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(c) Pester Lloyd / 40 - 2009  WIRTSCHAFT 05.10.2009
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Die Blase drückt

Die ungarische Nationalbank will Banken wegen Fremdwährungskrediten an die Leine nehmen

Der Nationalbankchef fordert ein rigides Vorgehen gegen nach wie vor ausufernde Fremdwährungskredite in Ungarn. Gouverneur András Simor hat schlicht Angst vor einer neuerlichen riskanten Blase im privaten Kreditmarkt, der die finanzielle, aber auch soziale Stabilität des Landes wieder und weiter schwächen könnte. Er fordert klare Quoten und Ratenobergrenzen. Damit stellt er sich nicht nur gegen und über den Ethikcode der Banken, der ihm nicht reicht, sondern greift auch die Kollegen der Finanzaufsicht PSZÁF an.

Macht sich sorgen und will mehr Macht. András Simor,
Chef der Ungarischen Zentralbank, Foto: MNB

Der Chef der ungarischen Nationalbank (MNB), András Simor, teilte auf einer Konferenz der Weltbank am Wochenende in Istanbul mit, dass er seine Regierung um eine signifkante Kompetenzerweiterung gebeten hat. Die Zentralbank möchte in einer Art Quotenregelung die Vergabe von Fremdwährungskrediten in Ungarn einschränken. Diese Ankündigung ist besonders bemerkenswert, da die sich Banken erst vor zwei Wochen - nach langwierigen Verhandlungen - mit der staatlichen Finanzaufsicht PSZÁF auf einen Ethikcode geeinigt haben, der genau dafür einen neuen, "transparenten" Rahmen setzten sollte, den die PSZÁF beaufsichtigen und Verstösse nötigenfalls bestrafen soll.

Der Schritt Simors beweist, dass sich in der Praxis nicht viel geändert haben kann, die Margen für die Banken sind bei Fremdwährungskrediten einfach zu verlockend, als dass man von deren Seite größere Zurückhaltung erwarten darf. Es wird aber auch von einem Kompetenzgerangel zwischen Nationalbank und Finanzaufsicht gesprochen. Simor fürchtet sich nach eigenen Worten vor einer neuerlichen Blase auf dem privaten Kreditkmarkt und nennt sie eine Gefahr für die finanzielle Sicherheit, ein "Systemrisiko". Die Leute sähen nur die geringeren Zinssätze und vergessen dann die enormen Risiken von Währungsschwankungen während der Laufzeit. Hier sieht Simor auch potential bei der Informationspflicht.

Der Vorschlag der Nationalbank sieht nun so aus, dass sich die Summe der vergebenen Kredite zu 70% aus Forint zusammensetzt. Bei den 30% möglichen Fremdwährungskrediten solle der größte Teil aus Euro bestehen, nur ein Drittel davon dürfe dann noch auf Basis anderer Währungen ausgereicht werden. Besonders wichtig: die maximale Höhe der Raten soll in ein neues Verhältnis zum verfügbaren Einkommen gestellt werden. Nach den Pländen der MNB sollten die Raten bei Forintkrediten nicht 30% des verfügbaren Monatseinkommens überschreiten, bei EUR-basierten Krediten sollen es max. 23%, bei anderen Fremdwährungskrediten max. 15% sein. Erst ab einem monatlichen Nettoeinkommen von 250.000 Forint könnten diese Regeln etwas gelockert werden, bei Einkommen von mehr als 500.000 HUF im Monat dürfte man dann bis zu 50% seines monatlichen verfügbaren Einkommens als Raten an die Bank zahlen (bei Forintkrediten), 38% bei EUR, 25% bei anderen Währungen.

Vor allem durch die enorme Verteuerung von CHE-basierten Immobiliendarlehen sind zigtausende Ungarn während der Finanzkrise in Zahlungsschwierigkeiten gekommen. Etliche mussten neue Vereinbarungen mit ihrer Bank treffen, weil sie die, aufgrund des Forintverfalls, teilweise bis zu 40% höheren Raten nicht mehr bedienen konnten. Banken änderten die Kreditbedingungen meist einseitig nach eigenem Ermessen, was die Schuldner zusätliche in Schwierigkeiten brachte. Etliche Wohnungs- und Hauseigentümer wurden bereits zwangsgeräumt und gepfändet. Experten gehen ohnehin davon aus, dass die relative Ruhe beim Forintkurs, der seit Monaten um die 270 zum Euro pendelt, bald wieder vorbei sein könnte. Und zwar dann, wenn im 1. Quartal die erschreckenden Prognosen von bis zu 15% Kreditausfälle Realität werden. Die Spekulanten warten nur auf ein Zeichen der Schwäche, um loszuschlagen.

Der Chef der Nationalbank sitzt selbst auf einem sehr wackeligen Posten. Er wurde im Sommer heftig angegriffen, weil er privates Vermögen in einer Gesellschaft auf Zypern verwaltet, was ihm den Vorwurf des Steuerflüchtlings und der Geldwäsche einbrachte. Er sei moralisch nicht haltbar. Die Opposition fordert seinen Rücktritt, Premier Bajnai protegiert ihn.

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