(c) Pester Lloyd / 04 – 2013 NACHRICHTEN 23.01.2013
Vizepremier Zsolt Semjén hat am Sonntag in Verteskozma (im Hügelland zwischen Tatabánya und Oroszlány) ein Denkmal für im Januar 1945 gefallene ungarische Soldaten eingeweiht, die hier, im Verbund mit der deutschen Wehrmacht und SS-Truppen, in einer letzten Abwehrschlacht die Rote Armee am Zugang nach Budapest hindern sollten. Die meisten von ihnen sind gefallen. In seiner Ansprache wandte sich Semjén gegen die "Generalschuldthese", die die "Besatzungsmächte und ihre lokalen Erfüllungsgehilfen" nach dem Krieg installiert hätten und wozu das Volk schweigen musste. Nun sei man frei, sich zu erinnern und Denkmale zu errichten, auch den in den Vertes-Hügeln gefallenen “Husaren”. Der Vizepremier und Minister ohne Portfeuille (National- und Glaubensfragen sowie Präsident des nationalen Jagdverbandes), brachte die Einweihung in Zusammenhang mit einem neuen Kriegsopferdenkmal am Don und Ehrengräbern an ehemaligen Gulags, in den ungarische Kriegsgefangene lebten und starben
Gerade der Untergang der Armeen am Don wird in Ungarn, das sich selbst in den meisten Kriegsfragen Generalabsolution erteilt, stets historisch verzerrt dargestellt, übrigens nicht erst unter dieser betont national gesinnten Regierung. Schon der „sozialistische“ Verteidigungsminister Szekeres ehrte die Gefallenen 2010 explizit als „Helden“ . Rund 40.000 bis 80.000 Ungarn wurden 1942 am Donknie aufgerieben, weil sie von den Deutschen regelrecht verheizt wurden.
Neben Soldaten fielen dort aber auch Tausende jüdische und kommunistische Zwangsarbeiter, die zum Grabenbau und für Hilfsarbeiten dorthin deportiert worden waren und nicht nur durch Feindkontakt, sondern schon seit 1940 auch durch Zwangsarbeit, also durch die Taten der eigenen Landsleute ums Leben kamen. Die Opfer, Soldaten wie Zwangsarbeiter gehen auf das Konto Horthys und dessen Pakt mit Hitler, der ihm für die Zusage militärischer Unterstützung eine Besetzung von durch Trianon abgetrennte Gebiete in Rumänien, der Slowakei (damals Tschoslowakei) und Serbien gestattete, in denen ungarische Gendarmerie ebenfalls Pogrome anrichtete (Novi Sad) und Ghettos (Kosice / Kassa) errichtete, noch vor der deutschen Besatzung. Dieser Teil wird in der Rückschau jedoch ausgeblendet, um das allgemeine Opferbild nicht zu stören. Horthy wird sowohl von der extremen wie der nationalen Rechten als vorbildhafter Staatsmann verklärt, der nichts weiter im Sinn hatte, als Ungarn aus Krieg und Faschismus herauszuhalten. Ihm werden reihenweise Denkmale errichtet, für Premier Orbán, für den der Zweite Weltkrieg nur ein “Bürgerkrieg zwischen christlichen Nationen” war, Nazis ein rein deutsches Phänomen und Horthy “definitiv kein Diktator” war, ist dies “Sache der Kommunen”…
Unser monatlicher Nachrichtenspiegel: die wichtigsten Meldungen aus Ungarn und Mitteleuropa, einmal im Monat per E-Mail. Kostenlos, kein Spam, jederzeit abbestellbar.
Nachrichtenspiegel kostenlos abonnieren





