Stadt prüft Zukunft des umstrittenen Denkmals auf dem Szabadság tér – Debatte über instrumentalisierte Erinnerungspolitik gewinnt neue Dynamik
Budapest. Bürgermeister Gergely Karácsony hat eine öffentliche Konsultation über die Zukunft des Denkmals zur deutschen Besatzung auf dem Szabadság tér angekündigt. Die Hauptstadt wolle gemeinsam mit der Regierung über das weitere Schicksal des 2014 errichteten Monuments entscheiden, das seit seiner Aufstellung wegen seiner Geschichtsdeutung scharf kritisiert wird.
Karácsony bezeichnete das Denkmal als „unendlich geschmacklos“ und „unendlich irreführend“. Es vermittle den Eindruck, Ungarn sei ausschließlich Opfer der deutschen Besatzung gewesen, obwohl antisemitische Gesetze und staatliche Verfolgung jüdischer Bürger bereits vor 1944 begonnen hätten. Die Behauptung, der Holocaust sei allein ein deutsches Verbrechen gewesen, müsse aus dem nationalen Gedächtnis verschwinden, erklärte der Bürgermeister.
Zugleich erinnerte Karácsony daran, dass das Denkmal den Anstoß für das „Living Memorial“ gab – das bis heute bestehende zivilgesellschaftliche Gegendenkmal, an dem Angehörige und Aktivisten persönliche Erinnerungsstücke niederlegen und der staatlichen Geschichtserzählung individuelle Biografien entgegensetzen. Der Pester Lloyd hat die Hintergründe dieses Projekts und seine Bedeutung für Ungarns Erinnerungskultur kürzlich in einem ausführlichen Interview mit dem Aktivisten Gábor Sebő beleuchtet.
Quellen: MTI, Pester Lloyd
Photo: Anna Katharina Breitling – Pester Lloyd











