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Am 23. Oktober jährt sich der Volksaufstand 1956 in Ungarn

(c) Pester Lloyd / 43 – 2009 GESELLSCHAFT 23.10.2009

Am 23. Oktober jährt sich der Volksaufstand 1956 in Ungarn

Update: Rechte enterte Nationalfeiertag >>>

Am 23. Oktober jährt sich der Volksaufstand 1956 in Ungarn. Wieder die Zeit für Gedenken, Selbstkritik, Streit unter Politikern – und ein langes Wochenende für Alle.

Der 23. Oktober ist der dritte Nationalfeiertag in Ungarn. An diesem Tag wird dem Volksaufstand 1956 gedacht, im März der Revolution gegen Habsburg und Adel, im August der Staatsgründung und dem Heiligen Stephan. Im Oktober vor 53 Jahren haben sich die Ungarn von einer autokratisch-spätstalinistischen Diktatur und dem Griff Moskaus befreien wollen. Der Reformsozialist Imre Nagy ist der Held dieser Zeit, er wollte Grundrechte, wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit und freie Wahlen durchsetzen. Gestürzte Stalin-Staute in den Tagen des Volksaufstandes

Für einige Tage übernahmen Studenten, Intellektuelle, Oppositionelle das Ruder im Lande, zum Teil auch ein unkontrollierter Mob, der sich an Funktionären rächte. Die Rote Armee schlug den Aufstand im November blutig nieder, es gab hunderte Tote, der Westen schwieg lautstark und Nagy und viele seiner Mitstreiter wurden hingerichtet oder jahrelang eingesperrt. Ein Massenexodus gen Westen war die Folge, doch auch der Grundstein des Gulaschkommunismus unter Kádár und damit eine Sollbruchstelle des Ostblocks für 1989 wurden durch die Ereignisse gelegt und vorbereitet.

Aufständische in den Straßen von Budapest, auch Armeeeinheiten verbrüdern sich mit dem Volk Kleiner Eklat im EU-Parlament

Das Gedenken an diese Ereignisse spaltet seit Jahren das Land. Die Rechte, voran Fidesz, spricht der Linken (MSZP) als Quasi-Nachfolger der kommunistischen Einheitspartei das Recht ab, sich als Fürsprecher dieser Bewegung zu verhalten und bezichtigt „die Sozialisten“ permanent der Ausplünderung der Nation und Restaurationsversuchen. Daher feiern beide Polit-Blöcke meistens getrennt und jeder interpretiert sich die Tage des Aufstands wie es ihm in den politischen Plan passt. Die Sozialisten wiederum strengen sich sehr an, das Erbe Imre Nagys als das ihre zu verkaufen, die Rechte versinkt in nationalem Überschwang.

Dieser Graben wurde vor wenigen Tagen sogar im Europäischen Parlament vor dem ganzen Kontinent sichtbar. Die Ungarn nutzten, gemeinsam mit acht anderen ehemaligen Ostblockstaaten, eine Sitzungspause für eine kleine Gedenksitzung. Die MSZP-Abgeordneten verließen diese jedoch demonstrativ, weil sie nicht gemeinsam mit den Abgeordneten der rechtsextremen Jobbik „feiern“ wollten. Einen Mann ließen die Sozialisten im Plenarsaal, um ihrer Zustimmung zur Thematik Ausdruck zu verleihen. Doch „mit einer Partei, die offen antisemitisch und antiziganistisch auftritt“, wolle man sich nicht gemeinsam zeigen. Die Fidesz-Abgeordneten hatten da weniger Berührungsängste.

Denkmal für Imre Nagy, der nachdenklich an einem Brücekngeländer lehnt, am Kossuth Platz in Budapest

1956 – 1989 und die verpassten Chancen

Béla Katona, Parlamentspräsident Ungarns und von der MSZP, nannte den 23. Oktober 1956 gestern „das wichtigste Datum der ungarischen Geschichte im 20. Jahrhundert“. Denn, so sagte er bei der Eröffnung einer erinnernden Konferenz, damals erhoben sich die Ungarn in „uneingeschränkter Einigkeit“ für Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie. Der Versuch scheiterte zwar tragisch, doch die ganze Welt respektierte das Land für seinen Freiheitskampf. Die Ziele des Aufstandes damals konnten erst ab 1989 verwirklicht werden, ergänzte der Regierungschef Gordon Bajnai. „Ungarn wählte 1989 den richtigen Weg als es sich gen Westen wandte, sein Schicksal in die eigenen Hände nahm…“. „In den letzten 20 Jahren wurde viel erreicht, aber es gibt auch viele Menschen, die von der postkommunistischen Transformation enttäuscht sind. Politiker haben daher eine große Verantwortung, denn sie sind es – nicht diese Menschen – welche die vorhandenen Möglichkeiten nicht genutzt haben.“ Ein kritisches Selbstbekenntniss, dass ganz sicher folgenlos bleiben wird. Ob der 23. Oktober 1956 wirklich das wichtigste Datum für Ungarn im 20. Jahrhundert war? Ob nicht vielleicht diverse Daten, 1914, 1921, 1938/39, 1944, wären sie anders verlaufen, 1956 erspart hätten? Eine schwierige Geschichte für ein Land in einer schwierigen Lage. Ein langes Wochenende immerhin.

Weitere Informationen zu 1956 in deutscher Sprache:

www.ungarn1956.de (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Collegium Hungaricum Berlin)

http://de.wikipedia.org/wiki/Ungarischer_Volksaufstand (Wikipedia)

http://sciencev1.orf.at/sciencev1.orf.at/science/gastgeber/146108.html (ORF-Special zum 50. Jahrestag des Aufstandes 2006)

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