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Ungarische Musikakademie „Franz Liszt“ erklärt sich bankrott, Führung tritt zurück

(c) Pester Lloyd / 19 – 2011 KULTUR 12.05.2011

Die berühmteste Musikhochschule Ungarns, die Franz Liszt Musikakademie in Budapest hat sich praktisch für bankrott erklärt. Ende April haben sowohl der fachliche wie der technische Direktor der Einrichtung einen Brief an das zuständige Ministerium gerichtet und um die Einsetzung eines Regierungskommissars ersucht, der die finanziell nicht mehr zu bewältigende Lage der Institution in den Griff bekommen soll. Gleichzeitig boten beide ihren Rücktritt an. "Nur eine Führung mit außerordentlichem Einfluss und Macht kann die Situation" an der Einrichtung, an der Größen wie Bartók, Kodály, Weiner und Solti lernten und lehrten, noch regeln

Üppige Wandmosaiken im Foyer vor dem Großen Saal der Musikakademie. Die beiden Direktoren räumten ein, dass sie immer wieder Kredite aufnehmen mussten, um überhaupt den Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten, da die Akademie seit Jahren (eigentlich seit der Wende) unterfinanziert war. Zwischenzeitlich waren kaum Gelder für Klavierstimmer aufzutreiben. Beide haben über die letzten Jahre ihr Bestes gegeben, die Notsituation so gut wie möglich einzudämmen. Die direkten Schulden der Einrichtung geben sie mit, vergleichsweise geringen 228 Mio. Forint an, rund 860.000 EUR, ein Defizit, dass längst aufzufangen gewesen wäre.

Doch der Staat bedankt sich auf seine ihm typische Weise für den Einsatz der Direktoren und schickte den berüchtigten Sonderermittler Orbáns an die Pressefront. Der räusperte in großinquisatorischer Manier, dass es „ernsthafte Probleme beim Management“ der Musikakademie gäbe. Die beiden dürften sich also bald mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen konfrontiert sehen, zumindest aber mit der Aburteilung druch den Regierungskommissar.

Derzeit ist das Hauptgebäude der Akademie wegen Renovierung (aus einem Extrafonds) geschlossen, der Lerhbetrieb auf angemietete Gebäude verlagert. Die Akademie beherbergt auch einen der schönsten und traditionsreichsten Konzertsäle des Landes.

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