(c) Pester Lloyd / 05 – 2013 POLITIK 30.01.2013
Ostöffnung unter Palmen: Parlamentspräsident von Ungarn tourt durch Sri Lanka
Die „Ostöffnung“ Ungarns, also die Suche von „neuen strategischen Partnern in der Welt“ außerhalb der EU und der Atlantikschiene treibt zu Weilen seltsame Blüten. Während Staatssekretäre, Wirtschaftsdelegationen, Sonderbeauftragte im Tagestakt nach Indien, China, Qatar oder sonst wohin geschickt werden, um dem Land Aufträge und Investitionen zu organisieren, gönnt sich der Parlamentspräsident László Kövér eine ganze Woche für den wirtschaftlich vergleichsweise unbedeutenden (gleiches BIP wie Ungarn bei doppelt so vielen Einwohnern), dafür touristisch umso interessanteren Inselstaat Sri Lanka.
Natürlich fragen sich die ungarischen Bürger, von denen die meisten es nicht einmal bis ans Mittelmeer schaffen: Was macht der da so lange? Die offizielle Antwort des Parlamentspräsidiums: „Als Teil seiner politischen Öffnung sucht Ungarn die Entwicklung von Partnerschaften mit Asien und pazifischen Nationen.“ Der Parlamentspräsident wird mit seinem Amtskollegen Chamal Rajapaksa, Staatspräsident Mahinda Percy Rajapaksa, sowie den Ministern für Wirtschaft und Wasserwirtschaft zusammentreffen. Dabei geht es um eine „Modernisierung der Wasserbelieferung für die Hauptstadt Colombo“, in die Ungarn „involviert“ ist. Kövér will außerdem die von ungarischen Hilfsorganisationen errichteten Gebäude für die vom Tsunami 2004 obdachlos gewordenen Menschen besichtigen. Was er an den anderen fünf Tagen auf Staatskosten vor hat, ist bisher nicht bekannt… Schon einmal sorgte das Insel-Hopping von hohen Regierungs für Aufsehen, als sich nämlich 2011 diverse ungarische Außenpolitiker, Abteilungsleiter, Staatssekretär um Reisen zu solchen Supermächten wie Nauru, Tuvalu, Vanuatu oder Tonga bemühten. Mit denen wollte Ungarn dringend diplomatische Beziehungen aufnehmen, um an genügend Stimmen für einen nichtständigen Sitz im Sichrheitsrat der Vereinten Nationen für die Sitzungsperiode 2012-2013 zu kommen. Der ging dann letztlich an Aserbaidschan, mit dem man wiederum wegen der Rücklieferung des Axtmörders beste Beziehungen aufbauen konnte. Einen Strand gibts dort auch.
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