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(c) Pester Lloyd / 02 - 2010  POLITIK 18.01.2010

 

Vollständig und für immer

Jobbik will Macht in Ungarn ergreifen und droht mit Sturz des Systems

Am vergangenen Wochenende stellte die rechtsextreme Partei Jobbik ihr Wahlprogramm für die Parlamentswahlen in Ungarn im April vor. "Wir sind bereit die Regierung zu übernehmen", sagte Parteiführer Gábor Vona vor Pressevertretern am Samstag und fügte hinzu "im Interesse des Landes." Da die Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit auf ihrer Seite sei, könne man auch mit begrenzten Mitteln einen Sieg erringen.

Vona, der auch als Spitzenkandidat fungiert, nannte es als das Ziel seiner Partei einen "radikalen Wandel" herbeizuführen und die "nationale Selbstzerstörung zu beenden". "Jetzt ist die Zeit, die nationale und wirtschaftliche Politik der letzten zwanzig Jahre zu zerstören - vollständig und für immer", wird er von MTI zitiert. In der kommenden Woche werde Jobbik bereits ein Schattenkabinett aufstellen. Die Kampagne wird vor allem auf Nichtwähler und die Stimmen des nationalkonservativen Fidesz abzielen, in dem man sich als der wahre Vertreter nationaler Interessen darstellt.

Jobbik, eine ultranationalistische und rassistische Partei, stellt sich als Hüter des Ungarntums und Verteidiger gegen fremde Mächte und feindliche Kräfte dar, womit Juden, Roma, Kommunisten, Homosexuelle und alles Nichtungarische gemeint sind. Die Symbolik der Partei und der aus ihr hervorgegangen paramilitärischen "Ungarischen Garde" (die mittlerweile verboten aber weiter aktiv ist, neuerdings auch in Rumänien), imitiert die faschistischen Pfeilkreuzler, die in den Vierziger Jahren in Ungarn ein Terrorregime führten. Hinzu kommt viel historisierender Budenzauber (Stichwort Árpád), christliche und heidnische Symbolik. Bei den Europawahlen erhielt die Partei großen Zulauf und fast 15% der Stimmen, sie kann als klassischer Krisengewinnler eingeordnet werden, profitierte vor allem aber auch von den jahrelangen Grabenkämpfen und zahlreichen Korruptionsskandalen der zwei großen politischen Blöcke. Ihre Hetze ist für die Pogromstimmung, die im letzten Jahr zu etlichen, teils tödlichen Attacken auf die Roma-Minderheit führte, zumindest mitverantwortlich.

Hintergrund:

Wort und Totschlag (Jun 2009) - Wer ist und was will Jobbik?

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