(c) Pester Lloyd / 14 – 2009 WIRTSCHAFT 28.03.2009
Durchtauchen und absichern
Die CEE-Banken Österreichs igeln sich zwei bis drei Jahre ein Staatshilfen für ungarische Banken
Das Ostgeschäft läuft trotz Krise weiter, dennoch brechen vorerst sparsame Zeiten für CEE-Banken an. Allmählich klingen die Meldungen aus den Bankhäusern aber wieder verläßlicher und die Reaktionen werden unaufgeregter. Die Gewinne österreichischer Banken haben sich 2008 mehr als halbiert und betrugen nur noch 2,17 Mrd. Euro, nach vorher 4,8 Mrd. EUR. Grund dafür sind zahlreiche Wertberichtigungen bei Investitionen und Immobilienprojekten, Abschreibungen fauler Papiere und Kredite sowie die Erhöhung der Risikorücklagen gegen Kreditausfälle vor allem in Osteuropa.
Als wollte man sie abweisen: die Spiegelfassade der Raiffeisen Bank in Albanien
reflektiert die Wirklichkeit. Nun dringt sie langsam auch ein. Dennoch stehen die österreichische Banken mit dem Ergebnis relativ gut da, immerhin haben sie die notwendigen Korrekturen überwiegend aus eigenen Mitteln schultern können. Geholfen hat dabei vor allem auch der höhere Hang zur Spareinlage, der in Zeiten abwärtsrauschender Börsen und gestützt von staatlichen Einlagengarantien, Konjunktur hat. Problem gebe es noch bei einer ausreichenden Liquiditätsausstattung, die Kredite wieder im gewohnten Maße fließen lasse. „Das Bankenpaket hilft ihnen, die bevorstehenden Quartale durchzutauchen“, meint dazu der Direktor bei der österrechischen Nationalbank, Ittner.
Das Rettungspaket wurde in Österreich zuerst sehr zögerlich angenommen, nun nehmen alle namhaften Geldhäuser Kredite darüber auf, allerdings in einem eher bescheidenen Ausmas von 1-4 Milliarden EUR pro Institut. Trotz der risikoreicheren Lage in Osteuropa stützen „die Erträge aus Osteuropa die Gesamtertragslage der Banken nach wie vor“ Österreichische Banken haben nach Angaben von Direktor Ittner Auslandsaktiva in Höhe von rund 360 Mrd. Euro aufzuweisen, davon belaufen sich fast 200 Mrd auf Osteuropa, von denen wiederum 75% in östlichen EU-Ländern „stecken“.
Aus Kunden Sparer machen
Für rund drei Jahre wird sich die Raiffeisen International (RI) in Osteuropa mehr oder weniger einigeln. Denn so lange schätzt Bankchef Herbert Stepic, dass die Krise anhalten wird. Zwar konnte das österreichische Geldhaus für 2008 einen beachtlichen Gewinn von 982 Mio. EUR ausweisen, wird aber vorerst keine neuen Filialen in Osteuropa eröffnen, und, wie schon gemeldet, in der Ukraine, Ungarn und der Slowakei Personal abbauen. Die RI ist neben der Erste Bank am stärksten mit Krediten in Osteuropa engagiert und es fällt den sonst so eloquenten Analysten dieser Banken zunehmend schwerer ein Ausfallrisiko irgendwie zu beziffern. Bei Stepic fiel die Antwort auf die Höhe der Ostrisiken denn auch entsprechend vage optimistisch aus: „Wir sind bestrebt, einen Gewinn zu machen.“ Nur an den Horrorszenarien, die von Ausfällen von bis zu einem Viertel ausgehen, kann er, naturgemäß, nichts realistisches finden.
Seine Bank ist auf 17 Märkten der Region vertreten, 14,7 Millionen Kunden werden in 3231 Filialen betreut. Rund 2.200 Mitarbeiter sollen gehen müssen, die meisten davon in der Ukraine, 315 in Ungarn und 50 in der Slowakei. Den Töchtern in der Ukraine und Ungarn wird frisches Kapital nachgeschoben, in die Ukraine 160 Mio. USD, nach Ungarn 60 Mio. EUR. Um die Refinanzierung zu entlasten, will man die Kunden vermehrt zu Sparern machen. Das hilft zwar der Bank, weniger aber der Binnennachfrage. Für Erste, Volksbanken und Bank Austria gilt sinngemäß das Gleiche, auch wenn Aufstellung und Unternehmensumfeld gering variieren.
Kredithilfen für ungarische Banken
Zwei ungarische Banken, die OTP und die FHB werden Staatskredite in Anspruch nehmen. Die OTP, Ungarns größte einheimische Bank (ehemals die Sparkasse), wird 400 Mrd HUF (1,33 Mrd. EUR), die FHB (mehrheitlich in Händen der Allianz) 120 Mrd. HUF (400 Mio EUR) aus dem 20 Mrd. EUR-Paket des IWF in Anspruch nehmen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Staatsbeteiligung, die OTP wird das Geld sogar als Kredit zu normalen Marktbedingungen aufnehmen (sprich Leitzinssatz plus 250 Basispunkte). Dies bestätigte der Finanzchef der Bank, László Urbán. Im Gegenzug verpflichtet sich das Institut, das Geld in Ungarn zu veranlagen und mindestens die Hälfte davon als Geschäftskredite in Umlauf zu bringen. Dafür erhält der Staat einen Beobachterposten im Vorstand sowie im Kontrollausschuss, um die Verwendung der Gelder kontrollieren zu können. Die OTP will vor allem kleine und mittelständische Unternehmen bedenken, die in der Finanzkrise aufgrund geringerer Sicherheiten und kleinerem Eigenkapital schwerer und oft nur zu ungünstigen Bedingungen an Kredite kommen.
Auch die FHB machte entsprechende Kreditzusagen und will sich ebenfalls um KMU, aber auch um Haushalte bemühen. Fachkommentare begrüßten den Schritt der beiden Häuser, wiewohl sie als gesunde Banken gelten können, erhöht die Aufnahme sowohl den Kreditfluss in die Wirtschaft als auch das Vertrauen in das ungarische Finanzsystem, durch die erhöhte Aufsicht.
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