Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Sarajevo ehrt Béla Tarr mit Langzeitprogramm

Das Festival zeigt künftig die Filme seiner Schüler – ein Gedenken, das dem Regisseur entspricht, der das Filmen freiwillig aufgab und lehren ging

Sarajevo/Budapest. Das Sarajevo Film Festival richtet ein dauerhaftes Erinnerungsprogramm für den ungarischen Regisseur Béla Tarr ein, der im Januar dieses Jahres im Alter von 70 Jahren gestorben ist. Unter dem Titel „Bela Tarr in Sarajevo“ zeigt das Festival Arbeiten von Absolventen der Film Factory, jener internationalen Filmwerkstatt, die Tarr 2013 in der bosnischen Hauptstadt gründete und bis 2017 leitete. Jahr für Jahr soll ein anderer Jahrgang im Mittelpunkt stehen, um sichtbar zu machen, wie sich die filmische Handschrift seiner Schüler seit der Ausbildung entwickelt hat.

Es ist die passendste Form des Gedenkens, weil Tarr seinen Abgang selbst so gestaltet hat. Nach „Das Turiner Pferd“ erklärte er 2011, er habe als Regisseur alles gesagt, was er zu sagen hatte, und drehte tatsächlich keinen weiteren Spielfilm mehr; die verbleibenden Jahre gehörten dem Unterrichten, erst in Sarajevo, später in Wien.

Was er hinterlässt, ist ein Werk, das die Grammatik des europäischen Autorenkinos verschoben hat: die endlosen Plansequenzen, das Schwarzweiß, die Geduld als ästhetisches Prinzip. „Sátántangó“, sieben Stunden über den Verfall einer Kolchose, gilt vielen als Schlüsselwerk der neunziger Jahre, „Die Werckmeisterschen Harmonien“ als seine dichteste Arbeit. Mit dem Schriftsteller László Krasznahorkai, der Cutterin Ágnes Hranitzky und dem Komponisten Mihály Víg entstand über Jahrzehnte ein Kosmos aus Regen, Schlamm und moralischer Erschöpfung – Ungarn nach dem Sozialismus, ohne ein einziges erklärendes Wort.

Quelle: MTI.hu
Photo: Hungarian film director Béla Tarr (Soppakanuuna / Wikipedia)

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
© Alle Inhalte Copyright 2026 Pester Lloyd
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x