(c) Pester Lloyd / 36 – 2010 NACHRICHTEN 09.09.2010
Bildungsschere zwischen Roma und Nichtroma in Ungarn gewachsen
Die Bildungssituation der ungarischen Roma hat sich in den letzten sechs Jahren noch weiter verschlechtert. Das geht aus einer Studie des Bildungsministeriums hervor, die noch unter dem sozialistischen Minister István Hiller in Auftrag gegeben wurde. Sie sollte vor allem die positive Wirkung sogenannter integrativer Klassen nachweisen, ein Projekt der Vorgängerregierung, in denen Roma und Nichtroma zusammen unterrichtet werden, was ohne gezielte Steuerung in Ungarn nämlich sonst kaum der Fall ist. Doch sechs Jahre nach Beginn des Projektes wurde festgestellt, dass sich die Abgangsraten von Roma nach der Grundschule noch vergrößert, statt verkleinert haben.
Während nur 0,9% der Schüler, die keine Roma sind, die Ausbildung nach der Grundschule abbrechen, liegt die Rate bei Romakindern bei 5,5% und damit noch höher als vor sechs Jahren. 67 Prozent der Roma erreichen weder Gymnasium, noch Universität, Fachhochschulen o.ä., bei den Nicht-Roma sind dies 27,4%. Vor allem im ländlichen Bereich ist es seit Jahren üblich, dass die Eltern der Nicht-Roma private Schulstiftungen gründen und so die Trägerschaft über die örtliche Schule erlangen. Dadurch können sie Roma von vornherein vom geimeinsamen Unterricht ausschließen, diese müssen dann vom Staat aufwendig in „Romaschulen“ zusammengefasst und mehr schlecht als recht unterrichtet werden.
Ungarn hat angekündigt, „Minderheiten- und Menschenrechte“ als Schwerpunkt der eigenen Agenda für seine EU-Ratspräsdientschaft 2011 zu machen. Damit sind aber nicht die Minderheiten im eigenen Land gemeint, sondern die Auslandsungarn bei den Nachbarn, denen man bereits zahlreiche Förderungen angedeihen lässt, von Stipendien über Schüleraustausch und direkte Strukturhilfen bis hin zu einem ungarischen Pass, während für die Roma in Ungarn noch kein Aktionsplan vorliegt.
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