(c) Pester Lloyd / 41 – 2010 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.
Entlassungen und Lohnerhöhung bei Ungarischer Telekom
11.10.2010 · Wirtschaft
Entlassungen und Lohnerhöhung bei Ungarischer Telekom
Management und Arbeitnehmervertreter der Magyar Telekom, Tochter der Deutschen Telekom, einigten sich zeitgleich auf eine 4%ige Lohnerhöhung ab Juli 2011 sowie die Entlassung von 300 Mitarbeitern am Stammsitz des Unternehmens. Bei dem Arbeitsplatzabbau sind Pensionierungen und natürliche Fluktuation nicht mit eingerechnet. Abfindungszahlungen werden rund 3,5 Milliarden Forint kosten, doch insgesamt soll das Maßnahmenpaket die Lohnkosten des Telekommunikationskonzerns im nächsten Jahr um 8% senken. Rund 520 der höheren Angestellten werden nur rund 2% Lohnerhöhung erhalten, weitere Zahlungen werden vom Betriebsergebnis abhängig gemacht. 2011 sollen die Personalkosten bei der MTel um 9,5 auf 115,5 Milliarden Forint (ca. 275 Mio EUR) sinken.
Agrarpreise in Ungarn deutlich gestiegen
13.10.2010 · Nachrichten
Agrarpreise in Ungarn deutlich gestiegen
Die Erzeugerpreise der ungarischen Agrarwirtschaft stiegen zu Ende August binnen eines Jahres um 20% und wiesen auf Monatsbasis den zweiten Anstieg in Folge auf, nach einer viermonatigen Phase der Preisminderungen. Das meldet das Statistische Zentralamt KSH in Budapest. Am stärksten zogen dabei die Getreidepreise an, insgesamt fast 32%, was sowohl mit der reduzierten Ernte in Ungarn als auch den Verwerfungen auf den Weltmärkten zusammenhängt, auf denen Spekulatnten die Waldbrände in Russland zum Anlass nahmen, die Preise nach oben zu treiben. Nutzvieh wurde im Schnitt nur um 3,2% teurer. Die Preiserholung holt ca. 50% des Verfalls seit 2008 auf.
Ungarische Eierlobby macht Front gegen EU-Normen
Streik und Betriebsblokade bei Ganz-Röck in Ungarn dauert an
13.10.2010 · Nachrichten
Streik und Betriebsblokade bei Ganz-Röck in Ungarn dauert an
Seit mehr als einer Woche hält bereits der Streik der Arbeiter der TE Ganz-Röck Zrt. in Kiskunfélegyháza an. Der Betrieb ist einer der großen industriellen Kesselhersteller Ungarns mit einer langen Tradition. Das Unternehmen wurde Mitte der Neunziger Jahre privatisiert und hatte immer wieder mit wirtschaftlichen und finanziellen Problemen zu kämpfen. Auch hier, so wie bei der MAL in Ajka, herrscht das Problem eines als egoistisch eingeschätzten Managements, das zuerst auf eigenartigen Wegen in den Besitz der Firma kam und nun zuerst an die eigenen Bedürfnisse als an das Überleben der Firma denkt, weshalb die Arbeiter jetzt die Notbremse zogen und in einen unbefristeten Streik traten, begleitet von den Sympathien der Bevölkerung. Rund 350 Arbeiter beteiligen sich an dem Ausstand, der nicht der erste in diesem Jahr ist. Der Aufstand der Arbeiter entzündete sich an der Nachricht, dass einer der Auftraggeber, die deutsche Alstom – Tochter versuchte, halbfertige Produkte aus dem Unternehmen abtransportieren zu lassen. Einige Dutzend Arbeiter blockieren seitdem die Firmenzufahrt. Ein Sicherheitsdienst wurde abgewehrt, dessen schwarzgekleidete Truppe versuchte, die Streikposten mit Gewalt zu entfernen. Die Forderungen der Arbeiter sind klar: Fortführung der Produktion, Gewährung neuer Kredite, Umdenken des Managements.
Demo gegen Hebammenprozess in Ungarn
13.10.2010 · Nachrichten
Demo gegen Hebammenprozess in Ungarn
Laut Polizei 600, laut wohlwollenden Medien bis zu 2.000 Demonstranten bekundeten am Dienstag vor dem Hauptstädtischen Gericht in Budapest ihre Sympathien mit einer Hebamme, die seit 5. Oktober in Haft ist und sich u.a. wegen des Vorwurfs der Körperverletzung, fahrlässigen Tötung und Verstoß gegen die Berufsgesetze des Gesundheitswesens vor Gericht verantworten muss. Die Geburtshelferin Ágnes Geréb hat sich allein schon durch die Assitenz bei Hausgeburten strafbar gemacht, die in Ungarn verboten sind. Als es bei einer der Hausgeburten zu Komplikationen und zuvor schon zu einem Todesfall kam, wurde die Hebamme und selbsternannte Kämpferin für „Schwangerenrechte“ in Haft genommen. Um ihr Anliegen, die Zulassung von Hebammendiensten in Privathaushalten, zu unterstützen, bildeten die Demonstranten eine Menschenkette vom Gericht zum Parlamenstgebäude. Mittlerweile erhalten sie auch Unterstützung aus der Regierungspartei Fidesz, eine Abgeordnete sprach sich für eine entsprechende gesetzliche Regelung aus, die auch Hausgeburten unter fachlich qualifizierter Aufsicht ermöglichen könnte, was ein Novum darstellt.
Die 1952 geborene Ágnes Geréb tut sich schon seit Jahrzehnten als Aktivistin für Hausgeburten hervor und bekam schon des öfteren Ärger mit der Justiz, seit 2007 wurde ein Berufsverbot über sie verhängt. Für ihre Anhänger ist sie eine Heldin, für ihre Gegner ist sie – unabhängig von ihren vielleicht berechtigten Forderungen – eine Fanatikerin. Der Richter im laufenden Prozess ordnete dementsprechend gestern auch die Anfertigung eines psychatrischen Gutachtens an.
EU stoppt Gelder für Ungarns Transportwesen
13.10.2010 · Nachrichten
EU stoppt Gelder für Ungarns Transportwesen
Wegen „schwerwiegender Versäumnisse“ hat die Europäische Union am Montag die Zahlungen aus dem EU-Strukturfonds für Transportprojekte ausgesetzt. Die Entscheidung aus Brüssel bestätigte am Abend das Ministerium für Nationale Entwicklung. Bereits vor einer Woche war von einer Einstellung aller Zahlungen für Projekte zwischen 2007 und Ende 2009 die Rede, weil es bei der Abrechnung und der Kontrolle „Unregelmäßigkeiten und Versäumnisse“ gegeben habe. In einem Brief hat die EU die ungarische Regierung aufgefordert, beschleunigte Schritte zu unternehmen, um die Ermittlungen vor allem bei mutmaßlich irregulären öffentlichen Ausschreibungen voranzutreiben. Nur die Erstellung und Einhaltung eines mit der EU abgestimmten Aktionsplanes könne die Gelder wieder freigeben. Laut Minister Tamás Fellegi „erprobe“ die Regierung im zweiten Halbjahr 2011 „ein neues Ausschreibungssystem“, das ab 2012 Gesetz werden soll.
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