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Koller – die älteste Privatgalerie in Ungarn

(c) Pester Lloyd / 12 – 2010 KULTUR 22.03.2010

Koller - die älteste Privatgalerie in Ungarn
Koller - die älteste Privatgalerie in Ungarn
Koller - die älteste Privatgalerie in Ungarn

Unweit der von Touristen belagerten Fischerbastei auf dem Burgberg, bildet die älteste Privatgalerie Ungarns einen echten Ruhepol. Die Galerie Koller, in der Mihály Táncsics utca 5, ist dabei nicht nur ein Ort für Kunstkenner, sondern mit seinem Skulpturengarten und vielen Geschichten auch ein Platz für Flaneure und Zufallsbekanntschaften.

„Welches Bild meines Mannes gefällt dir am besten?“, fragt die charmant lächelnde Witwe des verstorbenen Malers Pál Gerzson einen jungen Mann, der interessiert, aber auch etwas skeptisch die bunten, figurativ-kubistischen Werke im stilvollen Ambiente der Koller Galerie betrachtet. Der junge Mann kann sich nicht gleich entscheiden, schaut etwas hilflos zu Iris Köster, der Schwester des Galeriechefs Daniel Köster hinüber und meint schließlich: „Ganz klar das am Eingang!“. Werfen wir einen flüchtigen Blick auf die Einladungsbroschüre zur derzeitigen Ausstellung, stellen wir fest, dass er das Motiv gut gewählt hat. Bunte Kreise, Ecken und Kanten suggerieren die Umrisse einer Frau, die auf einer Bank sitzt. Da hat er sich nochmal gut aus der Affäre gezogen, was die funkelnden Augen der alten Dame bestätigen. „Ja, es ist sehr schön, aber mir gefallen alle Werke meines Mannes“, meint sie.

Wenn man nicht gerade zu solcherlei fachmännischen Urteilen herangezogen wird, kann man die wohnliche Atmosphäre der dreistöckigen Galerie in sich aufsaugen. Kein Wunder, denn hier hat sich früher schon der ungarisch-italienische Künstler Amerigo Tot wohlgefühlt, dem sich durch das Fenster im oberen Stockwerk seines Atelierhauses der wohl beste Ausblick Budapests bot. So neigen Besucher schnell dazu, sich das Fenster öffnen zu lassen, um ein Foto zu ergattern. Da werden die ausgestellten Bilder schonmal zur Nebensache und man möchte es sich auf der Couch neben dem Kamin gemütlich machen. Das wäre auch eine gute Gelegenheit, um sich von Iris etwas über ihren Großvater György Koller erzählen zu lassen, der während des Sozialismus geschickt vorging, um die Privatsammlung aufrecht zu erhalten und sogar auszubauen.

Er gründete im Jahr 1950 den Künstlerverein der Kupferstecher („RMAK“), der immer wieder beobachtet und zeitweise sogar verstaatlicht wurde. Schrittweise erarbeitete man sich die Sympathie der Regierung, so dass man unter strengen Auflagen weiter arbeiten durfte. Dadurch, dass die Künstler im Verein relativ frei tätig sein konnten, machte man sich im ungarischen Kunstleben schnell einen Namen. Beste Qualität und Authentizität der Kunstwerke wurde dabei großgeschrieben. Im Jahr 1980 öffneten sich schließlich die Pforten der ersten ungarischen Privatgalerie im Burgviertel. Über Graphiken hinaus bot diese Skulpturen, Plastiken und Malerei nicht nur zum Bestaunen, sondern auch zum Verkauf an.

Verschwimmen einem schon langsam die Farben vor den Augen, empfiehlt es sich, schnell den Skulpturengarten aufzusuchen. Hier stehen unter anderem Skulpturen von Imre Varga, der einmal über Koller gesagt haben soll: „Gyuris Zimmer ist Beichtstuhl und Herrenkasino zugleich”, was zeigt, dass der Gründervater nicht nur als Galerist, sondern auch als Lebenskünstler bekannt war. So manchen gemeinsamen Vormittag ihres Künstlerlebens konnten beide hier auf jeden Fall gut dazu nutzen, um Sonne zu tanken. Neben Sitzgelegenheiten steht Vargas Skulptur einer Frau mit Schirm etwas zurückhaltend in der Ecke, während ein Kater mit träger Pfote über die bewachsene Mauer, die den Garten in Richtung Donau begrenzt, stapft. In der Mitte plätschert ein kleiner Springbrunnen, dahinter halten zwei kopflose Kunstwerke ihre nachdenklichen Gesichter in den Händen.

Neben den Liebhabern klassicher Kunst, können sich nun zunehmend auch junge Künstler in dieser entspannten Umgebung austauschen, denn über regelmäßige Ausstellungen hinaus, organisiert die Galerie auch Künstlercamps. Wer die Herausforderung nicht scheut, kann bis zum 5. April noch herausfinden, welches Werk Pál Gerzsons ihn am meisten beeindruckt.

Matthias Wahsner

Galerie Koller Mihály Táncsics utca 5 1014, Budapest (BUDAER BURG) www.kollergaleria.hu Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr

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