Eine kleine Stiftung organisiert für Schülerinnen und Schüler aus Südungarn eine Studienreise nach Deutschland. Hinter dem Projekt stehen Bürgermeister, Vereine und Privatpersonen – ein Gegenentwurf zur politischen Dauerkonfrontation zwischen Budapest und Europa.
Pécs/Paderborn. Wer dieser Tage über die Beziehungen zwischen Ungarn und Europa spricht, landet schnell bei Vetos, eingefrorenen EU-Geldern oder den Dauerstreitigkeiten der Orbán-Regierung mit Brüssel. Parallel dazu entsteht jedoch eine andere Form europäischer Zusammenarbeit – weit entfernt von Gipfeltreffen und Regierungserklärungen.
Im September reist eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern des Leőwey Klára Gymnasiums aus Pécs nach Paderborn und Hövelhof. Organisiert wird die fünftägige Studienreise von der WegWähler Stiftung, einer kleinen Bildungsstiftung aus dem Raum Pécs. Finanziert wird das Projekt nicht durch große Förderprogramme, sondern durch Unternehmen, Vereine und Privatpersonen aus Deutschland und Ungarn.
Diese Konstellation macht das Vorhaben interessant. Während auf nationaler Ebene politische Spannungen den Ton vorallem unter der Orbán Regierung bestimmt haben, funktioniert die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene erstaunlich geräuschlos. Die Schüler werden im Historischen Rathaus von Paderborn vom stellvertretenden Bürgermeister Robert Siemensmeier empfangen. Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens hat bereits eine Videobotschaft an die Jugendlichen gerichtet. Aus Pécs unterstützen Vizebürgermeister Gábor Zag sowie Schulleiter Szabolcs Zalay das Projekt.
Das mag auf den ersten Blick unspektakulär wirken – es zeigt sich hier jedoch ein Europa, das in politischen Debatten häufig untergeht. Städtepartnerschaften, Vereine und Schulen bilden seit Jahrzehnten das Rückgrat des europäischen Austauschs. Sie arbeiten unabhängig von Regierungswechseln und ideologischen Konjunkturen weiter.
Die Reise richtet sich an Schülerinnen und Schüler aus sozial schwierigen Verhältnissen. Für viele dürfte es die erste längere Reise nach Deutschland sein. Auf dem Programm stehen Besuche des Heinz Nixdorf MuseumsForums, des Deutschen Traktorenmuseums, Stadtführungen in Paderborn sowie gemeinsame Freizeit- und Sportveranstaltungen. Höhepunkt ist das Internationale Kulturfestival in Hövelriege, bei dem Jugendliche aus mehreren Ländern ihre kulturellen Traditionen vorstellen und miteinander ins Gespräch kommen.
Europa besteht nicht ausschließlich aus Institutionen. Es lebt ebenso von persönlichen Kontakten, Schulpartnerschaften und kommunalem Engagement.
Ob daraus langfristige Freundschaften oder neue Perspektiven entstehen – für die Jugenlichen sicher eine wertvolle Erfahrung. Dass Bürgermeister ihre Rathäuser öffnen, Vereine Unterkünfte organisieren und Unternehmen eine solche Reise finanzieren, ist eine Geschichte für sich – leise, unspektakulär aber wertvoll.
Quellen: WegWähler Stiftung
Photo: Ungarn Reise für die A Jugend Hövelhof-Hövelriege 2025 – Dieses Jahr geht es in die andere Richtung – WegWähler Stiftung






