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Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 10/2010 (II)

(c) Pester Lloyd / 10 – 2010 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.

Slowakei erwartet 2010 einen Investitionsschub von 2,4 Mrd.

09.03.2010 · Wirtschaft

Slowakei erwartet 2010 einen Investitionsschub von 2,4 Mrd. EUR

In diesem Jahr, so hofft es der slowakische Regierungschef Robert Fico, sollen sich mindestens 16 Firmen aus Belgien, Großbritannien und den USA neu in der Slowakei ansiedeln. Insgesamt rechnet er dadurch mit Investitionen von über 300 Mio. EUR. Vor allem die Regionen Nitra, Žilina und Košice sollten davon profitieren, 2.000 bis 4.000 direkte Arbeitsplätze könnten dort neu geschaffen werden.

Fico, der whalkampfgerecht glaubt, „ein gutes Klima“ für diese neuen Investitionen geschaffen zu haben, will die industrielle Monokultur der Slowakei aufbrechen. „Die Slowakei ist bisher zu eng auf wenige Bereiche orientiert“, sagte er vor dem Parlament und meinte damit die Auto- und Zulieferindustrie, die besonders stark zyklischen Schwankungen unterworfen ist. Tatsächlich könnte die Slowakei aber auch ein Gewinner des Auslagerungsdrucks mittelständischer westlicher Unternehmen werden, die durch die Krise weiter unter Kostendruck geraten sind.

Insgesamt sollten in den 87 von der Slowakischen Agentur für Handels- und Investitionsförderung (SARIO) geplanten Projekten 2,4 Milliarden Euro investiert werden, mit denen sogar 13.000 Jobs geschaffen werden könnten. Knapp die Hälfte der ausländischen Investitionen in der Slowakei wurde bisher von Unternehmen aus den Niederlanden, Österreich und Deutschland getätigt. Fico betonte jedoch, dass aus langfristiger Sicht auch Investitionen von Unternehmen aus Tschechien, Italien und Ungarn wichtig werden könnten.

Streit um Tokaj nimmt kein Ende

09.03.2010 · Wirtschaft

Streit um Tokaj zwischen Slowakei und Ungarn nimmt kein Ende

Der Streit über die Namensrechte an der Weinregion Tokaj findet kein Ende, obwohl die geographische Herkunftsbezeichung (D.O.C.) von der EU eigentlich den Ungarn zugeschlagen worden ist und die Slowaken für ihren Teil der historischen Weinregion mit der Bezeichnung „Tokajska“ abgespeist werden sollten. Wie sich herausstellte, waren die Slowaken aber schneller bei der markenrechtlichen Eintragung der „Weinregion von Tokaj“ bei der Europäischen Datenbank für Weine mit geschützten Herkunftsbezeichnungen. Der Chef der Winzervereinigung für das (ungarische) Tokaj, Ferenc Marcinkó, forderte jetzt eine umgehende Intervention der Regierung, um den Namen zu sichern. Auf den Gedanken, die historisch gewachsene und önologisch nicht zu trennende Region gemeinsam zu vermarkten und sich lieber um die Qualität des einstigen “Königs der Weine, Wein der Könige”, statt Nationalität zu kümmern (was übrigens auf beiden Seiten dringendst angesagt wäre), kommt in diesen aufgeheizten Zeiten, offenbar niemand.

Niederösterreicher errichten Biogasanlage in Ungarn

10.03.2010 · Wirtschaft

Die im niederösterreichsichen Klosterneuburg ansässige Firma Biogest Energie- und Wassertechnik wird in Ungarn eine landwirtschaftliche Biogasanlage errichten. Das Unternehmen kann dabei bereits auf Erfahrungen aus Österreich, Tschechien und der Slowakei zurückgreifen.

Die Biogasanlage weist eine Leistung von 1 MW auf und wird mit Gülle und Festmist sowie Energiepflanzen betrieben. Der mit der Biogasanlage erzeugte Strom wird in das Netz eingespeist und kann rd. 2.000 Haushalte mit Strom versorgen. Die Anlage wird in der Biogest PowerRing-Technologie ausgeführt, die Vorteile bei der Energieeffizienz, Betriebssicherheit und Verfügbarkeit aufweist. Der Auftraggeber zählt zu den größten Milchproduzenten des Landes. „Ungarn bietet aufgrund der landwirtschaftlichen Struktur enormes Potential für Biogasanlagen. Im Rahmen unserer Wachstumsstrategie setzen wir auf die Marktchancen in Zentral-, Ost- und Südosteuropa, wo wir aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen eine Position unter den Top-3 Biogas-Unternehmen halten bzw. erzielen wollen“, sagte Vorstandsmitglied Christian Riel.

Biogas kann 365 Tage pro Jahr zu jeder Tages- und Nachtzeit erzeugt werden, ein Vorteil gegenüber Wind- und Sonnenkraft. Damit spielt Biogas aufgrund der Verfügbarkeit eine wichtige Rolle im Mix der Erneuerbaren Energien. Neben dem Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele kann damit die Abhängigkeit von Energieimporten wesentlich reduziert werden. Durch die dezentrale Energieerzeugung wird außerdem eine nachhaltige lokale Wertschöpfung gewährleistet.

Biogest hat in Mittelost- und Südosteuropa sowie den GUS-Staaten bereits über 40 Biogasanlagen realisiert.

www.biogest-biogas.com

EU fordert Millionen von Ungarn zurück

10.03.2010 · Wirtschaft

Die Europäische Kommission wird von Ungarn 10 Milliarden Forint an Zuschüssen zurückfordern, die als Kofinanzierung für ein Autobahnprojekt gedacht waren. Wie die EU mitteilte, wurde die Berechnungsgrundlage für die Gewährung der Beihilfen verfälscht, weshalb die umgerechnet rund 37,5 Mio EUR zu Unrecht gezahlt worden sind.

Konkret geht es bei der Summe um eine EU-Beihilfe für das Autobahnprojekt M43 im Südosten des Landes, zwische Kiskunfélegyháza und der Provinzhauptstadt Szeged. Wie sich herausstellte, hat der Antragsteller, also die Nationale Entwicklungsagentur beim Wirtschaftsministerium auf die Kalkulation für die Gesamtkosten die Mehrwertsteuer draufgeschlagen und diesen Bruttobetrag dann als Berechnungsgrundlage für den EU-Zuschuss eingereicht, frei nach dem Motto: mehr Netto vom Brutto. Diese Kalkulationsbasis ist unrichtig, das Projekt somit ungültig, geflossene Gelder müssten zurückerstattet werden, sagt die EU. Ungarn beeinspruchte dies und sagte, die Ermittlungen darüber seien noch im Gange.

Der Fall könnte für Ungarn sehr teuer werden, da, wie eine Wirtschaftszeitung meldet, etliche Infrastrukturprojekte des Landes, bei denen EU-Hilfe geflossen ist, auf Grundlage der Bruttokosten, berechnet worden seien.

Ein Fünftel mehr Internetverbindungen in Ungarn 2009

10.03.2010 · Wirtschaft

Ein Fünftel mehr Internetverbindungen in Ungarn 2009

Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der Internetverbindungen in Ungarn um ein Fünftel erhöht. Ende Dezember 2009 gab es 2,78 Millionen Einzelverträge, 20,4% mehr als Ende 2008. Mittlerweile lauten ein Drittel der Verträge auf mobile Internetverbindungen, deren Marktanteil sich damit in 12 Monaten um 9 Prozentpunkte erhöht hat. 2008 stieg die Zahl der Internetverträge noch um 26,1%, der für mobile Zugänge dabei um 60%. Knapp über eine Millionen Nutzer in Ungarn gehen bereits mobil ins Internet.

Im Breitbandsegement stieg der Anteil der Kabelanschlüsse um knapp 9% auf 782.000, die xDSL-Anschlüsse sanken um ein knappes Prozent auf rund 800.000. Der Gesamtumsatz aller Internetanbieter des Landes stagnierte 2009 nahezu bei 142 Milliarden Forint (ca. 531 Mio EUR), während er 2008 noch mehr als ein Viertel zulegen konnte, was zeigt, dass es den Unternehmen im Krisenjahr nur über Preisnachlässe gelang, neue Kunden zu gewinnen. Das Statistische Amt in Budapest (KSH) ermittelte 357 Internet Service Provider, die in Ungarn tätig sind, achtzehn von ihnen teilen sich jedoch 90% des Gesamtmarktes.

Ausgrenzung als Bildungsstrategie: in der Slowakei sollen gesonderte Internate für Roma den Bildungsnotstand der Minderheit bekämpfen

10.03.2010 · Gesellschaft

Standardmodell Sonderschule

Ausgrenzung als Bildungsstrategie: in der Slowakei sollen gesonderte Internate für Roma den Bildungsnotstand der Minderheit bekämpfen

Was auf ihn zukommen könnte, weiß der zu deftigen Worten neigende Regierungschef Robert Fico ziemlich genau. Wenn die Slowakei ihr Projekt von gesonderten Romainternaten in die Tat umsetzt, „dann werden sich alle die aus dem Menschrechtsbereich über uns hermachen…“. – Doch das gleichermaßen absurde wie einleuchtende Projekt, entsprungen der wahlkampfgesteuerten Hilflosigkeit eines gutmeinenden Populisten, enthält eine traurige Wahrheit, die gefährlichen Charme entwickeln wird.

Die Idee ist so einleuchtend wie absurd. Für die Einführung von Internatsschulen für Roma spricht, dass die Kinder hier von speziell augebildetem Personal, womöglich nach speziellen Lehrplänen, unbelästigt von sozialen Spannungen mit Mitschülern und auch entnommen den armseligen Verhältnissen zu Hause, lernen – sowie, durch das Internatsleben, allerlei weitere soziale Kompetenzen erwerben könnten. Pilotprojekte sollen bald starten, die Teilnahme ist – vorerst – freiwillig.

Kindliche Romakunst. Von diesen Motiven dürfen sich die neuen

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