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Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 18/2011

(c) Pester Lloyd / 18 – 2011 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.

30.000 Fahrradfahrer bilden Critical Mass in Budapest

02.05.2011 · Budapest

Rund 30.000 Menschen haben sich am Samstagnachmittag zu einer Fahrrad-Sternfahrt in Budapest versammelt. Die schon traditionelle Veranstaltung der Bewegung „Critical Mass“ in Budapest ist damit die größte in Europa. Über drei Stunden fuhren die Radler durch das Zentrum der Stadt, das für den restlichen Verkehr weitgehend lahm gelegt wurde. Die Routen führten über die Elisabeth-Brücke, die Kettenbrücke, die Rákoczi Straße, den Andrássy Boulevard und viele weitere innerstädtische Wege. Am Ende trafen sich alle Teilnehmer auf dem Heldenplatz, der bis hinein ins Stadtwäldchen gefüllt war. Das Hauptanliegen der „kritischen Masse“ ist die Förderung alternativer Verkehrskonzepte in der Donaumetropole. Seit 2004 finden diese Spektakel statt, die immer damit enden, dass alle ihre Farräder in die Höhe halten. Die Veranstalter sagen, dass sie schon einen großen Schritt in die gewünschte Richtung geschafft haben und nun auch auf die „Harmonisierung“ des Fahrradverkehrs mit konventionellen Verkehrsarten wert legen wollen.

OTP-Bank Ungarn geht auf Einkaufstour

02.05.2011 · Wirtschaft

Die größte Bank in Ungarn, OTP, hat am Freitag eine Dividende von 73 Forint je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr beschlossen. Damit wird nur rund ein Fünftel des Gewinns nach Steuern von 109 Mrd. Forint (ca. 413 Mio. EUR) an die Anteilseigner ausgeschüttet, weitere 11 Mrd. fließen in eine "strategische Gewinnreserve", bleiben rund 78 Mrd. Forint für die operative Kriegskasse. Dabei stehen Ziele in Kroatien, Rumänien, Serbien und der Slowakei auf der Wunschliste der OTP-Manager, man schloss aber aus, sich für die vakante MKB-Tochter in Rumänien zu interessieren. Man habe schließlich gelernt, dass es nachteilig ist, kleine Banken zu kaufen. "Einheiten mit weniger als 8-10 Prozent Markanteil" seien kaum "effizient zu betreiben", sagte OTP-Chef und Oligarch Sándor Csányi vor Journalisten bei einer Pressekonferenz am Freitag

Das Institut, das man derzeit in Rumänien im Auge habe, würde die OTP in diesem Land vom 15. auf den 10. Platz bringen, wobei die Bilanzsumme des Institutes größer ist als die der bisherigen direkten OTP Romania. Man denke auch über neue Engagements in „exotischeren Ländern“ nach, doch der Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Position in jenen Ländern, in denen man bereits aktiv ist, so Csányi. Insgesamt sei man aber sehr vorsichtig und will auf eine Wiederholung einer Situation wie 2008 gut vorbereitet sein. Diese Äußerung klingt indes nicht gerade beruhigend. OTP Bank Ungarn mit hohen Kreditverlusten – März 2011

50% weniger Baugenehmigungen für Wohnungen in Ungarn

02.05.2011 · Wirtschaft

Der Haus- bzw. Wohnungsbau in Ungarn lässt weiter stark nach, obwohl es schon 2010 einen gigantischen Einbruch in den Markt für Wohnimmobilien gegeben hatte. Die neuesten Zahlen des Statistischen Zentralamtes in Budapest, KSH, weisen für das erste Quartal 2011 die Bauabnahmen für gerade 3.141 Einheiten aus, fast 35% weniger als im Januar bis März des Vorjahres. Noch stärker fielen im gleichen Zeitraum die Zahlen der Baugenehmigungen, nämlich um 51,2% auf nur noch 2.398, womit auch klar ist, dass eine Trendwende nicht einmal annähernd in Sicht ist. Die Zahl der neu fertiggestellten Quadratmeter verringerte sich um 44,2% auf 262.000 Quadratmeter, womit sich also auch die Größe je Einheit verringert hat

Mittlerweile fallen die Fertigstellungszahlen seit sechs Quartalen in Folge, was auch damit zusammenhängt, dass der durch Franken-Kredite aufgeblasene Wohnimmobilienmakrt noch mit Einheiten versorgt worden war, als die Nachfrage wegen der Krise schon zusammenbrach. Viele angefangene Projekte wurden durch die Investoren noch hektisch fertiggestellt, da eine Bauruine noch weniger zu vermarkten oder zu liquidieren ist als die Wohnungen selbst. 2010 wurden in Ungarn 20.823 Wohneinheiten übergeben, 2008 waren es noch über 40.000.

Keine Besserung am Bau – März 2011

Ungarn bleibt bis 2014 in Afghanistan

04.05.2011 · Nachrichten

Der ungarische Außenminister, János Martonyi, bekräftigte, dass die ungarischen Soldaten bis 2014 in Afghanistan bleiben werden. Man sei Teil einer Koalition, zu der man steht. Das wichtigst Ziel der "Mission" sei es, zu verhindern, dass fundamentalistische Terroristen die Macht im Lande an sich reißen könnten, erklärte der Minister am Dienstag. Afghanisten "darf nicht wieder Basis für Terroristen werden."

Er meinte weiter, dass mehrere gescheiterte Attentatsversuche in den letzten Jahren gezeigt hätten, dass der Kampf Wirkung zeigt. Außerdem leiste die „Aufbauarbeit“ einen wichtigen Beitrag dazu, jungen Leuten in den Ländern aufzuzeigen, dass Terrorismus nicht zur Durchsetzung politischer Ziele taugt, so Martonyi in einem Fernsehinterview, das er gab, um zu der Frage Stellung zu beziehen, inwieweit aufgrund des Todes von Osama Bin Laden noch eine weitere Notwendigkeit für einen Einsatz am Hindukusch bestehen sollte. Schließlich war die Jagd auf die Verursacher von 9/11 ja als Huptkriegsziel genannt worden. Martonyi argumentiert, dass die operative Führung von al-Qaida längst nicht mehr in Bin Ladens Händen lag, sein Tod sei aber eine „symbolische Botschaft“. Ungarn hat knapp 400 Mann (300 offiziell) in Afghanistan, im Einsatzgebiet der deutschen Truppe sowie bald wieder als Sicherungsgruppe am Flughafen Kabul , es gab bereits mehrere Todesfälle durch Feindbeschuss .

Ungebeten klare Worte – Dez 2010

Wikileaks: USA halten ungarische Afghanistan-Mission für nutzlos

Ungarischer Akademiepräsident wiedergewählt

05.05.2011 · Nachrichten

Der Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA), József Pálinkás ist von der Generalversammlung für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt worden. Pálinkás absolvierte 1977 ein Physikstudium an der JATE Universität in Szeged und leitete dann bis 1996 das dortige Kernforschungszentrum. In den achtziger Jahren führten ihn Forschungsaufenthalte u.a. für drei Jahre in die USA sowie zwei Jahre nach Schweden. Von 1998 an war er Staatssekretär im Bildungsministerium, von 2001 bis 2002 Minister in der ersten Orbán-Regierung. Seit 2004 ist er ständiges Mitglied der Akademie, 2008 wurde er, unter sozial-liberalen Regierung Gyurcsány, Präsident der höchsten wissenschaftlichen Einrichtung des Landes.

"Zeppelin"-Center in Budapest ohne Baugenehmigung

06.05.2011 · Budapest

„Gericht stoppt “Zeppelin“-Center in Budapest Das ambitionierte „Zeppelin“ Shopping Center auf einem der Filetgrundstücke der Budapester Innenstadt dürfte fürs erste eine Bruchlandung erleben. Am Donnerstag anullierte das Hauptstädtische Gericht die bereits durch die neue Stadtbezirksverwaltung erteilten Baugenehmigungen. Stadbezirksbürgermeister ist Antal Rogán, ein prominentes Mitglied des Fidesz und auch Parlametnsabgeordenter. Auf dem Areal am Erzsébet Platz, zwischen Kempinsiki Hotel (auch kein architektonischer Hit) und Britischer Botschaft sollte ein großes, hypermodernes Büro-Shopping-Gebäude in Glas-Stahl-Architektur entstehen. Das Gericht machte für seine Ablehung denkmalschützerische Überlegungen geltend, auch, da die Pester Altstadt als Teil des Donaupanoramas zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Die Stadtverwaltung solle Art und Umfang des Projektes nochmals überdenken, so die Richter, immerhin würde das durch Jugendstil-Bauten geprägte Viertel durch den futuristischen Klotz dramatisch verändert.

Das Gebäude selbst steht nicht mehr unter Denkmalschutz, noch die alte Stadtbezirksversammlung hob den Status auf, die Investoren wollten insgesamt drei Gebäude abreißen lassen. Eine Gruppe von Architekten, Bürgerinitiativen machten sich für den Erhalt der historischen Substanz stark. Die Entscheidung des Gerichtes kann durch die Stadtbezirksversammlung aufgehoben werden, die hauptstädtische Stadtregierung könnte dagegen wiederum ein Veto einlegen.

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