(c) Pester Lloyd / 50 – 2016 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.
PISA-Desaster in Ungarn: Regierung sieht Schuld bei faulen Lehrern
12.12.2016 · Nachrichten
“Bad Teacher”, Film von Columbia Pictures
Es hat nicht lange gedauert, bis die ungarische Regierung eine passende Sprachregelung und Ausreden für die desaströsen PISA-Ergebnisse gefunden hatte. Man könne weder die Regierung und im speziellen nicht den für die Öffentliche Bildung zuständigen Minister Zoltán Balog „dafür zur Rechenschaft ziehen“, sagte Orbáns Kabinettschef János Lázár vor Journalisten, denn, „er ist schließlich nicht derjenige, der so armseligen Matheunterricht erteilt“ oder „der die Testbögen ausgefüllt“ hat. Es sei doch klar, dass „die Lehrer verantwortlich sind für den dramatischen Leistungsabfall der Schüler“, so der Minister.
„Sie dürfen nicht immer der Regierung die Schuld geben“, fuhr er auf der donnerstäglichen Regierungspressekonferenz fort. Denn die Regierung habe „längst den geeigneten Rahmen“ dafür geschaffen, dass Lehrer vernünftig unterrichten könnten, allein seien diese es, die „diesen Rahmen auch mit Inhalten füllen müssen“. Kurz: die Schüler sind zu dumm, weil die Lehrer zu faul sind. Freilich beklagen Lehrer und Pädagogen, dass es eben gerade der festgezurrte „nationale Lehrplan“ und die chaotischen Kontrollstrukturen der Schulbehörde sind, die ihnen keinerlei Handlungsspielraum mehr lassen.
Lázár hat – nichtsdestotrotz – Minister Balog gebeten, sich mit den Lehrern „zu verabreden, um mit ihnen Änderungen in den Lehrgangsinhalten zu diskutieren.“ Auf diese Weise dürfte einem erfolgreichen PISA-Test in drei Jahren ja nichts mehr im Wege stehen…
Dreher wird japanisch: AB InBev verkauft gesamtes CEE-Geschäft nach Fernost
13.12.2016 · Nachrichten
Die belgisch-brasiliansche Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev, die erst im Herbst für rund 94 Milliarden Euro die SABMiller Gruppe übernommen hatte, stößt das mittel- und osteuropäische Brauereigeschäft seiner Tochtergesellschaft komplett an den japanischen Bierkonzern Asahi ab. Damit wandert das gesamte CEE-Portfolio der SABMiller in Polen, Tschechien, der Slowakei, Rumänien und Ungarn an die Holding in Fernost. Der Preis dafür soll bei 7,3 Milliiarden Euro liegen.
In Ungarn gehört zum Portfolio u.a. die traditionsreiche, seit 1796 bestehende Dreher-Brauerei mit den Marken Dreher, Köbánya, aber auch den Osteuropa-Lizenzen für das Hofbräu-Bier. Damit geht die Konzentration auf dem industriellen Biermarkt weiter, die die osteuropäischen Markte ständig zum Spielball der Branchenriesen und Finanzinvestoren machten, einschließlich dem Abbau von Arbeitsplätzen und der Bündelung etlicher Marken in nur wenigen Konzernhänden. AB InBev hat bereits den Abbau von 5.500 seiner 160.000 Stellen angekündigt. Wie viele Stellen in Ungarn gefährdet sind, ist nicht bekannt.
Einigung: Mercedes Ungarn und Gewerkschaften vereinbaren 20% Lohnerhöhung binnen zwei Jahren
13.12.2016 · Nachrichten
Das Mercedes-Benz Werk im ungarischen Kecskemét vermeldet eine Einigung im monatelangen Streit um Gehaltserhöhungen. Wie uns die Kommunikationsabteilung der Daimler AG in Stuttgart auf Anfrage bestätigt, werden die Löhne aller Mitarbeiter ab 1. April 2017 um 10% auf ihr Grundentgelt angehoben. Die gleiche Anhebung gibt es nochmals ab 1. April 2018.
Laut der regierungstreuen Zeitung „Magyar Idök“ sollen laut Gewerkschaftskreisen auch die Lohnaufschläge (eine Art von Leistungsprämien bzw. Qualifizierungszuschlägen) in die Lohnrunde einbezogen worden sein, was uns das Unternehmen aber nicht mitteilte. Daimler spricht von einem „tragfähigen Verhandlungsergebnis“ und „guten Kompromiss“, dem sowohl die Gewerkschaft MTSZSZ wie auch die VASAS zugestimmte habe, die zuletzt mit einem Warnstreik ihren Forderungen Nachdruck verlieh und zunächst 15% ab 1.1.17 forderte. Die Gewerkschaften vermeldeten zudem Lohnabschlüsse für 2017 zwischen 10 und 16% bei vier weiteren „größeren Unternehmen“.
Der Lohndruck, vor allem auf Unternehmen der Automobilbranche und anderer produzierender Unternehmen im hochtechnisierten Bereich ist aufgrund von regionaler Konkurrenz um Fachkräfte, anhaltender Abwanderung gen Westen und allgemeiner Knappheit zuletzt massiv gestiegen. Die Regierung versucht dem auch durch Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes und andere Maßnahmen entegenzuwirken, u.a. die „Einfuhr“ von Abreitskräften .
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