(c) Pester Lloyd / 50 – 2010 WIRTSCHAFT 16.12.2010
MOL-Zukauf in Kroatien könnte teuer werden
Das Angebot der MOL, rund 800.000 bzw. ca. 8% der Aktien der kroatischen Tochter INA aus dem Freihandel aufzukaufen, hat zu einem erstaunlichen Preisschwung der INA-Aktie geführt. Die MOL hält derzeit knapp über 47% an seinem kroatischen Pendant, der kroatische Staat 44,8%. Durch den Zukauf, der rund 216 Mio EUR kosten soll, würden sich die Ungarn die strategisch wichtige Mehrheit sichern, die nicht nur mehr direkten Einfluss auf die Unternehmenspolitik bedeutet, sondern vor allem auch Schutz vor feindlichen Übernahmen darstellt. Der als feindlich eingestufte 21,2%ige Anteilseigner bei der MOL, Surgutneftegas aus Russland, wird hier als möglicher Kontrahent gesehen. Nach der Unterbreitung des Kaufangebotes an die Kleinaktionäre wurde das INA-Papier gemäß den Börsenregeln zunächst für fünf Tage aus dem Handel genommen, dann schoss sie um 64%, weit über das Kaufangebot hinaus in die Höhe. Ein MOL-Sprecher sieht „koordinierte manipulative“ Machenschaften hinter der Preisentwicklung, bei denen jedoch „niemand weiß, wer dahinter steckt“, so Domokos Szollár, heute MOL-Sprecher, früher Regierungssprecher. Auch die kroatische Börsenaufsicht HANFA ist alarmiert und kündigte die „Stornierung“ von Transaktionen an, sollten sie auf illegaler Baisis erfolgt seien. Allerdings seien bisher weder Absprachen noch anonyme Käufe (z.B. über Fonds) ersichtlich, auch habe sich die MOL noch nicht offiziell an die Börsenaufsicht gewandt. In einem auffallend rüden Ton wies die kroatische Finanzmarktaufsicht die MOL zurecht: sie sollen sich vor ungerechtfertigten Anschuldigungen hüten und keine ungeprüften und unkorrekten Informationen verbreiten.
Die MOL machte mittlerweile klar, dass sie nicht bereit ist „jeden Preis“ für die Aktien zu bezahlen. Hinter dem Preisanstieg steht offenbar ein kroatischer Pensionsfonds, der indirekt unter Staatskontrolle steht. Dieser wehrt sich gegen die Komplettübernahme eines strategischen Unternehmens durch eine ausländische Firma und kündigte an, ein besseres Angebot an die Kleinaktionäre zu unterbreiten als die 2800 Kuna (ca. 270.- EUR), welche die MOL pro Aktie bot.
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