(c) Pester Lloyd / 22 – 2017 NACHRICHTEN 02.06.2017
Gerade erst wieder hat Premier Orbán in überschwenglichen Worten seine Anstrengungen für eine „natürliche Reproduktion“ der Ungarn als Gegenmodell zu Einwanderung gelobt, – da strafen ihn die Zahlen der Bevölkerungsentwicklung ein weiteres Mal Lügen. Sowohl im Jahresvergleich wie auch im mittelfristigen Trend bleibt Ungarns Bevölkerungszahl rückläufig, Geburtenrückgänge, mehr Todesfälle als Neugeborene und Abwanderung lassen das Ungarntum schwinden.
Laut dem offiziellen Statistikamt KSH wurden im ersten Quartal 2017 22.072 Babys in Ungarn geboren, 389 bzw. 1,7% weniger als im Vorjahreszeitraum, eingedenk des Schaltjahres 2016 immer noch ein Rückgang von fast 1%. Hinzu kommt, dass aus Sicht der Regierungsideologie die „falschen“ Kinder geboren werden, in Mittelungarn mit der Hauptstadt Budapest betraf der Rückgang 6,6%, während in Südtransdanubien mit einem erheblicheren Roma-Anteil ein Anstieg um 1,6% zu verzeichnen war.
Das KSH meldete für Q1 2017 außerdem 35.589 Todesfälle, 5.187 oder 16% mehr als im Q1 2016, was man mit der diesjährigen Grippewelle erklärt. Die Sterberate stieg im Süden des Landes um 19% an, in Nordwestungarn mit 13% weniger stark. Der natürliche Bevölkerungsrückgang liegt damit bei 16.517 Personen, gegenüber 10.941 in 2016, das sind 51% Anstieg, in Budapest und Umgebung stieg er um 75%.
Auch die Zahl der Eheschließungen ließ deutlich nach, es waren 8,7% weniger als im Vorjahr.
Das KSH veröffentlichte außerdem erste Ergebnisse des kleinen Zensus von 2016. Demnach betrug der Bevölkerungsrückgang in Ungarn von 2011 bis 2016 134.000 Personen auf 9,803 Millionen. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen, da die meisten der rund 800.000 im Ausland lebenden Ungarn aus verschiedenen Gründen eine Heimatadresse behalten, was die Statistik natürlich verzerrt.
In der sogenannten kleinen Volkszähung wurden rund 10% der Gesamtbevölkerung in 400.000 Hauhsalten erfasst, hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergaben sich daraus u.a. folgende Daten: 15% sind Kinder, 67% im arbeitsfähigen Alter, 19% waren 65 Jahre oder älter. Die höchste Bevölkerungsdichte weist Budapest auf, mit 3.360 Einwohnern pro Quadratkilometer. Der Durchschnittsungar lebt in einer 2- oder 3-Zimmerwohnung mit 84 qm. 21% der Gesamtbevölkerung wohnt in der Hauptstadt, 52% in anderen Städten, 28% in Dörfern.
Babys oder Untergang: Wie Orbán Ungarn und Europa vor dem Aussterben retten will
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