Gesetzesreform soll Entscheidungswege verkürzen – Gewerkschaft begrüßt den Kurswechsel, warnt jedoch vor ungelösten Strukturproblemen
Budapest. Die ungarische Regierung hat dem Parlament einen Gesetzentwurf zur Änderung des Berufsbildungsgesetzes vorgelegt und damit eine umfassende Neuordnung der Leitung der Berufsbildungszentren eingeleitet. Nach Angaben des Bildungsministeriums unter Leitung von Judit Lannert soll das bisherige duale Führungsmodell mit Generaldirektor und Kanzler beendet werden. Ziel sei eine weniger hierarchische Verwaltungsstruktur, die Entscheidungen beschleunige und den Einrichtungen größere organisatorische Flexibilität verschaffe.
Nach der Begründung des Ministeriums haben die praktischen Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt, dass ein vereinfachtes Führungsmodell direktere Kommunikationswege und effizientere Entscheidungsprozesse ermöglichen könne. Die Regierung verbindet die Reform zugleich mit dem Anspruch, den unterstützenden Charakter der Verwaltung auszubauen und den pädagogischen Handlungsspielraum innerhalb der Berufsbildungszentren zu stärken.
Ab dem 1. Januar 2027 sollen die bisherigen Aufgaben der Kanzler vollständig auf die Generaldirektoren übergehen. Zur fachlichen Unterstützung ist die Einführung eines stellvertretenden Generaldirektors vorgesehen. Die Ausschreibungen für die entsprechenden Leitungspositionen müssen spätestens bis zum 30. September veröffentlicht werden.
Der Gesetzentwurf sieht darüber hinaus vor, dass akkreditierte Berufsbildungs-Prüfungszentren künftig alle drei Jahre überprüft werden. Außerdem erhält das Lehrerkollegium künftig mehr Einfluss bei der fachlichen Bewertung von Bewerbungen für Schulleitungsstellen.
Die Demokratische Gewerkschaft der Pädagogen (PDSZ) begrüßte die angekündigte Abschaffung des Kanzlersystems grundsätzlich. Nach Auffassung des Gewerkschaftsvorstands handelt es sich jedoch lediglich um einen ersten Schritt. Zahlreiche strukturelle Defizite, die sich im Berufsbildungssystem über Jahre aufgebaut hätten, blieben durch die Gesetzesänderung unangetastet.
Besonders kritisiert die PDSZ, dass der Entwurf keine Lösungen für die Lohn- und Beschäftigungssituation der nichtpädagogischen Beschäftigten enthält. Aus Sicht der Gewerkschaft zählt dieses Problem weiterhin zu den dringendsten Herausforderungen des Sektors. Zudem fordert sie eine grundlegende Evaluierung des gesamten Systems der Prüfungszentren und stellt deren langfristige Notwendigkeit infrage.
Die Gesetzesinitiative reiht sich in eine Serie institutioneller Reformen der neuen Regierung ein, die bestehende Verwaltungsstrukturen neu ordnen sollen. Erst am Dienstag verabschiedete das Parlament auch die Einrichtung des Nationalen Amts für Vermögensrückgewinnung und -schutz (NVVH), das künftig eigenständig Korruptionsfälle untersuchen und veruntreute öffentliche Gelder zurückführen soll. Während Ministerpräsident Péter Magyar die Behörde als eines der schärfsten Instrumente Europas gegen Korruption bezeichnet, spricht die Opposition von Fidesz von einer politisch motivierten Machtkonzentration. Beide Vorhaben verdeutlichen den Kurs der Regierung, zentrale staatliche Institutionen organisatorisch neu auszurichten – wenn auch in sehr unterschiedlichen Politikfeldern.
Quellen: 24.hu
Photo: Judit Lannert/Tisza




