Die ungarische Wirtschaft steht vor Herausforderungen: Die Regierung hat EU-Finanzmittel gesichert, während der Forint abermals fällt und die BIP-Prognosen gesenkt wurden.
Budapest. Ungarn hat nach Angaben der Regierung die zugesagten Voraussetzungen für den Zugang zu bestimmten EU-Wiederaufbau- und Kohäsionsmitteln erfüllt. Ministerpräsident Magyar Péter gab bekannt, dass die Regierung alle Bedingungen zur Freigabe von etwa 5500 bis 6000 Milliarden Forint an Wiederaufbau- und Kohäsionsmitteln erfüllt hat. Dies folgt auf die Erfüllung der seit der Brüsseler Vereinbarung im Mai zugesagten Maßnahmen innerhalb von rund drei Monaten, darunter Änderungen an mehr als hundert Rechtsvorschriften. Vitézy Dávid, Minister für Verkehr und Investitionen, bestätigte, dass Ungarn 100% der EU-Wiederaufbauhilfen zurückholen kann.
Zusätzlich hat die Magyar Fejlesztési Bank (MFB) alle erforderlichen Bedingungen erfüllt, um den ihr zugewiesenen Anteil an den EU-Mitteln aus dem Wiederaufbau- und Resilienzfonds, darunter eine knapp 2 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung, nutzbar zu machen. Diese finanziellen Mittel fließen in Programme zur Modernisierung des Stromnetzes und zum Ausbau erneuerbarer Energien sowie in Finanzinstrumente für Unternehmensförderung. Laut Minister Kapitány István fließen 540 Milliarden Forint aus EU-Quellen direkt in die Modernisierung des Stromnetzes und den Ausbau erneuerbarer Energien, während 650 Milliarden Forint über die MFB zur Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen bereitgestellt werden.
Fitch Ratings hat die Schätzung des ungarischen Haushaltsdefizits auf 7,5 Prozent des BIP angehoben, was eine Erhöhung gegenüber dem ursprünglich angestrebten Ziel von 3,7 Prozent darstellt. Diese Anpassung reflektiert schwächere Wirtschaftswachstumsprognosen und die finanziellen Herausforderungen, mit denen die Regierung konfrontiert ist.
Datentabelle
| Wert | Veränderung zur Vorwoche |
|---|---|
| BUX | −0,4 % |
| WIG 20 | +1,4 % |
| ATX | +1,1 % |
| DAX | −2,0 % |
| Euro Stoxx 50 | −1,4 % |
| S&P 500 | +0,1 % |
| Shanghai Composite | −0,6 % |
Forint unter Druck – Abermals im Tief und Inflationsziel
Die ungarische Währung, der Forint, steht weiterhin unter Druck und erreichte am Dienstagabend mit einem Kurs von 367,6 Forint pro Euro den tiefsten Stand seit den Aprilwahlen. Gegenüber dem US-Dollar liegt der Kurs bei 317,3 Forint. Diese Entwicklung spiegelt die anhaltende Schwäche der ungarischen Währung wider.
Ökonomen, darunter ING und andere Analysten, erwarten für 2026 nur ein Wachstum von 1,7%, was unter den Erwartungen der Regierung liegt, die ein Wachstum von 2% prognostiziert hatte. Besonders die Landwirtschaft und der Dienstleistungssektor haben enttäuscht, während die Investitionen im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 6,3% zurückgingen. Die ungarische Regierung strebt an, die Kriterien für die Euro-Einführung bis 2030 zu erfüllen und hat im geänderten Budget für 2026 ein Defizitziel von 7,5% des BIP festgelegt – deutlich über dem ursprünglich angepeilten Ziel von 3,7%.
Darüber hinaus plant die ungarische Zentralbank (MNB), das derzeitige Inflationsziel von 3 Prozent perspektivisch auf 2,5 Prozent zu senken. Diese Entscheidung könnte die Beendigung der bisherigen Zinssenkungen zur Folge haben, um die Stabilität des Forint zu gewährleisten.
BIP-Wachstum und Beschäftigung
Im Juli 2026 erreichte die Zahl der Beschäftigten in Ungarn 4,675 Millionen, während die Arbeitslosenquote im Zeitraum May bis Juli bei durchschnittlich 4,5% lag. Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Rückgang von 29.000 Beschäftigten. Diese stagnierende Beschäftigungslage unterstreicht die Herausforderungen, mit denen die ungarische Wirtschaft konfrontiert ist, insbesondere in einem Umfeld, in dem das BIP-Wachstum auf nur 1,7% gesenkt wurde.
Der ungarische Einzelhandelsumsatz stieg im Juli 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 4,9%. Die Umsätze in der Lebensmittel- und Non-Food-Branche wuchsen um 2,2% bzw. 6,5%. Der Gesamtumsatz betrug 1,815 Billionen Forint.
Die anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen, insbesondere die stagnierende Beschäftigung und die schwachen Wachstumsprognosen, könnten jedoch langfristig das Vertrauen der Verbraucher und Investoren beeinträchtigen.
Energiepreise und ihre Auswirkungen
Die steigenden Energiepreise belasten die ungarische Wirtschaft zusätzlich. Laut einer Analyse der Bank of America könnte ein Anstieg der Großhandelspreise für Gas die Ausgaben des ungarischen Staatshaushalts erheblich erhöhen. Ein Anstieg des TTF-Gaspreises um 10 Euro pro Megawattstunde könnte die Staatsausgaben um 0,2 bis 0,3 Prozent des BIP erhöhen.
Zusätzlich plant die Fluggesellschaft Wizz Air aufgrund der anhaltend hohen Öl- und Kerosinpreise zunächst eine Reduzierung der Kapazitäten und anschließend eine Erhöhung der Ticketpreise. Der Preis für Flugzeugtreibstoff liegt derzeit bei etwa 140 Dollar pro Barrel.
Insgesamt zeigen die steigenden Energiepreise und deren Auswirkungen auf verschiedene Sektoren, dass die ungarische Wirtschaft vor erheblichen Herausforderungen steht.
Datentabelle
| Datum | Brent-Öl (USD/Barrel) |
|---|---|
| 6.8.2026 | 82,49 |
| 11.8.2026 | 88,91 |
| 14.8.2026 | 88,52 |
| 19.8.2026 | 91,62 |
| 24.8.2026 | 92,17 |
| 27.8.2026 | 89,70 |
| 1.9.2026 | 94,65 |
| 4.9.2026 | 96,28 |
Marktentwicklungen und Unternehmensstrategien
Unternehmen in Ungarn reagieren auf die wirtschaftlichen Herausforderungen mit strategischen Anpassungen und staatlicher Unterstützung. Die ungarische Regierung hat beschlossen, die Insolvenzverfahren der Bayer Construct Zrt. und der ZVK Development Zrt. als strategisch wichtig einzustufen. Dies geschieht, um die Schulden der betroffenen Unternehmen zu regeln und eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen. Diese Entscheidung tritt am 4. September 2026 in Kraft.
Darüber hinaus kündigte Kapitány István, der Minister für Wirtschaft und Energie, an, dass im Rahmen des Ganz Ábrahám-Wirtschaftsentwicklungsprogramms 800 ungarische Unternehmen jeweils 10 Millionen Forint an Entwicklungshilfe erhalten werden. Diese Unterstützung umfasst 4 Milliarden Forint an zinsgünstigen Krediten und 4 Milliarden Forint an nicht rückzahlbaren Zuschüssen.
Zusätzlich gab Gesundheitsminister Hegedűs Zsolt bekannt, dass die Regierung 500 Milliarden Forint für Gehaltsanpassungen im Gesundheitswesen bereitstellen wird. Diese Maßnahmen sollen die Lebenslaufentwicklung der im Gesundheitswesen tätigen Fachkräfte anerkennen und eine neue Gehaltstabelle schaffen.
Börse und Märkte
Der BUX-Index schloss bei 147.748 Punkten und verzeichnete einen Rückgang von 0,4 % in der Woche vom 30. August bis 6. September 2026. Von 15 Einzelwerten schlossen 3 im Plus und 10 im Minus, was auf eine insgesamt negative Marktentwicklung hindeutet. Der WIG 20-Index stieg um 1,4 % auf 4.090,3 Punkte, während der ATX um 1,1 % auf 6.858,3 Punkte zulegte. Im Gegensatz dazu fiel der DAX um 2,0 % auf 26.046 Punkte, und der Euro Stoxx 50 verlor 1,4 % auf 6.392,9 Punkte.
Unter den Einzelwerten auf der Budapester Börse verzeichnete Magyar Telekom den größten Anstieg mit einem Plus von 4,8 % und schloss bei 2.624,0 HUF. Im Gegensatz dazu fiel die OTP Bank um 2,3 % auf 44.940 HUF, und MOL verlor 1,9 % und schloss bei 4.952,0 HUF. Richter Gedeon erlebte einen Rückgang von 4,1 % und schloss bei 12.820 HUF, während 4iG und Opus Global bei 1.640,0 HUF bzw. 311,0 HUF schlossen, mit einem Minus von 0,5 % und 3,0 %.
Die Rohstoffpreise zeigen eine deutliche Volatilität: Brent-Öl stieg um 7,8 % auf 96,28 USD/Barrel, während die Preise für Erdgas TTF um 7,4 % auf 71,95 EUR/MWh anstiegen. Diese Entwicklungen könnten die Kosten für Unternehmen in der Region weiter belasten und sich auf die wirtschaftliche Gesamtlage auswirken. Die Devisenkurse zeigten gemischte Bewegungen: Der Forint notierte zum Wochenschluss bei 363,3 pro Euro, was einer Aufwertung um 0,4 % gegenüber der Vorwoche entspricht.
Diese Kursstände spiegeln die Entwicklungen bis zum Wochenschluss wider und verdeutlichen die Unsicherheiten auf den Märkten.
Indizes
| Wert | Punkte | Woche |
|---|---|---|
| BUX Budapest | 147.748 | ▼ −0,4 % |
| WIG 20 Warschau | 4.090,3 | ▲ +1,4 % |
| ATX Wien | 6.858,3 | ▲ +1,1 % |
| DAX Frankfurt | 26.046 | ▼ −2,0 % |
| Euro Stoxx 50 Euroraum | 6.392,9 | ▼ −1,4 % |
| S&P 500 New York | 7.718,6 | ▲ +0,1 % |
| Shanghai Composite Schanghai | 3.930,1 | ▼ −0,6 % |
Budapester Wertpapierbörse
| Wert | Kurs | Woche |
|---|---|---|
| OTP Bank HUF | 44.940 | ▼ −2,3 % |
| MOL HUF | 4.952,0 | ▼ −1,9 % |
| Richter Gedeon HUF | 12.820 | ▼ −4,1 % |
| Magyar Telekom HUF | 2.624,0 | ▲ +4,8 % |
| 4iG HUF | 1.640,0 | ▲ +0,5 % |
| Opus Global HUF | 311,0 | ▼ −3,0 % |
| Waberer’s HUF | 4.480,0 | ▼ −0,7 % |
| AutoWallis HUF | 133,0 | ▼ −1,5 % |
| Alteo HUF | 4.000,0 | ▼ −5,9 % |
| Masterplast HUF | 2.930,0 | – +0,0 % |
| ANY Biztonsági Nyomda HUF | 6.540,0 | ▼ −1,2 % |
| Zwack Unicum HUF | 40.400 | ▲ +1,8 % |
| Rába HUF | 3.420,0 | ▼ −4,1 % |
| Duna House HUF | 1.380,0 | – +0,0 % |
| Graphisoft Park EUR | 15,30 | ▼ −0,3 % |
Rohstoffe und Energie
| Wert | Kurs | Woche |
|---|---|---|
| Brent-Öl USD/Barrel | 96,28 | ▲ +7,8 % |
| Erdgas TTF EUR/MWh | 71,95 | ▲ +7,4 % |
| Gold USD/Unze | 4.476,6 | – −0,0 % |
Devisen (EZB-Referenzkurse)
| Wert | je 1 Euro | Woche |
|---|---|---|
| EUR/HUF Forint | 363,3 | ▼ −0,4 % |
| EUR/PLN Złoty | 4,315 | ▼ −0,5 % |
| EUR/CZK Krone (CZ) | 24,189 | ▲ +0,2 % |
| EUR/RON Leu | 5,253 | ▼ −0,1 % |
| EUR/USD US-Dollar | 1,1622 | ▼ −0,2 % |
| EUR/CHF Franken | 0,9405 | ▲ +0,4 % |
Schlussstände, Veränderung zur Vorwoche. Bei den Devisen bedeutet ein Plus einen festeren Euro und damit eine schwächere Landeswährung. Quellen: Yahoo Finance, EZB-Referenzkurse (frankfurter.dev). Stand: 6. September 2026, 17:40 Uhr. Alle Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.
Kurz notiert
Ungarn
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EU-Ebene
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