(c) Pester Lloyd / 42 – 2010 NACHRICHTEN 22.10.2010
Ungarn will MOL-Anteil von Russland kaufen
Ungarn hat nun offiziell sein Interesse am Ankauf des 21,2%igen Aktienpaketes an der MOL im Besitz der russichen Surgutneftegas angemeldet und es gleich wieder teildementiert. Der Minister für Nationale Entwicklung, Tamás Fellegi sagte, dass Ungarn „große ausländische Investoren in einer führenden, strategisch wichtigen ungarischen Unternehmung nicht wünscht.“ Es wäre „vorteilhaft für den Staat, Anteilseigner der MOL zu werden.“, so Fellegi. Er musste kurz danach nochmals klarstellen, dass er nicht gesagt hatte, dass “Ungarn die Aktien kaufen will, sondern, dass dies von Vorteil wäre.” Eine solche Transaktion würde man mit Hilfe des Finanzmarktes und aus eigenen Mitteln finanzieren können und sich auch nicht davor scheuen. Der MOL-Rückkauf könnte Teil einer Vereinbarung zur Energiekooperation mit Russland sein, die bis Jahresende unter Dach und Fach gebracht werden soll, darin wird auch eine Verlängerung der 2015 auslaufenden Erdgaslieferverträge und das South Stream Projekt verankert werden. Surgutneftegas, ein russischer Erdgas- und Erdölkonzern im mehrheitlichen Staatsbesitz und unter direkter Regierungskontrolle erwarb 2009 von der österreichischen OMV einen 21,2%-Anteil an der MOL, nachdem die Österreicher ihren Versuch einer feindlichen Übernahme der MOL durch eine gesetzliche Intervention Ungarns (Lex MOL) als gescheitert betrachten mussten. Die Russen zahlten damals 1,4 Milliarden EUR dafür, derzeit ist dieser Anteil schon 1,7 Mrd. EUR wert. Die Ankündigung Fellegis könnte den Preis der Aktien jedoch spekulativ nach oben treiben, erst recht sein unprofessioneller Rückzieher.
Die MOL und der Staat betrachteten das Engagement von Surgut von Anfang an als “feindlich” bzw. offiziell als “nicht freundlich”. Während die Russen von einer strategischen Partnerschaft sprachen, qualifizierten die Ungarn den Einstieg immer als unerwünschten Finanzinvestor. Bis heute verweigert man Surgut den Eintrag ins Aktionärsregister, obwohl eine entsprechende Untersuchung der Energieaufsicht keine ablehenden Gründe erbrachte. Man vermutete u.a. dass Surgut die MOL-Aktien als Druckmittel für den Kampf um die Märkte am Westbalkan benutzen könnte und sie womöblich für das INA-Paket der MOL in Kroatien tauschen wollte.
Auch für die Ungarische Außenhandelsbank MKB (im Besitz u.a. von Bayern LB und BAWAG PSK Österreich) interessiert sich der ungarische Staat.
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