(c) Pester Lloyd / 44 – 2010 BUDAPEST 05.11.2010
Obdachlose stören wieder einmal die vorweihnachtliche Stimmung in Budapest – Schon zehn Todesfälle im Herbst
Zwischen 100 und 120 Menschen schlafen derzeit regelmäßig in Metro- und Straßenunterführungen von Budapest, so zumindest die offizielle Zählung des Rathauses. Dieses für die Hauptstadt schändliche Bild, will der neue Oberbürgermeister István Tarlós schnellstens beseitigen, das unsichtbare Elend ignoriert er jedoch. Dabei schätzt man bis zu 6.000 Wohnungslose in und um Budapest.
Er, Tarlós, werde mit „verschiedenen Gruppen“, die sich der Sache der Obdachlosen annehmen, die Angelegenheit besprechen, um bis zum Wintereinbruch eine „angemessene Lösung“ zu finden. Tarlós fügte hinzu, dass er diese „Bereiche säubern will, um die Sicherheit zu erhöhen.“ Dafür stelle man bis zu 80 Millionen Forint (ca. 290.000 EUR) bereit. Man werde die Obdachlosen aber nicht einfach des Platzes verweisen und sie an unsichtbarere Orte verbannen, versprach der erste Fidesz-Bürgermeister von Budapest. Es ginge darum, diesen Menschen eine „gesündere und sicherere“ Umgebung zu bieten, die eine Integration in die Gesellschaft erleichtere. In diesem Herbst seien bereits zehn dieser Obdachlosen aufgrund ihrer widrigen Lebensumstände gestorben, sagte der Oberbürgermeister, ohne genauere Angaben zu machen.
Foto (c) Pester Lloyd Konkret geht es darum, die Unterführungen bis 15. Dezember weihnachtstauglich zu machen, vor allem der Blaha Lujza tér, die Unterführungen am Hotel Astoria, Ferenciek tere, Nagyvárad tér, Batthyány tér, Nyugati, Déli, Keleti, Kelenföldi Bahnhof, der Móricz Zsigmond körtér, Örs vezér and Flórián Platz sind für den Bürgermeister die „Hot Spots“ des Problems. Nach Schätzungen unabhängiger Gruppen, leben in Budapest aber rund 3.000 bis 6.000 Obdachlose, landesweit ca. 30.000. In Budapest sind sie oft in Wäldern, Parks am Stadtrand, auch auf Bauplätzen, in stilliegenden Industrienlagen und sonstigen Brachen, wo sie für die Öffentlichkeit kaum sichtbar vor sich hin vegetieren.
Einrichtungen wie der des Malteser Hilfsdientes und anderer NGO´s holen im Winter die meisten von ihnen wenigstens nachts von der Straße, eine zentrale städtische Hilfseinrichtung gibt es nicht. Die Gelder dieser Einrichtungen wurden von Jahr zu Jahr gekürzt, sogar in der Hochzeit der Krise. Über den Umgang mit Obdachlosen gibt es regelmäßig Streit in der Stadtversammlung zwischen jenen, die für eine umstandslose „Säuberung“ sind und jenen, die ein individuelles Vorgehen mit Mindeststandards einführen wollen. Auch das Problem mit der Übernachtung in Unterführungen ist kein neues, diese Zustände herrschen seit Jahren und blieben ungelöst.
Der verdrängte Skandal – Jan. 2010
Obdachlosigkeit in Ungarn: die Krise ist auf der Straße angekommen 84 Kältetote in Ungarn – Regierung verkündet Hilfsmaßnahmen – Jan. 2010 (Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 4/2010 (II))
Leben oder aufgeben – Nov. 2008 Der Alltag der Obdachlosen in Budapest http://www.pesterlloyd.net/budapest2009/obdachlose/obdachlose.html
Ein täglich Brot – Dez. 2008 Die Foodbank in Budapest http://www.pesterlloyd.net/budapest2009/foodbank/foodbank.html
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