(c) Pester Lloyd / 45 – 2010 NACHRICHTEN 12.11.2010
300.000 Ungarn leben in Ghettos
Nach Einschätzung der Nationalen Agentur für Regionalentwicklung leben in Ungarn rund 300.000 Menschen, also rund 3% der Bevölkerung, in „abgegrenzten Hocharmutsgebieten“, einer soziologischen Umschreibung für Ghettos. Vera Domokos leitet ein von der EU finanziertes Projekt, das genauere Kenntnis über die Lage der Armen in Ungarn erbringen soll. 1.633 solcher „Zonen“ gibt es, wobei deren Größe von einzelnen Wohnhäusern bis regelrechten Bezirken von mehr als 1000 Einwohnern variiert. In der Studie wird als „ausgegrenztes Gebiet“ definiert, wo mehr als 50% der Menschen im Alter von 15-59 kein reguläres Einkommen beziehen, mehr als 50% keine höhere als die Grundschulausbildung aufweisen und wo die Mehrheit der Wohneinheiten nicht im Eigentum der Bewohner sind. Domokos fügt hinzu, dass in Ungarn offiziell dabei nicht von „Roma-Ghettos“ die Rede ist, obwohl es sich fast immer um solche handelt. Die Studie wird nun an den Minister für Öffentliche Verwaltung und Justiz weitergeleitet.
Am Vortag hatte Amnesty International die ungarischen Behörden als unfähig bis unwillig im Kampf gegen Gewalt und Diskriminierung von Roma bezeichnet. Ebenfalls gestern ergingen strenge Haftstrafen gegen mehrere Roma, gegen die der sog. “Minderheitenprargraph”, eigentlich ein Gesetz zum Schutz der Minderheit, angewandt wurde. Acht Angeklagte erhielten in Summe 41 Jahre Gefängnis, ein Urteil, das von vielen als “rassistisch motiviert” angesehen wird. Die Details dazu finden Sie hier.
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