(c) Pester Lloyd / 34 – 2009 WIRTSCHAFT 17.08.2009
20.08.09 _______________________________________________________
Euro als Segen und Umsatzbremse
Die Banken in der Slowakei machen Gewinne
Die slowakischen Banken hatten weniger spektakuläre Kämpfe auszustehen als ihre ungarischen Kollegen. Das lag vor allem daran, dass die slowakische Finanzwirtschaft durch den Euro nicht in Währungsturbulenzen geriet, der im Januar wie ein Segen über das Land kam. Die vollständig in der Hand ausländischer Häuser befindlichen Banken halbierten zwar ihre Gewinne – auch wegen des Euro – und das Kredit-Ausfallrisiko steigt immernoch, – aber man scheint gerüstet.
Im ersten Halbjahr haben sich die Gewinne der slowakischen Banken um rund die Hälfte verringert. Damit hatten aber alle Beteiligten gerechnet und immerhin sind kleinere Gewinne immer noch Gewinne. Vor einigen Tagen veröffentliche die Slowakische Nationalbank dazu konkrete Zahlen. Danach haben alle in der Slowakei registrierten Banken in den ersten sechs Monaten 2009 einen Gewinn von 179,6 Mio EUR erwirtschaftet, 48 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Einbruch hat natürlich in erster Linie mit der Wirtschaftskrise zu tun, aber auch mit der Einführung des Euro zu Jahresbeginn, die Spielereien beim Wechselkurs zwischen slowakischer Krone und Euro als Betätigungsfeld für Devisenhändler und Finanzdirektoren abschaffte, gleichzeitig das gesamte Finanzsystem aber stabilisierte. Besonders erstaunlich ist, dass die slowakischen Banken bisher keine Staatshilfen nötig hatten und generell nicht in die roten Zahlen rutschten. Man könnte fast meinen, die Krise hat die slowakischen Banken übersehen, denn der Wirtschaft, vor allem der Industrie im Lande geht es wirklich sehr schlecht.
Entwicklung fauler Kredite als Damoklesschwert
Die größte Bank in der Slowakei ist die Slovenská Sporitelna (SLSP), sie gehört zur ERSTE Gruppe in Österreich. Sie hatte in Halbjahr 1 einen Gewinnrückgang von 56% wegzustecken und konnte noch 35,1 Mio EUR Gewinn erbringen.
Štefan Frimmer, Sprecher der Bank, macht zwei Gründe dafür verantwortlich. Er sagt, dass die Einführung des Euro zwar einen sehr positiven Effekt für die Wirtschaft hatte, aber für die Banken bedeutete der Euro erstmal höhere Kosten und geringere Umsätze. Wenn man den Euro-Effekt herausrechne, dann hätte seine Bank 50% mehr Gewinn gemacht, so Frimmer.
Der zweite Grund: “Der Anteil überfälliger („schlechter“) Kredite hat sich erhöht, die komplizierte ökonomische Situation und die wachsende Arbeitslosigkeit hat natürlich Einfluss auf die Rückzahlungen von Krediten durch unsere Kunden.“ Man habe aber all dies im Griff und legt besonderen Wert auf die Kommunikation mit den Kunden, vor allem auch, wenn sie in Schwierigkeiten sind. Nach seinen Angaben habe sich in H1 die Ausgabe von Krediten noch erhöht, um 8% auf 5,9 Mrd. EUR, die Kundeneinlagen seien beträchtlich gestiegen, um 15% auf 6,2 Mrd. EUR.
Liquidität und Risikovorsorge seien ausreichend. Man sei sich im Klaren darüber, dass die Kreditsituation angespannt bleiben wird. Im Moment versuche man auf der Seite der Effizienz und der Kosten zu arbeiten, um weiter gute Ergebnisse liefern zu können. Die zur ebenfalls österreichischen Raiffeisen-Gruppe gehörende Tatra Banka konnte 46,68 Mio. EUR verdienen, ein Rückgang von nur 23,6% zum ersten Vorjahreshalbjahr. Den höchsten Profit fuhr aber die VÚB Bank ein (Teil der Intesa Sanpaolo, Italien), die 57,3 Mio EUR im ersten Halbjahr vorweisen kann, ein Minus von 24%.
Bei allem Zweckoptimismus, die Gesamtlage der slowakischen Wirtschaft, vor allem auch der kleineren und mittleren Betriebe sind ein Damoklesschwert, dass noch in Monaten auf sie inForm von massivsten Kreditausfällen herunterrauschen kann. Die letztlich zwangsläufig konfrontative Haltung von Banken gegenüber zahlungsunfähigen Kunden, wird, wie in Ungarn schon zu sehen, zu massiven Ausfällen führen, Risikovorsorge hin, Liquidität her.
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