungarische Parlament hat ein Veto des Präsidenten gegen das Gesetz über die Volkszählung 2011 überstimmt. Mit 190 gegen 158 Stimmen und zwei Enthaltungen stimmten die Parlamentarier erneut für eine unveränderte Vorlage, bei der Staatspräsident Sólyom zuvor die Unterschrift verweigerte.

Stein des Anstosses war die explizite Untersagung von Fragen nach dem Religionsbekenntniss und nach gesundheitlichen Einschränkungen der Bürger. Die Regierungsmehrheit argumentiert, dass diese Fragen rein privater Natur seien, die in einer öffentlichen Erhebung nichts zu suchen haben. Außerdem ist ein Missbrauch zum Nachteil des Bürgers nicht auszuschließen, ergänzten Datentschützer. Der Präsident sieht das anders. Er meint, dass die Gelegenheit einer seltenen und teuren umfassenden Volkszählung dazu genutzt werden müsse, möglichst viele verwertbare Daten zu erfassen. Schließlich könne man aus Daten zum wahren Gesundheitszustand auch wichtige Rückschlüsse für politische Maßnahmen ziehen, die dem Volk als Ganzem zu gute kommen können.

Der Staatspräsident soll laut Verfassung mit seiner Unterschrift eigentlich nur die Rechtmäßigkeit des Zustandekommens von Gesetzen bescheinigen und seine Unterschrift nur bei schwerwiegenden Bedenken wegen der Verfassungsmäßigkeit verweigern oder falls Gesetze die Grundlagen eines sicheren und friedlichen Zusammenlebens bedrohen könnten. László Sólyom fand aber in letzter Zeit immer öfter Anlässe, sich auch in die aktuelle Tagespolitik einzumischen, meist nicht auf Seiten der Regierung.

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