(c) Pester Lloyd / 01 – 2009 POLITIK – 29.12.2008
WIRTSCHAFT 08 .01.2009
Gaskrise Russland – Ukraine
Alarmstufe 2 – Energienotstand in Ungarn
Ministerpräsident: Versorgung für 2-3Wochen ohne größere Probleme möglich – MOL-Chef: Gasversorgung für Privathaushalte nur „einige Wochen“ sicher. – Erste Betriebe stillgelegt – Anfang kommender Wochen schliessen viele Schulen -. Versorger informiert Parlament über Kapazitäten und Bezugswege – Humanitäre Hilfe an Serbien
Ungarn kann Industrie und Privathaushalte für weitere zwei Wochen ohne größere Probleme aus den Reserven versorgen. Dass sagte Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány am Donnerstagnachmittag, nach einer Konsultation mit den Vertretern der Gasindustrie und den zuständigen Fachministern. Sollte die Versorgungskrise länger als insgesamt 3- Wochen anhalten, kann das Probleme für die Großverbraucher in der Wirtschaft bringen. Er hoffe, dass der Verbrauch der Industrie nicht noch einmal (wie in den vergangenen Tagen) gedrosselt werden müsse.
Ungarn könne nicht beurteilen, wer in der Debatte Moskau-Kiew Recht habe, doch sollte die erhoffte Einigung durch die EU und ihre Mitgliedsländer kontrolliert werden können. Ungarn wolle Brüssel auch vorschlagen, der Ukraine finanzielle Hilfe anzubieten, sollten solche Probleme im Hintergrund der Entwicklungen stehen.
Nachdem der ungarische Verbrauch am Mittwoch unter den Erwartungen blieb, lasse man 1-2 Mio. cbm Gas aus humanitären Gründen Serbien zukommen, ließ der Regierungschef auch wissen.
Zwar ist Ungarn im Vergleich zu Ländern des Balkans, wie Bulgarien oder Bosnien, wo Menschen bereits frieren müssen, noch in einer komfortablen Lage, doch nimmt die Sorge über eine Gasknappheit auch hierzulande spürbar zu.
Ungarns Energieminister Csaba Molnár erklärte heute morgen 9.30 Uhr Notfallstufe 2 hinsichtlich der Energiesicherheit des Landes. Damit mussten große Werke wie der Autohersteller Suzuki in Esztergom, der Baustoffproduzent Tondach und das Reifenwerk Hankook die Produktion einstellen bzw. drosseln. Die Zufuhr z.B. zu Einkaufszentren wurde limitiert, alle die können, haben ihre Heizanlagen auf alternative Brennstoffe umzustellen und die strategischen Reserven werden angezapft.
Sollte der gegenwärtige Zustand, dass so gut wie kein Gas mehr aus der Ukraine nach Ungarn kommt, anhalten, könne Ungarn den Privathaushalten die volle Belieferung mit Gas „nur einige Wochen“ garantieren, sagte MOL-Chef Zsolt Hernádi am Mittwoch vor dem Parlament. Die MOL ist neben E.ON Hauptgasversorger des Landes. Zuvor war von mehr als zwei Monaten Liefersicherheit die Rede. Die Regierung hat inzwischen den Gasverteilern den Zugang zu den strategischen Reserven von ca. 500 Mio cbm unter Auflagen gewährt. Doch aus technischen Gründen lassen sich daraus derzeit nur rund 3,6 – 4 Mio cbm zusätzlich in den Kreislauf bringen, mit zunehmender Entnahme, nimmt dort zudem nach 2-3 Wochen der Druck ab und die Entnahmemenge geht zurück, teilte der MOL-Chef mit.
Der Chef des Gasoperators FGSZ beziffert den täglichen Bedarf des Landes derzeit mit rund 68 Mio cbm, der durch die Restriktionen bereits auf 64 Mio gedrosselt wurde. Neben den Beständen aus den Reservelagern der E.ON und der MOL (ca. 51 Mio / Tag) sowie den 3,6 Mio aus der strategischen Reserve, gelangen täglich ca. 1,5 Mio cbm aus Österreich (statt der üblichen 3 Mio) sowie ca. 9 Mio cbm aus eigener Förderung zu den Kunden.
Sollten die Gaslieferungen aus der Ukraine nicht wieder aufgenommen werden und das kalte Wetter so anhalten, müsste in vier bis fünf Wochen mit Rationierungen für Privatkunden gerechnet werden, errechnen Experten. Mit jedem Grad weniger, steigt jedoch der Tagesbedarf in Ungarn nochmals um 2 Mio cbm. Und die Temperaturen sinken.
Fast alle Oberschulen werden in Ungarn von Montag bis Mittwoch geschlossen bleiben. Dies beschlossen die oppositionsgeführten Komitatsverwaltungen des Landes. Man wolle mit der Massnahme weiteren Rationierungen durch die Gaskrise entgegen wirken, sagte der Sprecher der Versammlung, Ferenc Odor. Die Regierung kritisierte die Massnahme als unnötig und rechtswidrig.
Gaslieferungen gestoppt
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