(c) Pester Lloyd / 24 – 2009 WIRTSCHAFT 11.06.2009
Am Flughafen Budapest wird gebaut – und auf den Putz gehauen
Wer sich in diesen Tagen am Terminal 2 des Budapester Flughafens aufhält, wird feststellen, dass es dort momentan nicht mit rechten Dingen zugeht: Ab und zu weht den Fluggästen und dem Bodenpersonal eine Brise feinen Baustaubs in die Nasen – hier und da erschallt sogar ein heftiges Niesen. Wie an fast jeder Ecke in Budapest, wird auch am Ferihegy II gerade um- und ausgebaut – selbstverständlich nur im Dienste des Fortschritts.
Die kürzeste Verbindung von A „nach“ B: SkyCourt
Bei der gut bewachten Großbaustelle handelt es sich im Wesentlichen um den Bau eines passenden Verbindungsstücks zwischen den beiden Teilen des Terminals 2 – 2A und 2B. Fragt sich der Ottonormaltourist derzeit noch, wie solch ein Mittelteil zwischen A und B am besten genannt werden könnte (Vorschlag der Redaktion: „nach“), hat das Kind schon längst einen anderen Namen, der Ansprüche, weit über die eines Korridors hinaus formuliert: SkyCourt.
Einchecken – Einkaufen – „Einspeisen“
Zusätzlich zum neuen „Herzstück“ sollen die Check-in-Bereiche um 40% aufgestockt werden, zehn neue Counter und acht Check-in-Automaten sollen entstehen. Die Sicherheitskontrollen sollen zentralisiert, 14 so genannte Screaner installiert und die Sicherheitstechnik der Zeit angepasst werden. Im Erdgeschoss sollen schließlich mehrere Läden entstehen, im Zwischengeschoss das derzeit bescheidene gastronomische Angebot erweitert werden. 40.000 Quadratmeter Luxusflur.
Kleinere Unannehmlichkeiten beim (ein)parken
Traut man den in Medienkreisen kursierenden Verlautbarungen, so sollen die Bauarbeiten nur einige Monate die Urlaubslaune der Reisenden beeinträchtigen. Ende April dieses Jahres haben sie begonnen und sollen voraussichtlich im Sommer des kommenden Jahres abgeschlossen werden. Der Parkplatz im Ankunftsbereich auf der unteren Ebene des Terminals ist bereits gesperrt. Daher empfiehlt die Flughafenleitung den Reisenden, die obere Ebene nur für den Ein- und Ausstieg zu benutzen, um dann auf die anderen Parkplätze auszuweichen.
Ferihegy – ein moderner europäischer Flughafen
Auf der gestrigen feierlichen Zeremonie zur Grundsteinlegung des „himmlischen Hofes“ rechtfertigte Ministerpräsident Gordon Bajnai die kurzweilige Beeinträchtigung des Reiseverkehrs mit der frohen Erwartung, das Flugfeld Ferihegy werde auf die Reisenden schon bald den Eindruck eines modernen europäischen Flughafens machen. Einer allseits bekannten Touristenweisheit folgend, erinnerte der Regierungschef noch einmal daran, dass der Flughafen einer Stadt immer den ersten und letzten Eindruck einer (Flug-)Reise ausmache. Und diese Eindrücke sollten eben so gut wie möglich sein!
Bajnai glaubt immer noch an ein Leben nach der Krise
In nahezu weiser Voraussicht bekräftigte der Ministerpräsident seinen Glauben daran, dass die Wirtschaft nach der Krise wieder wachsen und sich der modernisierte Flughafen mit Leben füllen werde. So bezeichnete er bereits diese rund 260-Mio-Euro große Investition als „ein Zeichen für eine bessere Wirtschaftsentwicklung und das beständige Vertrauen der Investoren in Ungarn“.
Besonders mutig erscheint der Aufschwungs-Optimismus des Premiers gerade hinsichtlich der Luftfahrtbranche, der für das Jahr 2009 weltweit Verluste von rund 9 Milliarden EUR vorher gesagt werden, bis zu 100.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Auch in Mittelosteuropa ist die Lage sehr schwierig geworden. Sogar so etablierte Standorte wie Wien Schwechat verlieren massiv Passagiere und der AUA bricht ausgerechnet das Osteuropageschäft am stärksten ein, das Herzstück der österreichischen Flotte werden sollte.
Der Flughafen Budapest ist ein Tochterunternehmen des deutschen Hochtief Konzerns, die Malév, größter Nutzer des Airports gehört einer russischen Staatsbank. Ungarns Einfluss auf strategische Entscheidungen dieser beiden ist also eher symbolischer Natur. Die Russen nutzen die Malév als „Door opener“ und Lizenzbeschaffer für den EU-Markt und teilen ihr in Zukunft die Destinationen zu. In Richtung Russland und Ex-Sowjetunion, das ist schon klar, geht es nur um eine Passagierzuführung für die Aeroflot. Ansonsten dominieren launische Billigairlines wie Air Berlin oder Wizz Air den Markt. Sie könnten morgen schon nach Bratislava oder anderswo abziehen, wenn es dort mehr zu holen gibt.
Dr. Peter Noé, der Geschäftsführer der Hochtief AG, gab während der Feierstunde die üblichen Statements zum Besten, sprach von einem „Schlüsselprojekt“ im Rahmen des „Budapester Zukunftsprogramms“. Wer die Schlüssel für Ungarns Zukunft in Händen hält, daran gibt es keinen Zweifel. Ungarn hat sie längst verloren.
David Völker, red.
Fotos: D. Völker, BA
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