Belgrad. Serbiens langjähriger Machthaber Aleksandar Vučić hat seine Niederlage bei der vorgezogenen Parlamentswahl eingeräumt. Eine erste Hochrechnung von Ipsos und CeSID sieht die von der Studentenbewegung unterstützte Wahlliste bei 52 Prozent, während Vučićs Liste auf 39,3 Prozent kommt. Das berichtete der serbische Sender N1 am Sonntagabend unter Berufung auf die Projektion.
Der Hochrechnung zufolge könnte die Studentenliste 138 der 250 Parlamentssitze erhalten und damit die absolute Mehrheit von 126 Mandaten deutlich überschreiten. Vučićs Lager käme demnach auf 104 Sitze. Die Zahlen sind vorläufig; das amtliche Endergebnis steht noch aus.
In Belgrad löste Vučićs Eingeständnis der Niederlage ausgelassene Jubelszenen aus. Wie die britische Zeitung The Guardian aus der serbischen Hauptstadt berichtet, gingen zahlreiche Menschen auf die Straßen, um den politischen Umbruch zu feiern. Einige hätten ihre Überraschung darüber geäußert, wie deutlich der Erfolg der Studentenbewegung ausgefallen sei.
Die Wahl markiert eine Zäsur für Serbien. Seit fast zwei Jahren erschüttert eine landesweite Protestbewegung das politische System des Landes. Auslöser war das tödliche Einstürzen eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen. Der Vorfall wurde zum Symbol für mutmaßliche Korruption, mangelnde staatliche Verantwortung und institutionelles Versagen.
Die von Studierenden getragene Bewegung entwickelte sich daraufhin zu einer landesweiten politischen Kraft. Ihr zentrales Anliegen ist der Kampf gegen Korruption und die Wiederherstellung rechtsstaatlicher Institutionen. Mit dem nun prognostizierten Wahlsieg könnte sie erstmals die Regierungsverantwortung übernehmen und die politische Ausrichtung des Landes grundlegend verändern.
Vučić und seine Serbische Fortschrittspartei (SNS) hatten die serbische Politik über Jahre dominiert. Ob die Studentenliste ihre Mehrheit gemäß der ersten Projektion tatsächlich erreicht und wie sich daraus die Regierungsbildung gestaltet, müssen die weiteren Auszählungen zeigen.
Quelle: Guardian
Bild: Illustration PL
Unser monatlicher Nachrichtenspiegel: die wichtigsten Meldungen aus Ungarn und Mitteleuropa, einmal im Monat per E-Mail. Kostenlos, kein Spam, jederzeit abbestellbar.
Nachrichtenspiegel kostenlos abonnieren





