(c) Pester Lloyd / 19 – 2014 WIRTSCHAFT 08.05.2014
Gedeon Richter, Ungarns größter Pharma- und Biotechnik-Hersteller spürt erstmals den Einfluss der Ukraine-Krise. Sowohl für Russland wie für die Ukraine musste man die Umsatzerwartungen 2014 drastisch zurückschrauben, gleiches gilt für das operative Ergebnis, das wohl 11% niedriger ausfallen wird als erhofft.
Auslieferungsfahrzeug der RichterGedeon in den 30er Jahren… Kommen diese Zeiten bald wieder? Dabei hatte sich Richter durch Investitionen und „strategische Partnerschaften“ in den vergangenen Jahren besonders um diese beiden Märkte bemüht, auch die Regierung, namentlich Premier Orbán, lobbyierte im Kreml immer wieder für den ungarischen Pharmamarktführer. Nun lässt man Richter aber im Regen stehen, denn im Februar liefen die Exportbürgschaften der staatlichen MEHIB (Exportversicherer) aus und wurden nicht verlängert. So viel zur „Ostöffnung“. Auch bei Medikamentezuzahlungen und der gesetzlichen Preisgestaltung bei Arzneien stand Richter mit der Regierung bereits auf Kriegsfuß.
Zwar gebe es Bankgarantien seitens der Partnerbanken der ukrainischen Kunden, aber, so Vorstandschef Erik Bogsch, „versuchen Sie die heute mal zu exekutieren…“. Man versuche in Gesprächen mit staatlichen, ungarischen (Ungarn hält einen kleinen Anteil), aber auch europäischen Stellen „irgendwelche Garantien“ aufzutreiben. Die Umsatzkorrekturen für Russland, übrigens der größte Markt für Richter, werden sich auf ca. 20% – auf EUR-Basis – belaufen, glaubt der Vorstandsschef, betont aber, dass man „die Marktanteile halten kann, da der Gesamtmarkt mitschrumpft“.
Rund ein Viertel der Aktien des 1901 gegründeten Unternehmens hält der ungarische Staat, über 60% institutionelle Anleger (Branchenhedgefonds, Beteiligungsgesellschaften, Banken, Fonds), ca. 7% sind in ungarischer Privathand, weitere 3% in Streubesitz, auch die Rentenkasse hält 5%. 2012 machte der Konzern rund 1,1 Mrd. EUR Umsatz, Beteiligungen gibt es u.a. in Indien, der Schweiz, Rumänien, Deutschland, auf 40 Märkten ist man aktiv. red.
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