(c) Pester Lloyd / 11 – 2011 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.
Budapest bekommt einen Elvis Presley Platz
18.03.2011 · Budapest
Eine traurige, allerdings passenderweise laute Straßenkreuzung im IX. Bezirk von Budapest, Ferenc Körút – Ecke Ülloi út, wird in Zukunft den Namen Elvis Presley tér (Platz) tragen. Dies geht aus einer Online-Umfrage hervor, die der Oberbürgermeister und Elvis-Fan István Tarlós veranstaltete, nicht, ohne der Sache auch einen politischen Rahmen zu geben. Tarlós ist davon überzeugt, dass Elvis ein großer Freund Ungarns war und während der Zeit des Volksaufstandes 1956 Solidarität mit den Revolutionären gezeigt habe. Tarlós führte dafür eine alte Radioaufzeichnung an, in der „The King“ dazu aufrief, Ungarn mit Solidaritätspäckchen zu bedenken.
Auch die posthume Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt ist angedacht, anderen wie z.B. Stalin wurde sie gerade aberkannt. Auch andere Straßen und Plätze könnten bald umbenannt werden, so soll nach dem Wunsch einiger KDNP-Politiker unbedingt Ronald Reagan einen Ehrenplatz bekommen, ohne den man niemals den Kommunismus besiegt hätte. Einen undemokratischen Beigeschmack hat die Sache mit Elvis allerdings: die Online-Voter favorisierten eigentlich einen anderen Platz (Margit híd, budai hídfö) die Budaer Seite der Margaretenbrücke, dieser sei aber mit den lokalen Behörden nicht durchsetzbar gewesen, hieß es aus dem Bürgermeisteramt. Wozu hat man dann abgestimmt? Mehr zu den neuesten Trends auf dem Pathos-Markt:
Ungarn: ein Land wird umgeschmückt
Budapester Flughafen nach Franz Liszt benannt
18.03.2011 · Budapest
Nun ist es also beschlossene Sache, der Flughafen Ferihegy (Ferihegyi Repülötér) heißt ab sofort Franz-Liszt-Flughafen oder in offziellem Englisch „Budapest Ferenc Liszt International Airport“, weil der Franz in Ungarn eben Ferenc heißt. So beschlossen es heute die Abgeordneten des ungarischen Parlamentes und bürgerten – da der Abwesende nicht mehr mit einem der neuen Pässe ausgestattet werden konnte – ihn auf diese Weise ein weiteres Mal ein.
Liszt wurde vor 200 Jahren immerhin mitten in Ungarn geboren, genauer in Doborján, das durch unglückliche historische Widrigkeiten heute Raiding heißt und im angeblich österreichischen Burgenland liegt. Liszt selbst liegt übrigens in Bayreuth, lebte in Paris, Wien, konzertierte auf der ganzen Welt. Ungarn hat sich mit diesem kleinen Coup eine wichtige Marke gesichert, glaubt man. Während sich Österreich mit teuren Konzertsälen und einem hochkarätigen Lisztfestival abrackert, schraubt man in Budapest einfach ein paar neue Schilder an. 2011 begeht die internationale Musikwelt den 200. Geburtstag des virtuosen Europäers, der mit seinem Leben gerade für das heutige Ungarn durchaus ein Vorbild darstellen könnte.
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