(c) Pester Lloyd / 49 – 2009 WIRTSCHAFT 30.11.2009


Knorr-Bremse feierte Dreifachjubiläum in Ungarn
Die Aktivitäten des Weltmarktführers für Bremssysteme für Schienen- und Nutzfahrzeuge in Ungarn begannen bereits 1969 mit dem Abschluss eines Lizenzvertrags zur Produktion von Nutzfahrzeugbremsen, 1989 kam es zur Gründung eines deutsch-ungarischen Gemeinschaftsunternehmens in Kecskemét, 1999 dann startete das Forschungs- und Entwicklungszentrums des Weltkonzerns aus München in Budapest. Jetzt, 2009, arbeitet man an einem neuen Werk in der ungarischen Hauptstadt.
Raimund Klinkner, Vorstandschef, erläuterte die 43 Millionen Euro Investition bei einem Festakt am Firmensitz in Kecskemét. 800 Mitarbeiter wird die neue Fabrik für Zugbremsen und -zubehör, die Mitte 2010 fertig gestellt wird, beschäftigen. Eine Nachricht, die vor allem die ungarischen Gäste der Feier zu 40 Jahre Knorr-Bremse in Ungarn, Ministerpräsident Gordon Bajnai und Wirtschaftsminister István Varga, gefreut haben wird. Fertigung von Bremsscheiben für den Schienenverkehr, hier im Werk Berlin-Marzhan, dem welteit modernsten seiner Art
Knorr-Bremse war einer der Pioniere unter den industriellen Investoren in Ungarn. Schon 1969 hatte das Unternehmen einen Lizenzvertrag mit dem ungarischen Außenhandelsunternehmen MOGÜRT und den SZIM Vereinigten Werkzeugmaschinenfabriken zur Produktion von Nutzfahrzeugbremsen abgeschlossen. Maßgeblich beteiligt an dieser Vereinbarung war bereits damals Heinz Hermann Thiele, damals noch Leiter der Rechtsabteilung von Knorr-Bremse, der heute als Aufsichtsratsvorsitzender wiederkehrt.
Das Stammhaus in Berlin, in den 20er Jahren
Einer der wichtigsten Kunden war Ikarus, der größte Omnibushersteller des früheren Ostblocks. Nachdem Ungarn als erster sozialistischer Staat die gesetzlichen Voraussetzungen für Joint Ventures mit westlicher Beteiligung geschaffen hatte, gründete Knorr-Bremse am 24. November 1989 ein Gemeinschaftsunternehmen für Nutzfahrzeugbremsen. Daraus entwickelte sich bis heute eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Konzerns mit zwei Standorten: In Kecskemét, südöstlich von Budapest, produziert Knorr-Bremse mit rund 650 Mitarbeitern unter anderem pneumatische und elektronische Bremssteuerungen und Luftaufbereitungssysteme größtenteils für die europäische Nutzfahrzeugindustrie. Der Standort Kecskemét ist darüber hinaus zuständig für den Vertrieb in die Region Mittelosteuropa. Ergänzend dazu gründete Knorr-Bremse 1999 in Budapest ein Forschungs- und Entwicklungszentrum, eines von insgesamt dreien im Nutzfahrzeugbereich von Knorr-Bremse. 120 Mitarbeiter entwickeln heute in Budapest Soft- und Hardware für Bremssysteme.
Die Wurzeln des Schienenfahrzeugbereichs reichen in Ungarn sogar noch weiter zurück als die des Nutzfahrzeugbereichs, bis ins Jahr 1923. Damals wurde ein Lizenzvertrag über die Ausrüstung von Schienenfahrzeugbremsen zwischen Knorr-Bremse, damals noch in Berlin, und der vormaligen Budapester Telefonfabrik geschlossen. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg wurde diese Zusammenarbeit unterbrochen und erst 1959 in Form eines erneuten Lizenzvertrages für Schienfahrzeugbremsen zwischen Knorr-Bremse München – das Werk in Berlin war zerstört und der Firmensitz nach München verlegt worden – und der ungarischen Schienenfahrzeugindustrie wieder aufgenommen. Bereits im Sommer erhielt der Geschäftsführer der ungarischen Nutzfahrzeugtochter von Knorr-Bremse, István Lepsényi, das Große Verdienstkreuz der Republik Ungarn. Diese hohe staatliche Auszeichnung wurde ihm von Staatspräsident László Sólyom überreicht. Die Ordensverleihung erfolgte als Zeichen der Anerkennung für Lepsényis „jahrzehntelangen Beitrag zur Entwicklung der Automobilindustrie und der Formierung einer Wissensgesellschaft“ in Ungarn, hieß es in der Begründung.
Im Jahr 2008 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 3,38 Milliarden Euro und beschäftigte rund 15.000 Mitarbeiter.
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