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Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 39/2010

(c) Pester Lloyd / 39 – 2010 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.

200 Meisterwerke aus Budapest in London

27.09.2010 · Kultur

200 Meisterwerke aus Budapest in London

Mehr als 200 Meisterwerke aus dem Museum der Schönen Künste Budapest und der Ungarischen Nationalgalerie sind derzeit London zu sehen. Dort wird in der Royal Academy of Arts vom 28. September bis zum 12. Dezember die Austellung „Schätze aus Ungarn: Europäische Meisterwerke von Leonardo bis Schiele“ gezeigt. Zu den Prachtwerken aus den ungarischen Sammlungen zählen auch Werke von Goya, Rubens, Monet und Schiele, Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von der Frührenaissance bis ins 20. Jahrhundert. Die Schau wird chronologisch nach der Schaffenszeit geordnet sein und Künstler gleicher Periden werden sodann noch thematisch gruppiert. Als eines der Highlights gilt das Raphael Gemälde von 1508, das unter Fachleuten als „Eszterházy Madonna“ bezeichnet wird (Abb.) und 1871 mit einer großen Sammlung aus dme Hause Esterházy erworben wurde. Die Briten werden auch mit den Arbeiten ungarischer Meister bekannt gemacht, von denen Munkácsy, Csontváry und Rippl-Rónai die namhaftesten sind.

Eröffnet wurde die aufwendige Ausstellung von Justizminister Tibor Navracsics, der sich wünscht, dass andere europäische Länder von der reichen Kulturgeschichte Ungarns erfahren, zumal sein Land 2011 für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.

Mehr bei der Royal Academy of Arts

http://www.royalacademy.org.uk/exhibitions/budapest/about-the-exhibition/

Rumänien vor neuem Exodus von Ärzten

27.09.2010 · Osteuropa

Rumänien vor neuem Exodus von Ärzten

Ein neues Gesetz verbietet rumänischen Ärzten, gleichtzeitig in einem Krankenhaus und in einer privaten Praxis zu arbeiten. Die Regierung war der Meinung, dies würde den Interessen der Patienten dienen, da die Ärzte so mehr Zeit für deren Betreuung hätten. Doch mit der Regelung könnte der Exodus rumänischer Ärzte aus dem staatlichen Gesundheitssystem noch deutlich beschleunigt werden.

Die meisten Ärzte, die in Krankenhäusern angestellt sind, arbeiten nebenbei in privaten Arztpraxen, weil sie mit dem Einkommen aus ihrer Kliniktätigkeit nicht einmal annähernd auskommen. In kleineren Spitälern verdienen selbst die Oberärzte zum Teil weniger als 500 EUR im Monat. Wenn den Ärzten nun der Nebenerwerb untersagt wird, so die begründete Befürchtung, werden noch mehr Mediziner das Land verlassen. Nach Statistiken der Gesundheitsbehörden haben im letzten Jahr rund 3.000 medizinisch ausgebildete Arbeitskräfte das Land verlassen, 2007 waren es derer nur 1.000. Viele Kliniken sind schon jetzt unterbesetzt, das neue Gesetz könnte die Lage bis zum Notstand verschärfen, werfen Ärztevertreter der Regierung vor und bezeichnen das neue Gesetz als „kontraproduktiv“. Nur ein ausreichendes Einkommen mit beruflichen wie materiellen Perspektiven werde dauerhaft genügend Mediziner binden.

Tod im Weinkeller: Ehepaar in Ungarn stirbt an Kohlendioxidvergiftung

27.09.2010 · Nachrichten

Tod im Weinkeller: Ehepaar in Ungarn stirbt an Kohlendioxidvergiftung

Zu einem tragischen Unfall kam es am Sonntag im südungarischen Dávod, unweit von Mohács. Ein 84jähriger Mann und seine 80jährige Frau starben in ihrem Weinkeller an einer Kohlendioxidvergiftung, ausgelöst durch die bei der Mostgärung entstehenden Gase. Eine ebenfalls in dem Haus tätige 70jährige Frau wurde mit schweren Gasvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert, auch einige Feuerwehrleute, die zur Rettung gerufen wurden, mussten behandelt werden, weil sie ihre Atemschutzmasken zu spät angelegt haben. Die Feuerwehr macht jedes Jahr zu Beginn der Weinlese auf die Gefahren durch Gärgase, explizit Kohlendioxid, aufmerksam, das schwerer als Luft ist und sich daher in Kellern und Untergeschossen konzentriert, zudem ist es unsichtbar und geruchlos. Eine uralte Methode bietet gegen diese Lebensgefahr den einfachsten und wirksamten Schutz. Man trägt eine Kerze, die an einem längeren Stab befestigt ist vor sich her, sobald diese erlischt, sollte man den Raum schnellstens verlassen. Auch wird die Anschaffung von Sauerstoffmasken in Weinkellern empfohlen, da sich sonst mögliche Retter ebenfalls in extreme Lebensgefahr begeben.

Strafen für Teilnehmer der Critical Mass in Budapest

27.09.2010 · Budapest

Strafen für Teilnehmer der Critical Mass in Budapest

Für mehr als einhundert Teilnehmer der Fahrraddemonstration Critical Mass am vergangenen Mittwoch hat das Event ein finanzielles Nachspiel. Ihnen wurden, wegen verschiedender Verkehrsdelikte Strafen aufgebrummt, wie die Polizei meint „vollkommen gerechtfertigt“, da sie „grundlegende Verkehrsregeln mißachteten, wie das Fahren bei Rot und das Benützen der Straßenbahnschienen“. Die Veranstalter sehen die Sache völlig anders und beklagen sich über eine regelrechte Polizistenjagd auf Teilnehmer der Veranstaltung vom mehreren zehntausend Menschen, die für bessere Radwege und insgesamt eine nachhaltigere Stadtverkehrsentwicklung demonstrierten. Die Polizei habe es geradezu darauf angelegt, so viele Fahradfahrer wie möglich zu bestrafen. Man sehe zwar auch, dass es Regelübertretungen gegeben habe, doch waren die bei dem Massenbetrieb nicht immer zu verhindern und es sei in Rechnung zu stellen, dass es sich im Ganzen um eine friedliche und gutwillige Demonstration gehandelt habe, die niemanden gefährdet hat. Die Polizei habe gegen 110 Teilnehmer Strafen im Wert von insgesamt 830.000 Forint verhängt.

Weiterer Rücktritt an der Ungarischen Staatsoper

27.09.2010 · Kultur

Weiterer Rücktritt an der Ungarischen Staatsoper

Der international bekannte Dirigent Ádám Fischer ist von seiner Funktion als Generalmusikdirektor der Ungarischen Staatsoper zurückgetreten. Damit verlässt binnen drei Monaten der zweite künstlerische Leiter das Haus, bereits im Juli wurde der ausgelaufene Vertrag von Chefregisseur Balázs Kovailk nicht verlängert , was zunächst mit strukturellen Planungen begründet wurde, aber als ausgemacht politischer Richtungswechsel gelten darf. Inwieweit der Rücktritt von Ádám Fischer, der – noch mehr als sein junger Kollege Kovalik – internationale Reputationen, u.a. als Dirigent in Bayreuth, aufweisen kann, auch mit dem neuen Wind im Kulturministerium zusammenhängt, ist noch nicht ganz klar, doch Fischer ließ sich von MTI insoweit zitieren, dass „Generalmusikdirektor“ doch nur ein Titel sei, es aber auf die Inhalte ankomme. Daraus kann man nur erlesen, dass Fischer nicht mehr so arbeiten kann wie er will. Seinen diesjährigen Verpflichtungen will er im wesentlichen noch nachkommen.

Deutschland 09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation – im Goethe-Institut Budapest

27.09.2010 · Kultur

Deutschland 09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation – im Goethe-Institut Budapest

Mehr als 30 Jahre nach dem Spielfilm „Deutschland im Herbst“ haben sich 13 namhafte Regisseure für das Projekt „Deutschland 09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation“ zusammengefunden, das im Goethe-Institut Budapest am 29. September gezeigt wird. Ähnlich wie in der Collage von Rainer Werner Fassbinder und Alexander Kluge aus dem Jahr 1977 setzen sie ein Panorama der politischen und gesellschaftlichen Situation der heutigen Bundesrepublik zusammen – über 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, 40 Jahre nach dem studentischen Aufbruch 1968, 30 Jahre nach dem „Deutschen Herbst“ 1977, 20 Jahre nach dem Fall der deutsch-deutschen Grenze 1989 und mitten im gesellschaftlichen Umbruch der „Agenda 2010“ auf dem Weg in die globalisierte Welt des 21. Jahrhunderts. Laut Tom Tykwer vereint der Film „ein gutes Dutzend individuelle filmische Blicke auf das, was wir heute und jetzt als Heimat erleben – und wie wir uns in diesem Land verorten, verirren, verstricken.“

„Deutschland 09“ wurde am 13. Februar 2009 im Rahmenprogramm der 59. Berlinale uraufgeführt. Beteiligte Regisseure sind: Angela Schanelec, Dani Levy, Fatih Akin, Nicolette Krebitz, Sylke Enders Dominik Graf, Hans Steinbichler, Isabelle Stever, Hans Weingartner, Tom Tykwer, Romuald Karmakar, Wolfgang Becker, Christoph Hochhäusler

29. September 2010, 18.00

Goethe-Institut, 1092 Budapest, Ráday u. 58.

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