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Mikulás, Szaloncukor und Beethoven: Weihnachts- und Neujahrsbräuche in Ungarn

(c) Pester Lloyd / 52 – 2009 GESELLSCHAFT 22.12.2009

Mikulás, Szaloncukor und Beethoven: Weihnachts- und Neujahrsbräuche in Ungarn
Mikulás, Szaloncukor und Beethoven: Weihnachts- und Neujahrsbräuche in Ungarn

Hexenschauen und Hirtenspiel

Mikulás, Szaloncukor, Bejgli und Beethoven: Weihnachts- und Neujahrsbräuche in Ungarn

Ungarn gehört auch hinsichtlich seiner Bräuche und Traditionen zum mitteleuropäischen, christlich geprägten Kulturkreis mit gewissen Überresten aus der heidnischen Zeit, die vielleicht im Weihnachtsbrauchtum noch stärker sichtbar werden, als das in anderen europäischen Ländern der Fall ist. Im Hinblick auf Verkitschung und Kommerzialisierung ist Ungarn eindeutig mitteleuropäisch veranlagt und steht dem merkantilen Elend in anderen Ländern in Nichts nach.

Der Hl. Nikolaus ist in Ungarn der Mikulás und der Sage nach der Vater des Winters. Er entspricht unserem Weihnachtsmann, jener rotgewandeten Fabelgestalt, die von Coca Cola in den USA erfunden wurde. Die Bischofsfigur des Hl. Nikolaus mit Mitra und Krummstab kommt nur noch in streng katholischen Haushalten am Nikolaustag vorbei, um die Menschen – insbesondere die Kinder – zu beschenken. Der deutsche Nikolaus – und mittlerweile auch eine ungarischen Variante – kommt am 6. Dezember ins Haus und legt meistens die Geschenke in die aufgestellten Kinderschuhe. Wer das Jahr über ungezogen war, der bekommt nur eine Rute oder mit ihr auch ein paar sanfte Schläge. Begleitet wird der Mikulás von zwei kleinen bösen Jungen, den Krampuszen (öst. Krampus, was etwa dem deutschen Ruprecht, Rupperich entspricht). Hexenschauen vom Luzien-Stuhl

Eine besondere Bedeutung hat in Ungarn der St. Luzien-Tag, auf ungarisch Luca Napja (Luca-Tag), am 13. Dezember. Früher war es an diesem Tag den Frauen verboten zu arbeiten, damit – so glaubte man – sollte die Produktivität der Hühner gesteigert werden. Noch heute ist der Brauch des Luca (Luzien)-Stuhls bekannt. Danach soll jeder Mann am 13. Dezember damit beginnen, einen Stuhl zu bauen und dabei nach Möglichkeit sieben verschiedene Holzarten verwenden, da ja die magischen Zahlen sieben und neun seit dem Altertum mystische Bedeutung besitzen. Zum Fertigstellen des Stuhles bleibt dann Zeit bis zum 24. Dezember, wobei bis dahin an jedem Tag ein neues Stück Holz angefügt wird. Daher lautet eine ungarische Redewendung für etwas, das sehr viel Zeit braucht: „Das dauert so lange wie der Luzien-Stuhl“. Wer sich am Weihnachtsabend während der Mitternachtsmesse auf diesen Stuhl stellt, der kann der Sage nach erkennen, bei wem der Anwesenden es sich um eine Hexe handelt! Der Luzien-Tag ist aber auch der Tag der Voraussagen in Liebesangelegenheiten. Beim Bleigießen versuchen viele Mädchen herauszufinden, welchen Beruf ihr Lebenspartner haben wird. Und manche schreiben die Namen von 13 Jungen auf 13 Zettel. Jeden Tag wird einer dieser Zettel ungelesen weggeworfen. Am Weihnachtstag ist schließlich nur noch ein Zettel übrig, der den Namen des Zukünftigen verraten soll.

Beliebt ist auch heute noch der Brauch des Hirtenspiels – nicht nur in der Kirche. In Städten und Dörfern verkleiden sich Jugendliche und ziehen von Haus zu Haus, um die Weihnachtsgeschichte nachzuspielen. Im Mittelpunkt dieser Theaterstücke stehen dabei nicht die Heiligen Drei Könige oder die Heilige Familie, sondern die Hirten, die einfachen Leute des Volkes. Besonders erhalten hat sich dieser Brauch in Siebenbürgen (ehemals Ungarn) und Ostungarn um Debrecen, wo nicht Kinder die Hirten spielen, sondern erwachsene Männer. Sie verkleiden sich mit Furcht erregenden Masken aus Tierhäuten und erschrecken damit die eigenen Leute sowie die vielen Gäste, die alljährlich diesem Spektakel zuschauen.

Weihnachtsbaum erfreute schon Beethoven in Ungarn Zu Weihnachten (karácsony) ab dem 24. Dezember trifft sich die Familie um im kleinen Kreise zu essen, meistens gibt es dann Fisch oder Pute. Ein wirklich traditionelles Weihnachtsessen wie z.B. die obligatorische deutsche Gans am 1. Feiertag ist hier nicht anzutreffen. Am Abend des 24. oder am 25. in der Früh gibt es dann die Geschenke, die je nach Familiengläubigkeit das Christkind (Jézuska), ein Weihnachtsengel oder der besagte Weihnachtsmann mit Rute, Sack und weißen Vollbart unter den Weihnachtsbaum legen.

In vielen Familien hat auch der Weihnachtsbaum in die Zimmer Einzug gehalten, allerdings nicht in dem Umfang, wie in Deutschland oder Österreich. Den ersten Weihnachtsbaum in Ungarn hat – ebenso wie das Konzept des Kindergartens – die österreichisch-ungarische Gräfin Therese von Brunswick im Jahre 1824 aus Tirol importiert. Sie war die Schwester von Sophie von Brunswick, der „Fernen Geliebten“ von Ludwig van Beethoven, der mehrere Jahre in Martonvásár lebte und komponierte.

Während viele Familien den Weihnachtsbaum gemeinsam schmücken, erledigen das mancherorts auch noch heimlich die „Engelchen“. Dann werden die Kinder am Nachmittag unter einem Vorwand nach draußen geschickt. Wenn sie dann wiederkommen, haben die „Weihnachtsengel“ den Baum aufgestellt und mit vielen Lichtern und Süßigkeiten geschmückt. Unter diesen süßen Dingen befinden sich an jedem ungarischen Weihnachtsbaum auch eine Menge an „szaloncukor“ (Salonzucker) – das sind in glitzerndes Papier eingepackte Schoko-Bonbons mit Marzipan-, Fruchtgelee- oder Schokocreme- Füllung.

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