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Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 18/2010

(c) Pester Lloyd / 18 – 2010 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.

Neuer ungarischer Wirtschaftsminister benennt Eckpunkte seiner Arbeit

04.05.2010 · Wirtschaft

Neuer ungarischer Wirtschaftsminister benennt Eckpunkte seiner Arbeit

Der gerade als neuer Wirtschaftsminister präsentierte György Matolcsy hat unmittelbar nach seiner Benennung die fünf wichtigsten Betätigungsfelder seines Ressorts benannt. Dem Wirtschaftsmagazin portfolio.hu nannte Matolcsy als seine Hauptaufgaben: Steuersenkungen bereits im Jahr 2010, Verringerung der Korruption, Umsetzung einer Politik zur „Vollbeschäftigung“ unter Einbeziehung der Möglichkeiten von Teilzeit- und Telearbeit sowie öffentlichen Arbeitsprogrammen, ein besserer Einsatz von EU-Mitteln vor allem für KMU und die weitere Vorantreibung des Széchenyi Plans (Anschluss Ungarns an die westlichen Industrienationen binnen 30 Jahren, durch Förderung von Bildung, Innovation, Ausbau strategischer Branchen, Erneuerbare Energien etc.). Matolcsy hält ein Defizit zwischen 4,5 und 6,5% für vertretbar und den Partnern IWF und EU auch vermittelbar, eine Einhaltung der angepeilten 3,8% hält er für unrealistisch.

OTP-Aktionäre gegen weitere Stimmrechtsbeschränkungen

04.05.2010 · Nachrichten

OTP-Aktionäre gegen weitere Stimmrechtsbeschränkungen

Die Aktionäre der größten ungarischen Bank, OTP, erteilten einem Vorschlag des Vorstandes zur Reduzierung der Stimmrechte auf maximal 10%, unabhängig vom Aktienanteil, eine Absage. Der Vorstand begründete die Forderung nach Stimmrechtsbeschränkung u.a. mit einer größeren Handlungsfähigkeit bei strategischen Entscheidungen. Doch eigentlich geht es dabei um die Abwehr möglicher feindlicher Übernahmen, auch wenn, wie Vorstandschef Sándor Csányi, betonte, eine solche nicht zu befürchten sei. Die Aktionäre sahen das ebenso und stimmten gegen den Vorschlag. Die 10%-Regelung lehtn sich an die „Lex MOL“ an, mit der man eine Übernahme durch die OMV verhinderte. Derzeit gibt es bei der OTP eine Beschränkung der Stimmrechte auf 25% bei einem Einzelaktionär bzw. auf 33% bei einer Gruppe von gemeinsam auftretenden Aktionären. Bereits 2009 versuchte der OTP-Vorstand seine Macht auf diese Weise zu zementieren und scheiterte.

Kritik an Arbeitsbeschaffungsprogramm für Roma in Ungarn

04.05.2010 · Nachrichten

Kritik an Arbeitsbeschaffungsprogramm für Roma in Ungarn

Der parlamentarische Ombudsmann für die ethnischen Minderheiten in Ungarn, Ernö Kallai, kritisiert ein von der Regierung aufgelegtes Hilfsprogramm für Roma. Die Initiative war speziell für Hochschulabsolventen aus der größten ethnischen Minderheit Ungarns gedacht und sollte den Graduierten angemessene Jobs in öffentlichen Verwaltungsstrukturen verschaffen. Bis Mitte März konnten über das Programm jedoch lediglich 46 Personen vermittelt werden, die Zielvorgabe der Regierung lag bei 200 Personen. Kallai musste feststellen, dass von den wenigen Vermittelten nicht einmal alle zur „Zielgruppe“ gehörten, sprich, sie sind gar keine Roma. Die EU steuerte 100 Millionen Forint Beihilfe für das Programm bei (ca. 370.000 EUR), weitere 3,7 Mio. EUR wurden im Budget für die Gehälter der Vermittelten reserviert.

Aprildefizit des ungarischen Staatshaushaltes fällt deutlich niedriger aus

05.05.2010 · Nachrichten

Aprildefizit des ungarischen Staatshaushaltes fällt deutlich niedriger aus

Im April hat der ungarische Staatshaushalt sein Defizit um 27 Milliarden Forint (ca. 80 Mio EUR) erweitert, was gegenüber den vom Finanzministerium prognostizierten 82 Mrd. Forint einen überraschend guten Wert darstellt. Die offiziellen Zahlen werden in den nächsten Tagen dazu erwartet. Wahrscheinlich hängt das gute Abschneiden jedoch eher mit einem kalendarischen Effekt zusammen, da einige Prämienzahlungen im Öffentlichen Dienst (als kleiner Ausgleich für die gestrichenen 13. Monatgehälter), zum Teil in den Februar bzw. Mai verlegt worden sind.

Auf das Gesamtjahr bezogen, erreicht das Haushaltsdefizit im April mit 636 Milliarden Forint (ca. 2,3 Mrd. EUR) 72,3% des für 2010 im Haushaltsgesetz vorgesehenen Wertes, berechnet waren für April aber bereits 78,7%. Wenn die Zuordnungen stimmen, müsste das Maidefizit dann statt bei 27,6 Mrd. bei rund 83 Mrd. Forint landen, aber immer noch im Plan liegen, der für Mai 81,9% des Defizitziels vorhersagt. Die neue Regierung rechnet jedoch jetzt schon mit völlig anderen Zahlen. Die von der Bajnai-Regierung festgelegte Größe von 3,8% Defizit hält sie für völlig unrealistisch und peilt (derzeit) einen Wert zwischen 5 und 6,5% an, der mit IWF und EU, gekoppelt an weitere Reformen, in den kommenden Monaten vereinbart werden soll.

Flugstreichungen in Ungarn durch Generalstreik in Griechenland und Aschewolke über Schottland und Ir

05.05.2010 · Nachrichten

Flugstreichungen in Ungarn durch Generalstreik in Griechenland und Aschewolke über Schottland und Irland

Die Malév musste am Mittwoch einige Flüge nach Athen und Thessaloniki wegen des Generalstreiks in Griechenland, der auch die Luftraumkontrolle tangiert, streichen. Die Airline mochte sich noch nicht zu längerfristigen Auswirkungen äußern und hat u.a. den Abendflug am Mittwoch angesetzt, bittet die Passagiere um kurzfristige Einholung des aktuellen Status´. Ebenfalls gestrichen wurden Malév-Flüge nach Dublin, Irland sowie die Flüge von Ryanair nach Glasgow, weil erneut eine Aschewolke von Island kommend, den Luftverkehr in Teilen Nordwesteuropas beeinträchtigt. Auch hier hofft man, bereits am Donnerstag wieder fliegen zu können.

Forint wieder auf Talfahrt

05.05.2010 · Wirtschaft

Forint wieder auf Talfahrt

Die ungarische Währung, Forint, kommt seit Tagen immer stärker unter Druck, mittlerweile durchbrach sie im Devisenhandel bereits die Marke von 278 zum Euro. In den letzten Monaten hielt sie sich dagegen relativ stabil einem Band zwischen 272-265 Forint / EUR. Für die Bewegung wird „die allgemeine Anlegerstimmung“ verantwortlich gemacht, sowie die EUR-Schwäche gegenüber dem Dollar, die auch die Währung der Satellitenökonomien der Gemeinschaftswährung in Mitleidenschaft zieht. Zum Dollar steht der Forint derzeit bei rund 214 HUF, zum Schweizer Franken bei 195.

Innerungarische Indikatoren gäbe es derzeit keine, da die Makrodaten und die Devisenreserven in den gleichen (relativ) stabilen Bahnen verlaufen wie die letzten Monate. Auch die Zinsen für Staatsanleihen blieben auf fast gleichem Niveau wie zuvor. Der Kurs des Forint ist nicht nur für die Wirtschaft und die Staatsfinanzen von Bedeutung, sondern ganz konrekt auch für Hunderttausende Privathaushalte. Rund 60% aller Hypotheken- und Immobiliendarlehen, aber auch Konsumentenkredite (Autos etc.) lauten auf Fremdwährungen wie CHF und EUR. Auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise verteuerten sich diese durch den Forintverfall zum Teil um mehr als ein Drittel, was etliche Kreditnehmer in die Zahlungsunfähigkeit trieb.

Mehr in unserer Rubrik Finanzwirtschaft

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